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Kostenlose Corona-Tests für alle: Was Sie wissen müssen | BR24

© pa/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Ein Arzt hält in einer bayerischen Praxis einen Tupfer, mit dem ein Abstrich für einen Corona-Test gemacht wird - aufgenommen am 30.06.20.

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Kostenlose Corona-Tests für alle: Was Sie wissen müssen

"Schneller, kostenlos und für jedermann": Mit dieser Devise will Bayern allen Bürgern künftig Corona-Tests ermöglichen. Die Details hat die Staatsregierung jetzt vorgestellt. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Test für alle.

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Das bayerische Kabinett hat beschlossen, wie die angekündigte Ausweitung der Corona-Tests im Freistaat aussehen soll. Laut Ministerpräsident Markus Söder (CSU) heißt die Devise dabei: "Schneller, kostenlos und für jedermann". BR24 hat die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengestellt.

Wer kann sich künftig auf Corona testen lassen – und ab wann?

Als erstes Bundesland bietet Bayern ab Mittwoch (1. Juli) kostenlose Corona-Tests für jeden an. Auch all jenen, die keine Symptome haben, werde in "kürzester Zeit die Garantie gegeben, dass eine Möglichkeit besteht, einen Test zu machen und den dann auch zeitnah zu erhalten", sagte Ministerpräsident Söder. Dieses Konzept werde nun schrittweise hochgefahren.

Grundsätzlich gilt laut Söder, dass oberste Priorität bei Tests Verdachtsfälle mit Symptomen sowie deren Kontaktpersonen haben. Für sie gibt es eine 24-Stunden-Garantie: Sie sollen binnen 24 Stunden getestet werden, innerhalb weiterer 24 Stunden soll das Ergebnis vorliegen.

Wo kann man sich testen lassen?

Die Tests sollen Vertragsärzte in ihrer Praxis machen. Sie sind allerdings nicht dazu verpflichtet, jeden zu testen, der es wünscht, wie Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) sagte. Die Ministerin will nun erst einmal die kommenden Tage abwarten. Sollte es viele Ärzte geben, die keine Tests vornehmen wollen, werde es eine Liste mit Medizinern geben, an die sich Bürger wenden können.

Wer übernimmt die Kosten?

Bereits jetzt übernimmt bei Menschen mit Symptomen häufig die jeweilige Krankenkasse die Kosten für einen Corona-Test. In allen Fällen, in denen die Kassen nicht in der Pflicht sind, zahlt nun der Freistaat Bayern - also in erster Linie bei Menschen, die sich ohne Symptome testen lassen wollen.

Warum macht Bayern das?

"Testen, testen, testen" - diesen Leitsatz will Bayern mit der heute vorgestellten Strategie laut Ministerpräsident Söder umsetzen. Viele Corona-Tests, auch bei Menschen ohne Symptome, seien ein "Frühwarnsystem" - und könnten eine größere Ausbreitung verhindern.

"Testen ist auch Vorbeugung", betonte Söder. "Ich weiß: Corona nervt viele. Und man würde sich wünschen, dass das jetzt mal abgeschlossen ist. Aber es liegt nicht in unserer Hand." Die Kritik an dem Vorstoß - unter anderem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) - wies Söder erneut zurück.

Wie oft kann ich mich testen lassen?

Jeder kann sich so oft testen lassen, wie er möchte. Söder betonte, es gebe keine Begrenzung: "Also nicht nur einmal ein Test, sondern der Test ist dann mehrfach wiederholbar." Schließlich gebe es ja immer wieder Situationen, in denen es zu einer Infektion kommen könne.

Darf ich nach einem negativen Test die Maske weglassen?

Nein. Söder stellte klar: Ein negatives Testergebnis entbinde niemanden davon, Abstand zu anderen zu halten und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Wie viele Tests sind in Bayern täglich möglich?

Nach Angaben Söders liegt die Kapazität für Corona-Tests im Freistaat aktuell bei 20.000 pro Tag. Perspektivisch sollen 30.000 Tests täglich möglich sein. Die Kosten, die dem Freistaat durch die angekündigten kostenlosen Tests für die bayerische Bevölkerung entstehen, liegen laut Söder in diesem Jahr schätzungsweise bei rund 200 Millionen Euro. "Klar, es kostet Geld", sagte der Ministerpräsident. "Aber wir dürfen am Ende nicht sparen auf Kosten der Sicherheit."

Können Nicht-Bayern auch getestet werden?

