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Kreuz erinnert an ermordeten polnischen Zwangsarbeiter | BR24

© Ein Kreuz soll an den ermordeten polnischen Zwangsarbeiter erinnern

BR/Thomas Muggenthaler

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Kreuz erinnert an ermordeten polnischen Zwangsarbeiter

An einem Waldrand bei Siegenburg (Lkr. Kelheim) erinnert nun ein Holzkreuz an einen polnischen Zwangsarbeiter. Dessen Liebe zu einer deutschen Frau nahm während des Zweiten Weltkriegs ein tragisches Ende.

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Am Rand des "Langhaider Forstes" bei Tollbach in der Gemeinde Siegenburg (Lkr. Kelheim) erinnert jetzt ein Kreuz an den ermordeten polnischen Zwangsarbeiter Wladyslaw Belcer. Gestaltet hat das Kreuz der Holzbildhauer Erich Brunner aus Siegenburg. Aufgestellt wurde es unter anderem auf Betreiben des Altbürgermeisters und Besitzer des Waldes, Franz Kiermaier.

Hinrichtung im Wald

Wladyslaw Belcer wurde am 13. November 1942 in diesem Waldstück hingerichtet. Er war 20 Jahre alt. Sein einziges "Verbrechen": Ihm wurde vorgeworfen, eine Liebesbeziehung zu einer deutschen Frau unterhalten zu haben. Das war polnischen Zwangsarbeitern streng verboten. Sie galten im Dritten Reich als rassisch minderwertig. Wladyslaw Belcer wurde verhaftet, in das KZ Flossenbürg verschleppt und zu seiner Hinrichtung wieder nach Tollbach gebracht, wo er gearbeitet hatte.

© privat

Verwandte haben ein Foto von Wladyslaw Belcer geschickt: So hat dieses Opfer der NS-Gewaltherrschaft jetzt auch ein Gesicht

Ein Zeitzeuge erinnert sich

Die Hinrichtung wurde von der Gestapo Regensburg geleitet und von einem Kommando aus dem KZ Flossenbürg durchgeführt. Polnische Zwangsarbeiter aus dem Bereich Siegenburg mussten sich am Hinrichtungsort versammeln, sich den Ermordeten ansehen und sich belehren lassen. Zeitzeuge Hans Seefelder, damals Schüler, kann sich noch an den Polen erinnern und hat auch gesehen, wie das Hinrichtungskommando "mit einem Opel Blitz" an der Schule vorbeigefahren ist.

© BR/Thomas Muggenthaler

Zeitzeuge Hans Seefelder, damals Schüler, kann sich noch an den Polen erinnern und hat auch das Hinrichtungskommando gesehen

Liebesbeziehung zu einer Deutschen

Am selben Tag wurde von dem gleichen Exekutionskommando bei Schweinbach in der Gemeinde Wildenberg (Lkr. Kelheim) der polnische Zwangsarbeiter Stanislaw Morawski hingerichtet. Besonders tragisch: Die Frau, die mit Wladyslaw Belcer ein Verhältnis unterhalten haben soll, war schwanger. Sie durfte ihr Kind zur Welt bringen, wurde dann in das Frauen-KZ Ravensbrück eingewiesen, wurde anschließend in das KZ Majdanek bei Lublin gebracht und starb schließlich am 14. April 1944 im KZ Auschwitz.

Abensberger Realschüler wollen ein Zeichen setzen

Schüler der Johann-Turmair Realschule Abensberg haben sich des Falles angenommen. Auslöser war eine Vorführung des Films "Verbechen Liebe - von polnischen Männern und deutschen Frauen" (Bayerisches Fernsehen) an der Schule. Die Schüler haben sich dafür entschieden, als "Erinnerungszeichen" eine Parkbank aufzustellen, die symbolisch für ein Liebespaar steht. Diese Parkbank soll im Herbst vorgestellt werden.

Kontakt zur polnischen Familie des Hingerichteten

Zudem wird eine Informationsstelle den Fall und seine Hintergründe beleuchten. Dieses Jahr ist es gelungen, zur Familie von Wladyslaw Belcer Kontakt aufzunehmen: In Polen lebt noch seine jüngste Schwester. Die Verwandten haben ein Foto von Wladyslaw Belcer geschickt. Es zeigt den dunkelhaarigen jungen Mann mit weißem Hemd, Krawatte und Sakko. So hat dieses Opfer der NS-Gewaltherrschaft jetzt auch ein Gesicht.

© BR

In der Gemeinde Siegenburg erinnert jetzt ein Kreuz an einen von den Nazis ermordeten Polen. Sein Verbrechen: Er liebte eine deutsche Frau. Abensberger Schüler arbeiten mit an dem Projekt der Erinnerungskultur.

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