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Kreativ in der Corona-Krise: Crowdfunding für Kulturschaffende | BR24

© BR / Laila Heyne

Das "Silo" in Töging

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Kreativ in der Corona-Krise: Crowdfunding für Kulturschaffende

Wegen der Corona-Krise haben Bars und Clubs in Bayern geschlossen. Wie geht es den Betreibern ohne all die feiernden Gäste, die gern Musik hören und ein Glas trinken? Unsere Mühldorf-Korrespondentin Laila Heyne hat im Landkreis Altötting nachgefragt.

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Die meisten kennen das "Silo" im oberbayerischen Töging nur im Dunkeln und voller Menschen, die lachen und tanzen, sich an der Bar unterhalten. Jetzt ist es in dem alten Fabrikgebäude still, hell und sauber. Tom Wörl ist seit drei Jahren der "Silo"-Betreiber:

"Ja, das ist das legendäre Putzlicht, bei dem dann jedem Partygast normal die Stimmung vergeht, wenn man das anmacht. Da oben legt normal der DJ auf, unsere Predigtkanzel. Hier hätten wir auch diverse Konzerte gehabt die nächste Zeit. Eines konnten wir schon verlegen in den Dezember. Geht schon irgendwo weiter!" Tom Wörl, Betreiber des "Silo" in Töging
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Das "Silo" in Töging

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Das "Silo" in Töging

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Das "Silo" in Töging

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Das "Silo" in Töging

Das Putzlicht vom "Silo", das um 5 Uhr morgens angemacht wird, kennt man in der Region. Seit 1998 existiert der alternative Club, er ist eine Institution.

"Wenn jetzt die Leute hier drin tanzen, flippt jeder aus: Tanzen und Prost, und der trinkt da... Das geht halt nicht. Man muss da wirklich sagen: Bleibt daheim! Auch wenn man es bis vor Kurzem selber noch nicht richtig wahrhaben wollte. Man muss jetzt einfach hergehen und sagen: Macht ein paar Wochen Pause, Leute!" Tom Wörl, Betreiber

Crowdfunding für das "Silo" in Töging

Im "Silo" arbeiten im Moment 19 Menschen, alle auf Minijob-Basis. Viele von ihnen sind Studenten, die das Geld brauchen. Auch die Miete ist zu bezahlen. Nach einem Monat wird es schwierig. Das "Silo" wird die 5.000 Euro Soforthilfe von der Regierung von Oberbayern bekommen. Aber das wird nicht reichen, sagt Tom.

"Wir planen jetzt mal bis zum 19. April, wobei ich mittlerweile glaube, dass es der definitiv nicht wird, sondern eher, wenn wir Glück haben, der Juni. Und deswegen sind wir auf das Crowdfunding gekommen. Wir wollten jetzt nicht direkt Spenden sammeln. Wir wollten halt den Leuten die Chance geben: Hey, ihr könnt was spenden, aber ihr bekommt auch etwas dafür!" Tom Wörl, Betreiber

Als Dankeschön gibt's zum Beispiel "Silo"-Weißbiergläser, die es sonst nicht zu kaufen gibt. Normalerweise werden sie nur geklaut, sagt Tom. Ein Highlight ist zum Beispiel auch das Beerpong gegen die "Silo"-Crew oder eine eigene Party im "Silo" – natürlich alles nach der Corona-Krise.

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Das "Plattenzimmer" in Altötting

"Plattenzimmer" in Altötting: Für Spenden legen DJs daheim auf

Die Corona-Krise erwischt viele Clubs. Einige versuchen, sich mit Crowdfunding zu retten, auch der "City Club" in Augsburg und die "Wilde Renate" in Berlin. Genauso das "Plattenzimmer" in Altötting, ein Plattenladen.

