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Im Transition-Haus in Bayreuth ist unter anderem auch der Leihladen integriert.

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Kostenlos leihen statt kaufen: Der Leihladen "Leila" in Bayreuth

Eine elektrische Heckenschere oder eine Schleifmaschine brauchen viele Menschen zu selten, um sie sich zu kaufen. Werden die Geräte dann doch einmal benötigt, könnte ein Laden helfen, wie er jetzt in Bayreuth eröffnet hat.

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Von
  • Anja Bischof

Nino Gonser will im Herbst mit seiner Familie nach Italien fahren. Für diese Reise baut er seinen VW-Bus aus, unter anderem soll eine kleine Küche hinein. Um das Spülbecken perfekt ins Holzregal zu integrieren, möchte Nino Gonser mit einer Oberfräse arbeiten. Weil er keine besitzt, hat der 38-Jährige in einem Geschäft namens "Leila" nachgesehen.

Nachhaltige Initiativen unter einem Dach

"Leila" ist die Abkürzung für Leihladen. Seit Anfang des Jahres 2020 gehört der Laden zum Angebot des sogenannten Transition-Hauses Bayreuth. In der Schulstraße 7 in Bayreuth befindet sich der lokale Ableger der internationalen Bewegung Transition-Town – zu deutsch: "Stadt im Wandel". Die Vereinigung will sich für eine nachhaltige und solidarische Zukunft einsetzen, an der alle Menschen teil haben sollen, heißt es auf ihrer Website.

An dem Standort in Bayreuth sind viele nachhaltige Initiativen unter einem Dach gebündelt, darunter ein Café, ein Umsonst-Flohmarkt und eine Werkstatt. Auch die Regale des "Leila" mit den Leihgeräten stehen hier. Doch bevor Nino Gonser etwas ausleiht, schaut er im Internet nach, ob sein Wunschgerät auch da ist.

Leihgeräte werden im Internet reserviert

Auf einer Website findet Nino Gonser den Katalog mit den verfügbaren Leih-Geräten. Er sucht nach der Oberfräse und hat Glück. Sie ist da und kann entliehen werden. Mit einem Klick reserviert er das Werkzeug. Wenige Tage später läuft Nino zum Transition-Haus, um die Oberfräse abzuholen. Die Öffnungszeiten des "Leila" sind flexibel und ebenfalls im Internet nachzulesen.

In der Schulstraße 7 trifft er auf Lena Kopp. Die 29-Jährige arbeitet im Leihladen und sucht ihm das Werkzeug heraus. Es steht zwischen Schlagbohrern und Schleifmaschinen. Lena erklärt dem Stammkunden, wie die Fräse mit den verschiedenen Aufsätzen funktioniert. Dann hinterlässt Nino Gonser seine Daten und verspricht, das Gerät in spätestens zwei Wochen zurückzubringen.

Der Leihladen passt zum nachhaltigen Lebenskonzept

"Das ist eine klasse Sache", sagt der 38-Jährige, bevor er mit dem schweren Karton unter dem Arm nach Hause läuft. "Es wäre doch Wahnsinn, wenn jeder Haushalt solch ein Gerät kauft, das meistens nur rumliegt." Dabei geht es ihm gar nicht primär ums Geld. Seine Familie möchte möglichst nachhaltig leben, erklärt Nino Gonser. Meistens werde regional und vegetarisch gegessen, in der Stadt bleibe der VW-Bus auf dem Parkplatz, weil alle Strecken mit dem Fahrrad erledigt würden. Das Angebot des "Leila" in Bayreuth passe perfekt zum Lebenskonzept der Familie.

Die "Leila"-Kundschaft ist vielfältig

Lena Kopp empfängt im Leihladen alle möglichen Menschen. Das Interesse sei groß, erzählt sie, könnte aber noch größer sein. Es kämen Alte und Junge, Männer und Frauen. Der "Leila" sei für wirklich jeden da, betont Lena Kopp. Bei der Frage nach den beliebtesten Leihgeräten muss sie nicht lange nachdenken: "Stichsäge und Dampfentsafter!".

Bundesumweltministerium fördert kostenloses Leih-Konzept

Alle Küchengeräte und Werkzeuge, die im "Leila" entliehen werden können, sind gepflegt, erst wenige Jahre alt und von bekannten Herstellern. "Wir möchten, dass unsere Kunden sicher damit arbeiten können und dass sie lange halten", erklärt Lena Kopp. Die Werkzeuge und Küchengeräte wurden Anfang 2020 mit Mitteln aus einem Förderprogramm des Bundesumweltministeriums angeschafft. Auch wenn dieses Förderprogramm Ende des Jahres 2021 ausläuft – den Leihladen Bayreuth im Transition-Haus wird es unter ehrenamtlicher Führung weiterhin geben. Auch sein Grundsatz wird sich nicht ändern: Das Ausleihen bleibt kostenlos.

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