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Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Krankenhäuser im Stresstest. Personell und finanziell. So schreibt ein Drittel der Kliniken rote Zahlen. Welche Wege führen aus der Krise? Darüber berät ab Montag der Deutsche Krankenhaustag.

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Krankenhaustag: Kliniken hängen finanziell am Tropf

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind die Krankenhäuser im Stresstest. Personell und finanziell. So schreibt ein Drittel der Kliniken rote Zahlen. Welche Wege führen aus der Krise? Darüber berät ab Montag der Deutsche Krankenhaustag.

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Nikolaus  NützelNikolaus NützelBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Krankenhäuser waren für Drehbuchautoren von Fernseh-Serien lange Zeit ein beliebter Hintergrund für bewegende Geschichten mit einer gewissen Wohlfühl-Atmosphäre. Spätestens seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie befinden sich die Kliniken allerdings auch in der öffentlichen Wahrnehmung in einer Dauerkrise. Der Deutsche Krankenhaustag berät deshalb von Montag bis Mittwoch darüber, welche Wege die Kliniken aus dieser Krise führen könnten.

Menschlichkeit ist im Krankenhaus etwas verloren gegangen

Eine, die das Krankenhausgeschäft von Grund auf kennt, ist Ursula Wandl. Die pensionierte Ärztin arbeitet ehrenamtlich als Patientenfürsprecherin am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Sie weiß, dass die Grundlage der Klinikarbeit ausreichend und gut ausgebildetes Personal ist. Und sie wünscht sich, dass die nächste Generation der Ärztinnen und Ärzte wieder den Dienst am Menschen in den Vordergrund stellt - und Menschlichkeit. Denn die sei in letzter Zeit etwa verloren gegangen, sagt Wandl.

Zwar ist die Zahl der Ärzte in den bayerischen Kliniken in den letzten zehn Jahren um ein Drittel gestiegen, aber die Zahl der Pflegekräfte ist gleich geblieben. Ein Grund dafür liegt nach Ansicht vieler Fachleute darin, dass Ärztinnen und Ärzte den Krankenhäusern mehr Geld bringen als das Pflegepersonal. Denn seit der Einführung der Fallpauschalen vor rund 20 Jahren hängt die Finanzierung der Kliniken davon ab, wie viele Patienten sie behandeln können - und dafür braucht es zuerst einmal Mediziner.

Mal wieder: Fallpauschalen in der Kritik

An diesem System gibt es immer mehr Kritik, auch von der Chefin der Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna. Ihrer Ansicht nach  sorgen die Fallpauschalen dafür, dass nicht nur die Frage im Mittelpunkt steht, was medizinisch die beste Lösung ist, sondern immer auch die Frage: Was bringt dem Krankenhaus am meisten Geld?

Das habe sich in vielen Köpfen ganz subtil festgesetzt, sagt Johna: Die Klinken müssten sich ständig mit der Konkurrenz vergleichen lassen und bekämen permanent Fragen wie: "Warum machen Sie weniger Herzkatheter-Untersuchungen als die Ärzte in einer vergleichbaren Klinik?" Über kurz oder lang beeinflusse das zwangsläufig das Denken der Ärztinnen und Ärzte.

Medizin durch Fallpauschalen besser geworden?

Es gibt in den Kliniken aber auch Befürworter der Fallpauschalen: Beibehalten möchte sie zum Beispiel der Chef der privaten Krankenhauskette "Schön Klinik", Mate Ivancic. Denn in seinen Augen hat sich die Medizin in Deutschland durch die Fallpauschalen erheblich verbessert.

Früher hätten Kliniken finanzielle Anreize gehabt, Patienten möglichst lange auf Station zu behalten, sagt Ivancic. Seit Einführung der Fallpauschalen habe hier ein grundlegendes Umdenken eingesetzt. Die Behandlung sei schneller geworden und dadurch sei auch eine höhere Qualität entstanden. Und in der Tat ist die durchschnittliche Zahl der Krankenhaustage von Patienten seither um rund ein Drittel gesunken.

Ein Drittel der Kliniken in den roten Zahlen

Die Patientenfürsprecherin Ursula Wandl hat allerdings die Erfahrung gemacht, dass die Qualität der Versorgung nach der Entlassung zu wünschen übrig lässt. Ihrer Meinung nach sollte keine Patientin und kein Patient die Klinik verlassen dürfen, wenn nicht sichergestellt ist, dass er oder sie zu Hause gut aufgefangen wird.

Aber nicht nur die Diskussion über die Zukunft des Finanzierungssystem der Kliniken spaltet die deutsche Krankenhauslandschaft in zwei Lager. Nach Daten des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung haben zuletzt zwar viele Kliniken weiterhin Gewinne erwirtschaftet – ein Drittel allerdings hatte rote Zahlen in der Bilanz. Auch wenn beim Krankenhaustag nach außen viel Einigkeit demonstriert wird – hinter den Kulissen gibt es viel Stoff für Kontroversen.

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