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Nach dem eines Heizkraftwerks in Nürnberg-Gebersdorf wurden an 15.000 Menschen Infozettel verteilt. Die Stadt hat außerdem Hotelzimmer angemietet.

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Kraftwerksbrand in Nürnberg: Nacht nicht so kalt wie befürchtet

Nach dem Feuer im Nürnberger Großkraftwerk ist die Ursache weiter unklar. Mindestens zwei Wochen soll es dauern, bis es wieder ans Fernwärme-Netz gehen kann. Für 15.000 Bürger ist die vergangene Nacht jedoch glimpflicher als befürchtet verlaufen.

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Von
  • Oliver Tubenauer
  • BR24 Redaktion

Der Brand im Nürnberger Großkraftwerk Franken am Montag kam zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: Draußen tiefe Minusgrade - und in der Nacht zum Mittwoch fielen die Temperaturen teilweise auf neun Grad unter Null.

Das Kraftwerk fällt voraussichtlich für mindestens zwei Wochen aus, in zwei Stadtteilen ist die Fernwärmeversorgung deshalb beeinträchtigt. Etwa 15.000 Menschen sind davon betroffen. Die Stadt Nürnberg rief am Dienstag den Katastrophenfall aus.

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Einschränkungen bei der Fernwärme in Nürnberg

Nacht wird für Betroffene nicht so kalt wie erwartet

Am Dienstagabend dann eine etwas tröstlichere Botschaft: Die Wärmeversorgung soll stabil bleiben. "Es wird nach jetzigem Stand eine etwas kältere Nacht sein, aber keine frierende Nacht", sagte ein Sprecher des Energieversorgers N-Ergie. Demnach reicht die Leistung auch für die kältesten Stunden der Nacht zwischen vier und sechs Uhr morgens aus. Möglich wurde das, weil die Fachleute des Unternehmens die Wärmezufuhr für Bürogebäude und Schulen herunterfuhren, in denen sich auch am Tag derzeit nur wenige Menschen aufhalten.

Zuvor hatte die Stadtverwaltung die Bürger in den beiden Stadtteilen Röthenbach und Gebersdorf gewarnt, dass ihre Heizungen nur noch eingeschränkt funktionieren. In einigen Wohnblocks könnten die Temperaturen demnach auf zehn bis fünfzehn Grad sinken. Nun sieht es nach Angaben des Wärmeversorgers so aus, als ob es doch nicht ganz so kalt werden würde. "Voll aufdrehen sollte man die Heizung allerdings nicht", sagte der Sprecher.

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Nach dem Brand abgeschalten: Das Kraftwerk Franken I. Die Stadt und der Energieversorger bemühen sich darum, den Wärmebedarf aufrechtzuerhalten.

Seniorenheime und Klinik sollen primär versorgt werden

An der ebenfalls betroffenen Sana-Klinik und an zwei Seniorenheimen soll der Ausfall dagegen möglichst spurlos vorbeigehen. Diese Einrichtungen würden nicht evakuiert, versprach OB König in der Pressekonferenz am Mittag.

Mobile Heizkraftwerke als Ersatz

Am Mittwochmorgen sollen dann die ersten großen mobilen Heizgeräte aus Sachsen und Nordrhein-Westfalen eintreffen, die N-Ergie organisiert hat. Diese können ans Wärmenetz angeschlossen werden und sollen zuerst die Heizleistung in der Klinik und den Seniorenheimen verbessern. Die mobilen Heizgeräte zu 600 bis 800 KW haben die Größe von Schiffscontainern und können per Lkw transportiert werden.

Es habe schon zahlreiche Unterstützungsangebote aus der Region, aber auch aus der Landeshauptstadt München gegeben, hieß es bereits am Mittag. Zwei kleinere Einheiten aus München befinden sich mittlerweile schon in Nürnberg. Sie sollen möglichst im Laufe der Nacht ans Netz gehen und dann die Klinik und die Seniorenresidenzen versorgen.

