BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Kraftfutter für Tiere: Trocknungsbetrieb leidet unter Dürre | BR24

© BR

Landwirte haben auch im dritten Dürresommer in Folge mit Trockenschäden zu kämpfen.

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kraftfutter für Tiere: Trocknungsbetrieb leidet unter Dürre

In Prebitz stellt ein Trocknungsbetrieb Eiweißriegel für Kühe her – doch der dritte Dürresommer in Folge lässt die Produktion einbrechen. Landwirte aus der Region müssen nun auf Alternativen zurückgreifen. Für die Bauern kann das zum Problem werden.

Per Mail sharen

Gleichmäßig dreht sich die tonnenschwere Stahltrommel und röhrt durch die Produktionshalle. Durch den Lärm verkommt jedes Gespräch zum Geschrei. Zwei Meter weiter rasen fingerdicke Stifte aus gepresstem Klee auf einem Förderband. In der Luft liegt der Geruch von getrocknetem Gras, im Sonnenlicht flattern Staubpartikel.

Trocknungsbetrieb nach 50 Jahren gefährdet

In Prebitz im Landkreis Bayreuth steht einer von zwei Trocknungsbetrieben in Oberfranken. Hier lassen rund 400 Bauern aus ihrem Gras getrocknetes Spezialfutter für ihre Tiere herstellen. Seit inzwischen 50 Jahren holt der Trocknungsbetrieb das Gras der Bauern ab. Wie lange es den Betrieb noch geben wird, ist allerdings unklar. Denn der dritte Dürresommer in Folge nagt an dessen Existenz.

Dürresommer beschert dem Betrieb rote Zahlen

Wenn Geschäftsführerin Martina Böhner die Jahreszahlen vergleicht, offenbart sich das Ausmaß: Rund 3.000 Tonnen Trockenfutter stellte die Trocknung 2017 her, im vergangenen Jahr ist die Produktion um die Hälfte auf 1.500 Tonnen eingebrochen. Böhner rechnet auch für dieses Jahr mit einem negativen Jahresabschluss. Noch habe die Genossenschaft Rücklagen, noch könne die Trocknung die Situation stemmen, so Böhner. Aber irgendwann gehe es an die Substanz, dann werde es existenzgefährdend. Und dann wird es darauf hinauslaufen, dass die Genossenschaft aufgelöst wird.

Bauern würden Trockenfutter-Produzenten verlieren

Wenn die Trocknung ihren Betrieb tatsächlich einstellen müsste, wären nicht nur die sieben Mitarbeiter und Aushilfskräfte von der Schließung betroffen. Die Landwirte in der Region hätten plötzlich keinen Produzenten mehr, der das von den Bauern selber angebaute Futter zu sogenannten Cobs verarbeitet. Das eiweißreiche Trockenfutter soll die Tiere fruchtbarer machen, zudem verliert das Gras durch diese Form der Konservierung am wenigsten Inhaltsstoffe.

Teure Alternative für die Landwirte

Die Landwirte müssten im Fall einer Schließung der Trocknung ihre Cobs von Händlern kaufen. Das Problem: Das Futter würde dann nicht mehr aus eigenem Anbau stammen. Eine Garantie, dass das Futter keine Pestizide oder andere Giftstoffe enthält, haben die Landwirte dann nicht mehr. Anfallende Transportkosten würden das Futter zudem teurer machen.

Förderprogramm kostet Geld

Einen Lösungsvorschlag für die brenzlige Situation hat Geschäftsführerin Böhner bisher keine. Zwar soll der Betrieb an einem finanziellen Förderprogramm teilnehmen, das die Betriebs-Kasse wieder auffüllen soll. Doch für das Programm muss der Trocknungsbetrieb auch Umbauten vornehmen, die Geld kosten. Solche Ausgaben muss der Betrieb in einem Hitzesommer wie diesem besonders gut abwägen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!