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Kampfpanzer Leopard II

Wissenschaftler arbeiten seit etwa einem Jahr im Auftrag eines Instituts der Bundeswehr an dem Projekt. Die Studenten werfen der Universität vor, die Forschungen an Panzerungskeramik widersprächen dem erst 2016 überarbeiteten Leitbild der FAU. In der Neufassung heißt es, die Universität sei sich ihrer Verantwortung bei Forschungsprojekten bewusst. Verantwortungsbewusstes Handeln resultiere in einem „friedlichen Zusammenleben zwischen Menschen, Kulturen und Nationen“.

Studentische Initiative gegen Aufrüstung

Der Passus geht zurück auf das Engagement einer studentischen Initiative. Sprecherin Lena Krauß sagte dem BR, eine Zusammenarbeit mit militärischen Projektpartnern stünde im Gegensatz zur Selbstverpflichtung der Uni: „Militärforschung zur Stärkung der Bundeswehr zielt auf eine Verbesserung der Kriegsführung ab. Aufrüstung kann nicht für das friedliche Zusammenleben von Menschen stehen.“

Uni Erlangen-Nürnberg weist Kritik zurück

Die Universität hingegen verteidigte die Forschungen in einer Stellungnahme. Aus der Neufassung des Leitbildes ergebe sich kein Verbot für eine Zusammenarbeit mit Einrichtungen wie dem Verteidigungsministerium, schreibt eine Sprecherin auf Anfrage. Die Ergebnisse der kritisierten Forschung seien sowohl militärisch als auch zivil nutzbar. Laut einer Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der „Open Knowledge Foundation“ ist das umstrittene Projekt mit 254.000 Euro dotiert und läuft bis 2020. Der Schriftverkehr liegt dem BR vor.

Uni spricht von „kleinem Einzelprojekt“

Die Open Knowledge Foundation ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Berlin. Er setzt sich unter anderem für transparente Regierungsinformationen ein und stellt entsprechende Anfragen. Die FAU verweist vor diesem Hintergrund darauf, dass es sich um ein „kleines Einzelprojekt“ handle. Dies sei kein Indiz dafür, dass die Universität ihr Leitbild nicht hinreichend ernst nehme. Pro Jahr werbe die Uni etwa 140 Millionen an Drittmitteln ein.

Die aktuellen Forschungen an Panzerungskeramik waren in einer Auflistung jüngster Rüstungsforschungsprojekte, über die der BR im Juni exklusiv berichtet hatte, noch nicht enthalten. Grundlage des Berichts war eine damals noch unveröffentlichte Antwort der Staatsregierung auf eine Landtagsanfrage der Grünen zu entsprechenden Projekten an zivilen bayerischen Universitäten und Hochschulen.

Autoren

Kilian Neuwert

Sendung

Regionalnachrichten Franken vom 21.11.2018 - 07:30 Uhr