Nürnberger OB König: "Gesamtlast reduzieren"

"Wir sind seit Mitternacht im Krisenstab", hatte zuvor N-Ergie-Vorstandschef Josef Hasler berichtet. Stadt und Energieversorger stehen vor einem doppelten Problem: Wegen des Lockdowns sind viele Menschen zu Hause. Gleichzeitig drehen diese ihre Heizungen wegen der eisigen Temperaturen draußen besonders hoch. "Jetzt geht es darum, die Gesamtlast zu reduzieren", sagte Oberbürgermeister und N-Ergie-Aufsichtsratschef Marcus König (CSU). Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von N-Ergie klingelten deshalb in dem betroffenen Gebiet an den Haustüren, um die Menschen zu bitten, ihre Heizungen auf 15 Grad herunterzudrehen und warmes Wasser zu sparen, sagte Hasler.

Eine Anwohnerin aus Röthenbach, die am Nachmittag noch bei 21 Grad in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus saß, trug die Aussicht auf kühle Temperaturen im Homeoffice mit Fassung: "Alternativ muss ich halt wieder ins Büro gehen, denn da ist es warm."

Stadt Nürnberg und N-Ergie bezuschussen Hotelzimmer

Die Stadt Nürnberg hat 1.100 Hotelzimmer organisiert, die frierende Bürger zu Sonderpreisen von 69 bis 89 Euro mieten können. Wer sich in einem dieser Zimmer einmiete, müsse die Kosten zwar selbst tragen. Stadt und N-Ergie würden die Übernachtungen aber bezuschussen, so dass von einem Preis von 40 Euro pro Nacht und Zimmer auszugehen sei, so König. Und wer aus seiner kalten Wohnung zu Verwandten ziehe, verstoße nicht gegen die Kontaktbeschränkungen, betonte König.

Sorgen bereitet N-Ergie-Chef König die extreme Kälte, die für die nächsten Tage mit Tiefstwerten von bis zu minus20 Grad vorhergesagt ist. Normalerweise ist der Winter in Nürnberg milder als in Bayerns Süden am Alpenrand. Doch quasi gleichzeitig mit dem Brand im Kraftwerk ist nun eine Kältewelle über die zweitgrößte Stadt des Freistaat hereingebrochen.

Brandursache wird in den kommenden Tagen ermittelt

Wie es zu dem Feuer am frühen Montagabend im Kesselhaus des Kraftwerksblocks I kommen konnte, war auch am Dienstag noch unklar. Die Flammen hatten sich auf eine Höhe von 80 Metern ausgebreitet. 120 Einsatzkräfte - darunter auch die Höhenrettung - kämpften drei Stunden lang gegen die Flammen.

Brandermittler der Kriminalpolizei sollen in den nächsten Tagen nach der Ursache für das Feuer suchen. "Das wird frühestens morgen sein", sagte ein Polizeisprecher. Zuvor müssten alle Glutnester gelöscht und das Gebäude abgekühlt sein. Außerdem sollten Fachleute die Statik überprüfen. Die Ermittlungen werden voraussichtlich einige Tage dauern.

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Nach dem Brand des Großkraftwerks Franken ist die Fernwärmeversorgung in einigen Stadtteilen beeinträchtigt. Der Oberbürgermeister, Vertreter der Stadt und des Energieversorgers N-ergie berichten und informieren über den Katastrophenfall.

Bürgertelefon geschaltet, Infozettel für Bewohner

Für die Betroffenen hat die Stadt ein Bürgertelefon eingerichtet. Das ist unter der Rufnummer 09 11/ 64 37 58 88 noch bis 23.00 Uhr und morgen ab 7.00 Uhr besetzt. Dort können auch Auskünfte über mögliche Ausweichquartiere wie Hotelzimmer erhalten werden.

Zudem sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der N-Ergie in den betroffenen Gebieten unterwegs. Im Einsatz sind 156 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Polizei. Sie hängen Infozettel an die Haustüren und werfen sie in Briefkästen.

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Ein Stück weit Entwarnung kann Josef Hasler von der N-Ergie geben, denn für beide Nürnberger Stadtteile Röthenbach und Gebersdorf wurden mobile Kapazitäten aufgebaut. Morgen sollen weitere Maßnahmen für eine normale Versorgung geschaffen werden.

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