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© BR/Marcel Kehrer

Korruptionsprozess: Wolbergs sparte tausuend Euro Handwerkerrechnungen

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Korruptionsprozess: Bauträger zahlte Handwerker für Wolbergs

Es wird immer deutlicher, dass Oberbürgermeister Joachim Wolbergs tausende Euro bei der Renovierung zweier Privatimmobilien gespart hat. Der mitangeklagte Bauträger Volker Tretzel übernahm Teile der Kosten - oder gleich die ganze Rechnung.

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Tretzels Firma BTT organisierte die Sanierung von Wolbergs Ferienhaus und der Pächterwohnung im Kulturzentrum Alte Mälzerei, dessen Geschäftsführer Wolbergs früher war. Ein Handwerker berichtete heute Mittag, dass seine Firma die Parkettsanierung in der Alten Mälzerei über eine andere Tretzel-Baustelle abrechnen sollte. Ein eher ungewöhnlicher Vorgang, erklärte der Handwerker.

Ganze Handwerkerrechnung von Tretzel bezahlt

Die Rechnung seiner Firma von über 4.000 Euro übernahm somit komplett das Bauteam Tretzel für Wolbergs. Kontakt mit dem SPD-Politiker habe er nie gehabt, so der Handwerker. Er habe im Vorfeld auch keine Obergrenze genannt bekommen, was die Arbeiten kosten dürfen.

Keine Budgetvorgaben hatten auch zwei weitere Handwerker, die heute gehört wurden. Einer sollte die Rechnung für Spenglerarbeiten an Wolbergs Ferienhaus auf BTT-Anweisung splitten: Einen Teil bezahlte Wolbergs, der andere Teil landete auf der Abrechnung einer Tretzel-Baustelle im Wohngebiet Rennplatz. Der andere Zeuge erklärte, mit der Abrechnung seiner Firma habe er nichts zu tun gehabt. Wer gezahlt hat, wisse er nicht. Der Auftrag für die Mälzerei-Wohnung sei vom Bauteam Tretzel gekommen.

Aufträge in Privaträumen ungewöhnlich

Die Handwerker betonten, sie hätten eigentlich nur in Neubauten für BTT gearbeitet. Aufträge von BTT für die Sanierung von Privaträumen seien eher ungewöhnlich. In den vergangenen Prozesstagen hatten bereits weitere Handwerker ausgesagt, Arbeiten in Wolbergs-Immobilien zum Teil mit Tretzel abgerechnet zu haben. Der vorläufig suspendierte OB Joachim Wolbergs bestätigte, dass die Renovierungsarbeiten in seinen Privatäumen vom Bauteam Tretzel organisiert wurden. Er betonte, er habe bei jeder Rechnung, die er erhalten habe, beim früheren Tretzel-Mitarbeiter Franz W. nachgefragt, ob sie in Ordnung gehe. Dann habe er überwiesen.

Ermittlungsrichter nicht als Zeuge geladen

Zu Beginn des Verhandlungstages lehnte es die Staatsanwaltschaft ab, den Ermittlungsrichter als Zeugen zu vernehmen, der die Untersuchungshaft für Wolbergs, Tretzel und den ehemaligen Tretzel-Mitarbeiter Franz W. angeordnet hatte. Der Verteidiger von Franz W. hatte die Anhörung des Ermittlungsrichters beantragt. Die Haftgründe seien zwar von drei Gerichten bestätigt worden. Dennoch seien „lückenhafte und irreführende Verschriftungen“ von Telefonmitschnitten die Grundlage seiner Entscheidung gewesen, so der Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft argumentierte heute jedoch in ihrer Stellungnahme, die Gedankengänge des Richters seien einer Beweisaufnahme nicht zugänglich.

Erkaufte Gunst?

Die Vorsitzende Richterin Elke Escher geht davon aus, dass der Komplex Renovierungen am Dienstag abgeschlossen werden kann. Der Prozess soll dann erst am 28. Januar weitergehen.

Das Gericht geht seit mehreren Verhandlungstagen der Frage nach, inwieweit Bauträger Volker Tretzel Handwerkerrechnungen für Oberbürgermeister Joachim Wolbergs übernommen hat. Durch die persönlichen Vorteile für Wolbergs und seine Familie soll Bauträger Tretzel versucht haben, die Gunst des Oberbürgermeisters bei Vergaben von Bauprojekten zu bekommen, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Desweiteren spielen hohe Wahlkampfspenden von Tretzel und seinem Umfeld an Wolbergs im Prozess eine Rolle, die laut Anklage in Beträge unterhalb der Veröffentlichungsgrenze gestückelt wurden.

Autor
  • Marcel Kehrer
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