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Kreuzerlass: Landesbischof bewertet Debatte positiv | BR24

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Ein Jahr Kreuzerlass - was hat es gebracht? Wir fragen den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm.

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Kreuzerlass: Landesbischof bewertet Debatte positiv

Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bewertet die Diskussion um den sogenannten "Kreuzerlass" positiv. In der Flüchtlingspolitik gebe es Anzeichen, dass die Debatte etwas gebracht habe, so der Landesbischof im BR-Interview.

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BR: Hat sich etwas durch die Debatte über den Kreuzerlass getan?

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm: Wenn ich nach einem Jahr Bilanz ziehe, muss ich sagen, dass sich etwas getan hat. Diese Debatte hat ihren guten Sinn gehabt. Wir haben wahrgenommen, dass die Verbindlichkeit, der Zwang des Kreuz aufhängens, an dem wir Anstoß genommen haben, deutlich abgemildert worden ist. Man hat gesagt: "Es wird nicht kontrolliert, es muss nicht in allen Gebäuden zwangsläufig der Fall sein." Das alles ist Ausdruck von Lernerfahrungen aus der Diskussion und dafür bin ich sehr dankbar. Es ist ganz deutlich geworden in dieser Diskussion: Erstens, dass das Kreuz zuallererst ein religiöses Symbol ist, und damit eng verbunden. Und zweitens, dass das Kreuz, wenn es öffentlich sichtbar ist, was ich mir wünsche, immer auch eine Verpflichtung für uns bedeutet, eine Verpflichtung für die Öffentlichkeit, für die Politik, das ernst zu nehmen, was das Kreuz symbolisiert: dass nämlich Gott jemand ist, der an der Seite der Schwachen ist. Dass Christus am Kreuz gelitten hat, als Folteropfer gestorben ist, und deswegen uns an die Seite derer stellt, die heute leiden.

Welche konkreten Folgen konnten Sie denn beobachten seitens der Politik?

Wenn wir die Politik in Bayern im letzten Jahr anschauen, etwa die Frage, wie mit Flüchtlingen und Asylsuchenden umgegangen wird, lassen sich Anzeichen dafür finden, dass man hier nochmal weiter nachgedacht hat, dass diese Diskussion auch inhaltlich etwas gebracht hat. Ich bin jedenfalls – jenseits aller kontroversen Einzelfragen - dankbar für jeden Fall, in dem ich mich an die Staatsregierung wende, wo es um ganz konkrete Menschen geht und wo ich auf offene Ohren stoße. In nicht wenigen Fällen hat das auch die Konsequenz gehabt, dass Menschen hier bleiben konnten.

Waren Sie überrascht, wie hitzig über Söders Kreuzerlass öffentlich debattiert wurde?

Es hat sich damals auch vieles an Dingen festgemacht, die wenig mit dem Inhalt selbst zu tun hatten: an Personen, an Wahlkampfzeiten, am Misstrauen gegenüber den Grundhaltungen, die im Hintergrund stehen – all diese Dinge haben eigentlich den Inhalt, um den es geht, verdeckt. Ich bin froh - und vielleicht haben wir als Kirchen auch ein bisschen dazu beitragen können – dass der Inhalt, nämlich der Glaube und der Inhalt des Kreuzes, nämlich Jesus Christus, dass dieser wieder neu in die Diskussion gekommen ist. Dass man über das Kreuz Jesu Christi öffentlich diskutiert, darüber kann sich ein Bischof eigentlich nur freuen.

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B5 Bayern

Autor
  • Johannes Reichart
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