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Seit 2020 gibt es einen standorttreuen Wolf im Oberallgäu, im Grenzgebiet zu Vorarlberg. Bisher ist der Wolf kaum aufgefallen. Ist der Allgäuer Wolf also einer, mit dem alle gut leben können?

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Kontroverse um einsamen Wolf im Oberallgäu

Allein und unauffällig: Im Allgäu hat sich ein Wolf angesiedelt. Und das sorgt weiter für Debatten und verhärtete Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern des Raubtiers im dicht besiedelten Bayern.

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Von
  • Christoph Scheule
  • Werner Bader

Er hat keinen liebevollen Spitznamen wie "Allgäu Wolfi" oder "Lupo": Der eine Wolf, der als "standorttreu" im Allgäu gilt, bekam den behördlichen Stempel "GW999m". Das steht für "Grey Wolf", dann die fortlaufende Nummer des Landesamtes für Umwelt und das "m" für männlich. 2018 wurde dieser Wolf zwischen dem Oberallgäu und Vorarlberg in Österreich erstmals nachgewiesen.

Der Wolf benimmt sich unauffällig

DNA Analysen aus Kot, Urin, Speichelresten an Rissen oder Haaren zeigten dann im Juni 2020 und zuletzt am 7. März 2021 im Rohrmoos Tal bei Oberstdorf, es ist immer derselbe Wolf. Er dürfte es auch sein, der im Oktober 2019 und Dezember 2019 in eine Fotofalle ging und fotografiert worden ist.

"Der Wolf benimmt sich ganz seiner Natur und ist in keiner Weise auffällig", so Hubert Schatz, Wildökonom bei der Vorarlberger Regierung. Wenn er die Möglichkeit hat, reiße er natürlich auch Schafe oder wie zuletzt Rotwild, das im Winter gefüttert wurde und diese Gatter für ihn natürlich ideal zum Jagen sind.

Die Jäger im Oberallgäu geben sich zurückhaltend

Der Winter in diesem Jahr war in den Allgäuer Alpen lang und schneereich. Deshalb ist es für die Jäger auch noch nicht möglich, einen Überblick über vom Wolf gerissenes Rotwild zu bekommen. Die Jägerschaft im Oberallgäu gibt sich ohnehin recht zurückhaltend zum Thema Wolf.

Niemand möchte offenbar einen Shitstorm riskieren. Niemand möchte seinen Namen veröffentlicht sehen, selbst wenn er gegenüber dem BR sagt, er habe kein Problem mit dem Wolf, der gehöre nun halt dazu. Denn das könnte ihn im Kreis der Jäger wieder in Diskussionen verwickeln.

Alpwirtschaftlicher Verein kritisiert die Behörden

"Es ist alles gesagt", wiegelt auch Franz Hage, Vorstand des Alpwirtschaftlichen Vereins, Nachfragen ab. Für einen Wolf gebe es in einem Touristengebiet wie den Allgäuer Alpen keinen Platz und Pläne der Behörden, wie Einzäunen von Alpen würden einfach nur zeigen, wie wenig die "Bürokraten von der Praxis und Realität" verstehen würden.

Wie lange lässt der Wolf die Schafe und Rinder in Ruhe?

"Es war zuletzt recht ruhig um den Wolf im Allgäu", sagt Agnes Hussek. Sie ist Wildökologin am Landratsamt Oberallgäu. Doch das dürfte sich ändern, wenn nun Schafe und Rinder wieder auf die Alpen kommen und der Wolf dann eventuell wieder Nutztiere reißen würde.

Für den Menschen in der Tourismusregion Allgäu sei momentan keine Gefahr erkennbar. "Wie sich der Wolf benimmt, hängt eben auch davon ab, welche Erfahrungen er mit Menschen gemacht hat. Der Wolf ist ein Raubtier und die beste Erfahrung die er bei uns machen muss, ist, der Mensch ist keine Beute sondern Gefahr."

Plädoyer für ein Wolfsmanagement

Und sie plädiert für ein deutschlandweites Wolfsmanagement, das auch als Möglichkeit den Abschuss eines Wolfes ermöglicht. Damit ist sie einer Meinung mit ihrem österreichischen Kollegen Hubert Schatz. Auch er sieht eine größere Wolfspopulation in der Region Oberallgäu/Vorarlberg kritisch.

Als vor gut zwei Jahren ein zweiter Wolf in der Region nachgewiesen worden ist, war schon von der Möglichkeit die Rede, dass sich eventuell ein Wolfsrudel bilden könnte. Der zweite Wolf war allerdings ein Männchen und wurde seitdem nicht wieder gesehen oder nachgewiesen.

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