"Im Moment ist es so, dass uns wichtige Konzerttermine wegfallen, die uns die Miete finanziert hätten. Wir haben monatliche Fixkosten von rund 750 Euro, die wir jetzt natürlich auch in der Zeit der Ladenschließungen weiterhin stemmen müssen. Aus dem Grund haben wir uns überlegt, dass wir an unsere Kunden, an die Leute, die das Plattenzimmer lieben, herantreten, uns spendenmäßig ein bisschen zu unterstützen. Wir hoffen natürlich, dass wir auch nach dieser Virus-Sache wieder normal aufsperren können." Dani König, aktives Vereinsmitglied

Hier gibt es als Dankeschön zum Beispiel "Plattenzimmer"-Tassen und Collagen einer Künstlerin aus der Region zum An-die-Wand-Hängen. Das Beste: Man kann sich nach Corona das "Plattenzimmer"-DJ-Team zu sich nach Hause für einen Abend zum Auflegen holen.

Das Beste von den Beatles, Kraftwerk und David Bowie

Das "Plattenzimmer" sieht ein bisschen aus wie ein Wohnzimmer im 70er-Jahre-Look: alte Stehlampen, eine grüne gemütliche Sofagarnitur, gedimmtes Licht, in der Mitte eine lange Zeile mit Plattenkisten aus hellem Holz. Bei einigen Platten hier sind die Macher erst in Vorleistung gegangen.

"Wir haben vor Kurzem erst eine Sammlung aufgekauft mit einigen 60er-, 70er-Jahre-Klassikern. Man sieht es da oben an der Wand: Wir haben Beatles-Platten da, Kraftwerk hängt da. Links steht eine alte Platte von David Bowie. Wir haben aber auch sehr viele unbekannte Platten, die man sonst nicht überall finden kann. Jazz Stoner, Garage, generell Rock, Indie-Rock, eine kleine Auswahl an Hip-Hop-Scheiben. Da schauen wir schon, dass sich jeder auch was finden kann bei uns im Laden." Dani König, Vereinsmitglied

Eventuell bekommen sie für ihren Plattenladen auch die Soforthilfe von der Regierung. Das ist aber nicht sicher – auch nicht, wie viel das wäre. Ganz hinten steht in einem Nebenraum ein altes weißes Klavier und ein Kickerkasten – es hat schon einen Grund, warum das "Plattenzimmer" von vielen das "Wohnzimmer Altöttings" genannt wird.

Josef Waritschlager ist im Vereinsvorstand. Er steht gerade am Verkaufstresen:

"Normalerweise würde ich jetzt mit den Lieblingskunden hier über die neuen Platten diskutieren. Dann würden wir uns die auch anhören und vielleicht das eine oder andere Bier trinken und einfach das Leben genießen. Aber das ist jetzt natürlich momentan nicht möglich, zu Recht! Lieber schützen wir uns alle, bevor wir nicht so gut davonkommen." Josef Waritschlager aus dem Vereinsvorstand

Und dann legt Josef noch eine Platte auf. Vermutlich die letzte für die kommenden beiden Wochen: "Brothers on the slide" von "Cymande", etwas für die Seele.

Locals unterstützen und Musik-Livestreams genießen

Bis mindestens 19. April müssen sie alle zulassen – die Clubs, die Konzertsäle, die vielen Kulturstätten, die den Menschen das Leben sonst so schön machen. Das ist hart – aber auch gut so.

Wer seine "Locals" in dieser schwierigen Zeit unterstützen möchte, kann sich Bücherpakete vom Lieblingsbuchhändler schnüren lassen, Gutscheine kaufen, nicht den Ticketpreis von abgesagten Konzerten zurückverlangen und nicht zuletzt die vielen Musik-Livestreams auf der Couch genießen. Denn etliche Klassik-, House- oder auch Akustik-Wohnzimmer-Konzerte werden in Zeiten der Krise im Internet übertragen.

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Das "Plattenzimmer" in Altötting

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Das "Plattenzimmer" in Altötting

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Das "Plattenzimmer" in Altötting

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Das "Plattenzimmer" in Altötting

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Das "Plattenzimmer" in Altötting

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Das "Plattenzimmer" in Altötting

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Das "Plattenzimmer" in Altötting

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Das "Plattenzimmer" in Altötting

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