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Kreißsaal-Krise in Bayern: Mehr Babys, weniger Stationen | BR24

© Bayerischer Rundfunk 2019

Steckt die Geburtsmedizin in Bayern in der Krise? Die Versorgungssituation von Frauen und Neugeborenen in den Kreißsälen wird immer schlechter, warnt der Deutsche Hebammenverband. Viele Entbindungsstationen schließen - bei steigenden Geburtenzahlen.

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Kreißsaal-Krise in Bayern: Mehr Babys, weniger Stationen

Die Versorgung von Frauen und Neugeborenen in bayerischen Kreißsälen wird immer schlechter - davor warnt der Deutsche Hebammenverband. Viele Entbindungsstationen schließen. Die restlichen müssen das ausgleichen - bei steigenden Geburtenzahlen.

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Der Deutsche Hebammenverband warnt eindringlich, dass die Versorgung von Frauen und Neugeborenen in den Kreißsälen unzureichend sei und von Jahr zu Jahr schlechter werde.

In Bayern sind derzeit unter anderem die Geburtsstationen in Bad Aibling, Gräfelfing, Aichach, Schrobenhausen, Bad Tölz, Neuendettelsau und Illertissen geschlossen.

Vielfältige Gründe für geschlossene Geburtsstationen

Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manchmal sind zu wenig Hebammen verfügbar, manchmal zu wenig Ärzte. Dann wieder wird die Geburtsstation dicht gemacht, weil sich der Betrieb für den Träger nicht rechnet. "In den vergangenen drei Jahren sind bayernweit an die 16 Geburtsstationen geschlossen worden", sagt Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft.

Genaue Zahlen zu erhalten sei schwierig, weil manche Kliniken nur von einer "vorübergehenden Schließung" sprechen. Trotzdem:

"Das ist schon eine Zahl, die zwar nicht zu einer Notsituation führt, aber durchaus als besorgniserregende Entwicklung zu bezeichnen ist." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft

Immer mehr Kinder werden geboren

Den geschlossenen Geburtsstationen steht gegenüber, dass die Zahl der Geburten in Bayern kontinuierlich steigt: Im Jahr 2017 hat das Statistische Bundesamt 126.191 Geburten im Freistaat verzeichnet. 2007 wurden noch 106.870 Kinder geboren. Die Anzahl der Entbindungen in Bayern ist damit im Vergleich zum Bundesdurchschnitt überproportional stark gestiegen.

Hebammen beklagen unzureichende Versorgung

Aus Sicht der Hebammen ist die Versorgung von Frauen und Neugeborenen in den Kreißsälen mittlerweile völlig unzureichend. So würden in Deutschland in den Kreißsälen zwei, drei oder mehrere Gebärende gleichzeitig von einer einzelnen Hebamme betreut. Damit liege Deutschland im europäischen Vergleich weit hinter Ländern wie England, Norwegen, der Schweiz oder der Türkei.

Immer weniger fest angestellte Hebammen

Laut einer Studie im Auftrag des bayerischen Gesundheitsministeriums waren im Mai 2017 2.717 freiberufliche Hebammen in Bayern gemeldet, die ihre Leistung mit einer Krankenkasse abrechnen. Im Jahr 2016 waren in Bayern lediglich 731 Hebammen als angestellte Hebammen in Krankenhäusern tätig. Ein bayerisches Phänomen: In keinem anderen Bundesland gibt es so viele freiberufliche Hebammen. Andernorts sind deutlich mehr Hebammen in den Kliniken fest angestellt.

Ministerium will Anreize für Hebammen schaffen

Das bayerische Gesundheitsministerium erklärte, Kreißsäle würden nicht geschlossen, weil es zu wenige Hebammen gebe, sondern, weil "zu wenige der ausgebildeten Hebammen auch bereit sind, im Kreißsaal zu arbeiten - und das bei steigenden Geburtenraten". Ein Sprecher erklärte, das Ministerium wolle durch Anreize (Hebammenbonus, Gründerpaket, Geburtshilfeprogramm) den Trend umkehren. Denn klar sei - so der Sprecher - "wir müssen die Hebammen wieder in die Kreißsäle bringen".

© BR

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