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Anna Reichart auf #krautschau

Anna Reichart auf #krautschau

Bildrechte: BR/Constanze Schulze
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    #Krautschau: Europaweiter Trend auch in Nürnberg

    Bei der Mitmachaktion rund um die Kaiserburg soll das Bewusstsein für wilde Pflanzen in der Stadt gestärkt werden. Von manchen als Unkraut bezeichnet, wachsen sie in Pflasterfugen und Mauerritzen. Sie werden bestimmt und mit Kreide markiert.

    Von
    Constanze SchulzeConstanze Schulze
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    Die Nürnberger Kaiserburg und die umgebenden Straßen und Gärten werden auch als Bio-Diversitäts-Hotspot bezeichnet. Zwischen Burg-Sandfelsen, Mauerritzen und Pflasterfugen existieren über 2.000 Pflanzen und Tierarten. Kleinstlebensräume mitten in der Stadt: Der Lebensraum Burg. Im Juni findet die sogenannte Krautschau statt. Anna Reichart leitet die Tour, sie ist die Biodiversitätsbeauftragte der Regierung von Mittelfranken und möchte die Menschen für die Wildpflanzen begeistern. Bei dem ersten kostenlosen Spaziergang am 3. Juni rund um die Kaiserburg werden die Fugenpflanzen mit Kreide für andere Passanten gekennzeichnet. Die Straßengraffiti sollen die Aufmerksamkeit auf die wilde Schönheit am Straßenrand richten, zumindest bis der nächste Regen kommt.

    Ritzenrebellen mitten in der Großstadt

    Anna Reichart hat sich im Vorfeld im Bereich der Burg schon einmal umgeschaut und ein paar Ecken für die Krautschau herausgesucht. Zwischen parkenden Autos im südlichen Burgareal entdeckt sie Hirtentäschel, Kompasslattich Spitzwegerich und viele andere Pflanzen. Sie freut sich über jede wilde Ecke. Die Pflanzen erobern sich hier ihren Lebensraum, sagt Anna Reichart, und dabei müssen sie ganz schön widerstandsfähig sein. "Die Kräuter haben zu kämpfen mit den Fußtritten, das ist eine hohe mechanische Belastung. Sie müssen mit Hitze, wenig Wasser und Nährstoffen zurechtkommen. Das sind für mich kleine Ritzenrebellen, kleine Wunder, auf die ich deuten möchte." Ihre Wurzeln schaffen winzige Mikrohabitate, in denen Asseln, Würmer, Weberknechte, Spinnen, Käfer und Schnecken leben, die wiederum Nahrung für Vögel und Igel sind. Das alles mitten in der Großstadt.

    Biodiversität: Jede Pflanze trägt zur Artenvielfalt bei

    Bei der kostenlosen Tour will sie Interessierten zeigen, was das vermeintliche Unkraut alles draufhat und wie wichtig es ist. Denn auch die kleinste Blüte bietet Insekten Nahrung, erklärt Anna Reichart. "Pollen, Nektar und auch ätherische Öle, die bieten die Blüten den Insekten und an den Insekten wiederum hängen die Vögel und so geht es immer weiter." Anna Reichart hat auch entlang der Stadtmauer viele Wildkräuter entdeckt. Auf den roten Steinen rankt ganz zart von oben nach unten eine Wildpflanze mit klitzekleinen blauen Blüten. Anna Reichart ist sicher, das ist Zimbelkraut. "Das heißt so, weil die Blätter den Zimbeln ähneln, den kleinen Schlaginstrumenten. Das Zimbelkraut hat wirklich schöne Blüten, man sagt auch, dass sie maskiert sind mit zwei gelben Blütenpollen-Attrappen, die letztendlich der Anlockung von Insekten dienen."

    Bestimmungsbücher und Smartphone-Apps helfen

    Wer digital unterwegs ist, braucht kein dickes Bestimmungsbuch mitzunehmen, sondern läuft einfach mit seinem Handy los. Für die Krautschau im Lebensraum Burg empfiehlt Anna Reichart die kostenlose App "FloraIncognito." "Die ist ganz einfach anzuwenden. Die App bedient sich künstlicher Intelligenz, die nimmt die Bestimmung vor. Man selbst macht einfach Fotos von der Pflanze, die App gleicht diese ab und dann bekommt man eine Pflanze ausgespuckt. Wir werden nach der Bestimmung und Markierung Fotos machen, so wie viele andere Wildpflanzen-Fans auch und dann die Fotos über soziale Netzwerke verbreiten." Wer teilnehmen will, muss sich vorab beim Lebensraum Burg anmelden. Ein zweiter Krautschau-Termin ist für den 22. Juni geplant.

    Auch außerhalb der Tour begeistern sich europaweit Menschen für Wildpflanzen, machen Fotos und teilen sie. Unter dem Suchbegriff #Krautschau kann man viele verschiedene Pflanzen entdecken.

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