BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR/Lui Knoll
Bildrechte: BR/Lui Knoll

Es sind immer die gleichen Orte in Oberbayern, die bei Starkregen von Bächen bedroht werden. Neulich war es der Hammersbach in Grainau, in Peißenberg sind es Bäche vom Hohenpeißenberg. Dort wird an einem besseren Hochwasserschutz gearbeitet.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kreativer Hochwasserschutz in Peißenberg

Jeden Sommer schwellen Bäche an bestimmten Hotspots in Oberbayern an. Etwa alle zwei Jahre laufen sie über die Ufer. So vor kurzem die Bäche in Grainau, Murnau und Peißenberg. Jetzt wurden kreative Methoden zum Hochwasserschutz entwickelt.

Per Mail sharen
Von
  • Lui Knoll
  • Matthias Lauer

Es sind immer wieder die gleichen Orte in Bayern, die bei Starkregen von Bächen bedroht werden, die alle zwei bis drei Jahre überlaufen. Vor einem Monat war es der Hammersbach in Grainau. Vor zwei Wochen hat es Murnau und umliegende Gemeinden erwischt. Im Landkreis Weilheim-Schongau sind es die Gebirgsbäche, die vom Hohenpeißenberg kommen und den Markt Peißenberg bedrohen. Dort wird seit Jahren an einem besseren Hochwasserschutz gearbeitet. Doch das ist schwer. Die Kommune will eine große Lösung und entwickelt neue Methoden für schnelle Einsätze - zum Schutz der BürgerInnen.

Neue Methoden für den Schutz vor Hochwasser

Starkregen am Wörtersbach in Peißenberg. Bürgermeister Frank Zellner und Marktbaumeister Thomas Schamper schauen nach den Pegeln des Baches, der schon vielen Einwohnern überschwemmte Keller beschert hat. Rund 100 Meter oberhalb des Ortes ist die Mess-Stelle, die den Verantwortlichen – aber auch den Bürgern die Pegel anzeigt. Bis zur ersten kritischen Marke von 60 cm zeigt die Warn-App noch Luft nach oben. Ab einem Meter wird es kritisch.

Der Blutdruck der Helfer steigt bei steigenden Pegeln

Noch schaut es gut aus, aber wenn es so weiter schüttet, steigt nicht nur der Pegel über die kritische Marke von einem Meter, sondern auch der Blutdruck bei den vielen Helfern. Die Warn-App schlägt bei einem Wasserstand über einem Meter beim Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr, Philipp Reichhart, sofort Alarm:

"Uns betreffen ja nicht nur die Pegel. Das sind vor allem die Starkregenfälle. Das ist ein Phänomen der letzten Jahre. Wenn wir ca. 25 bis 30 Liter haben, merkt man – das wird ein Problem – und dann beginnt auch schon die erste Kontrollfahrt."

Ein Sandschlauch schützt vor Hochwasser

© BR/Lui Knoll
Bildrechte: BR/Lui Knoll

Der Sandschlauch ersetzt Sandsäcke

Ein halbes Dutzend Bäche wie der Wörtersbach fließt vom Hohenpeißenberg und bedroht bei Starkregen den Ort. Der Bauhof hat ein eigenes System entwickelt, um beim Überlaufen der Bäche die Anwohner zu schützen. Roman Bals, der Leiter des Bauhofs, erklärt, wie es funktioniert. Ein überdimensionierter weißer Stützstrumpf aus Nylon hängt an der mit Sand gefüllten Schaufel eines Radladers. Der Sandschlauch wird an gefährdeten Häusern mit Sand gefüllt und abgelegt und kann so als erster Schutz gegen das Hochwasser dienen. Wo früher zig Helfer Sandsäcke gefüllt haben, kann dieses Verfahren in großer Geschwindigkeit Barrieren gegen die Fluten errichten. Der Bauhof ist die schnelle Eingreiftruppe der Peißenberger – zusammen mit der Feuerwehr.

20 Millionen Euro muss der Bürgermeister investieren

© BR/Lui Knoll
Bildrechte: BR/Lui Knoll

Ortsbesichtigung der Regenrückhaltebecken: Marktbaumeister Thomas Schamper (li.) und Bürgermeister Frank Zellner (re.)

Für den langfristigen und effektiveren Hochwasserschutz laufen die Planungen für zwei Regenrückhaltebecken auf Hochtouren. 20 Millionen Euro muss der neue Bürgermeister Frank Zellner (CSU) in den nächsten Jahren mit Hilfe des Freistaats investieren, damit die Anwohner an den Bachläufen wieder ruhiger schlafen können. "Wir stehen unmittelbar vor dem Planfeststellungsverfahren, um die südlichen Bereiche von Peißenberg mit dem Regenrückhaltebecken besser schützen zu können." Nächstes Jahr soll mit dem Bau begonnen werden.

Damit die Anlieger geschützt sind

Die Nachbargemeinde Weilheim hat einen solchen Damm in den letzten Jahren gebaut und damit einen der anderen Gebirgsbäche von den umliegenden Hochflächen gezähmt. Der Wörtersbach hier in Peißenberg wird auf eine Länge von 200 bis 300 Meter ausgebaut. Der Marktbaumeister Thomas Schamper hofft, dass es so funktioniert: "Ab hier wird der Bach mit riesigen Steinen ausgebaut, damit das Wasser dann ins Regenrückhaltebecken abfließen kann und die Anlieger geschützt sind."

Der Hohenpeißenberg ist Garant für Starkregen

Die Anwohner wird’s freuen – die Anzahl der Starkregenereignisse nimmt zu. Und der Hohenpeißenberg mit seiner exponierten Lage im Voralpenland ist ein Garant für Starkregen. In diesem Jahr (2020) hat es den Ort zum Glück noch nicht erwischt – aber die Statistik spricht gegen den Ort. Die Zeitabstände zwischen den massiven Starkregenereignissen werden kürzer.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!