Die angekündigten kostenlosen Corona-Tests sind in erster Linie nur für die im Freistaat gemeldeten Einwohner gedacht. Laut Gesundheitsministerin Huml geht es um ein "Angebot für die bayerische Bevölkerung", nicht für "sämtliche Bundesbürger" oder Touristen. Ausnahmen seien allerdings denkbar, etwa wenn sich jemand aus beruflichen Gründen viel in Bayern aufhalte - oder hier trotz Wohnorts in einem anderen Bundesland schon lange einen Arzt habe.

Was ist mit Reihentests für medizinisches Personal oder Lehrer?

Das bayerische Testkonzept sieht auch Prävention in "infektionsgefährdeten Bereichen" vor - durch regelmäßige Reihentests der Beschäftigten in Alten- und Pflegeheimen sowie in Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Die Bewohner werden laut Staatskanzlei "stichprobenartig und bei (Wieder-)Aufnahme und Rückverlegung" getestet. In Krankenhäusern werden neue Beschäftigte getestet, weitere Tests sollen abhängig vom lokalen Infektionsgeschehen sowie der konkreten Infektionsgefahr vorgenommen werden.

Noch vor den Sommerferien sollen auch Erzieherinnen und Erzieher die Möglichkeit bekommen, sich testen zu lassen, wie Gesundheitsministerin Huml ankündigte. Die Rückkehr der 9.800 bayerischen Kindertageseinrichtungen in den eingeschränkten Regelbetrieb an diesem Mittwoch soll durch Reihentestungen begleitet werden. Für Lehrer ist laut Staatskanzlei zu Beginn des neuen Schuljahres eine einmalige Reihentestung geplant. Die Kosten übernimmt der Freistaat Bayern. Die Teilnahme an den Tests ist freiwillig.

Was sagt die bayerische Opposition?

Die Landtags-SPD hält die Ausweitung der Corona-Tests für richtig und überfällig. Besonders wichtig seien regelmäßige Tests vor allem in Kliniken und Heimen, betonte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Ruth Waldmann.

Nun müsse sichergestellt werden, dass man die Ankündigung auch einhalten und finanzieren könne. Im Sonderfonds Corona-Pandemie seien aktuell 272 Millionen Euro für die Tests vorgesehen. "Für die versprochenen flächendeckenden Tests ist das nicht ausreichend", kritisierte Waldmann. "Das Geld reicht in etwa für einmal Testen für die Hälfte der bayerischen Bevölkerung."

Was ist mit dem Vorwurf, Bayern teste nur mehr, um Einschränkungen zu rechtfertigen?

Zuletzt hatte etwa die bayerische AfD der Staatsregierung vorgeworfen, die Ausweitung der Corona-Tests diene nur dazu, die offiziellen Fallzahlen zu erhöhen. Der Vorwurf, man weite die Tests aus, um dann durch gestiegene Fallzahlen harte Maßnahmen rechtfertigen zu können, ist laut Söder allerdings absurd. "Entweder es gibt keine Infektion - dann bringen die Tests auch kein Ergebnis", sagte er. "Oder es sind Ergebnisse da - dann kann es neue Infektionen verhindern."

Jede andere Strategie als die in Deutschland habe "keine besseren Ergebnisse gebracht", betonte Söder. So ende etwa die Strategie, Corona zu ignorieren, im "absoluten Desaster", wie das Beispiel USA zeige. Auch das schwedische Konzept, Infektionen bewusst in Kauf zu nehmen und eine "Herdenimmunität" zu erreichen, kann laut Söder angesichts der dortigen Todeszahlen nicht als erfolgreicher bewertet werden. Er ergänzte: "Wir testen weiter - auch gegen den Widerstand der AfD."

Wie sieht es in anderen Bundesländern aus?

Ministerpräsident Söder zeigte sich in einem Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" überzeugt, dass mit der Zeit auch andere Bundesländer dem Vorbild des Freistaats folgen und ebenfalls kostenlose Tests für jeden anbieten werden. Bisher reagieren die Ministerpräsidenten der Länder aber überwiegend mit Zurückhaltung.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wollte Bayerns Vorstoß "nicht bewerten", sagte aber: "Mir ist vor allem wichtig, dass wir es da, wo es brennt, verpflichtend machen." Sein thüringischer Amtskollege Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich skeptisch und warnte vor "vor falschen Sicherheitsgefühlen" durch Tests für alle. Auch Baden-Württemberg will Bayerns Vorbild nicht folgen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) stellte zunächst Tests für jeden nach bayerischen Vorbild in Aussicht, relativierte diese Aussage später aber wieder.

© BR

Bayerns Ministerpräsident Söder hat angekündigt, dass sich ab Mittwoch alle Menschen kostenfrei auf das Coronavirus testen lassen können.

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