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Kontrastmittel: Wie Radiologen in Bayern Millionen verdienen | BR24

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Jedes Jahr bekommen in Deutschland rund fünf Millionen Patienten ein Kontrastmittel gespritzt. Nach einem Bericht des ARD-Magazins Panorama erwirtschaften Radiologen damit ein hohes Zusatzeinkommen.

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Kontrastmittel: Wie Radiologen in Bayern Millionen verdienen

Kontrastmittel bescheren Radiologen in Bayern laut aktuellen Recherchen enorme Zusatzeinkommen - zu Lasten der Versicherten. Denn durch viel zu hohe Pauschalen können die Ärzte für die Mittel ein Vielfaches von dem abrechnen, was sie selber ausgeben.

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Müssen Patienten bei einem Radiologen für eine CT- oder MRT-Untersuchung in die Röhre, wird ihnen meistens ein Kontrastmittel verabreicht. Mit diesen Mitteln lassen sich zum Beispiel Tumore leichter und zuverlässiger diagnostizieren. Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung haben jetzt gezeigt, dass Radiologen an diesen Mitteln offenbar Millionen verdienen – auf Kosten der Beitragszahler. Denn die Ärzte bekommen von den Kassen pro Liter Kontrastmittel das Vielfache von dem erstattet, was sie bei den Herstellern dafür bezahlen.

Über 3.000 Euro pro Liter Gewinn für Radiologen

Laut den Recherchen können in Bayern Radiologen einzelne Kontrastmittel zum Beispiel schon für 760 Euro pro Liter von den Pharmafirmen einkaufen. Erstattet bekommen sie aber von den gesetzlichen Krankenkassen pauschal 3.900 Euro. Eine Lücke im Gesetz sorgt dafür, dass die Ärzte diesen Gewinn auch behalten dürfen. Zusammengerechnet versickerten so mehr als 100 Millionen Euro jährlich im Gesundheitswesen.

Krankenkassen: Verhandelt und verschätzt

Die Verträge wurden in Bayern von der Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände (ARGE) und der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) im Jahr 2016 ausgehandelt. Dabei habe man sich auf die entsprechenden Pauschalen geeinigt, so ein Sprecher der AOK Bayern, die für die ARGE an den Verhandlungen beteiligt war.

Allerdings habe man auch beschlossen, die Beträge anschließend anhand der tatsächlichen Rechnungen zu überprüfen. Das Ergebnis laut AOK Bayern: "Die aktuelle Auswertung der Zahlen belegt, dass Ärzte zu teils deutlich niedrigeren Preisen Kontrastmittel beziehen als von den Krankenkassen über die Pauschalen vergütet wird." Wie sich die Verhandlungspartner derart verschätzen konnten, blieb auf BR-Nachfrage unbeantwortet.

Neue Verhandlungen mit den Ärzten

Auf Basis dieser Ergebnisse verhandeln die Krankenkassen in Bayern seit April erneut mit der KVB. Ziel sei es, "künftig eine Vergütung auf Grundlage von Marktpreisen zu erreichen", so ein AOK-Sprecher. Zum Stand der Verhandlungen wolle man sich aber nicht äußern. Auch die KVB bestätigte auf BR-Nachfrage lediglich, dass es aktuelle Verhandlungen gebe. Mehr könne man derzeit zu dem Sachverhalt nicht sagen.

Gesundheitsministerium sieht keinen Handlungsbedarf

Das bayerische Gesundheitsministerium teilte auf Anfrage mit, die derzeitigen Verfahren seien weder "unzulässig", noch "unüblich". Es sei die Pflicht der Verantwortlichen, auf Wirtschaftlichkeit zu achten. Die bayerische Opposition fordert dagegen, die Pauschalmodelle zu überdenken. Außerdem müsse die Gesetzeslücke, die den Ärzten diese Gewinne legal ermöglicht, dringend geschlossen werden, so der FDP-Politiker Dominik Spitzer.

Verträglichkeit: Darum sind Kontrastmittel umstritten

Dabei hat das Ganze nicht nur eine finanzielle Dimension, sondern auch eine medizinische. Denn einige Kontrastmittel sind umstritten, wie etwa die Mittel, die das Schwermetall Gadolinium enthalten. Immer wieder berichten Patienten nach einer MRT-Untersuchung mit diesen Kontrastmitteln über Beschwerden, zum Beispiel von Nierenproblemen, Hautveränderungen und auch neurologischen Störungen – starken Kopfschmerzen und dergleichen. Es haben sich dazu auch schon Selbsthilfegruppen gegründet – etwa in Augsburg.

Wird zu oft Kontrastmittel gespritzt?

Bei einigen Mitteln ruht deswegen seit 2018 die Zulassung. Andere dürfen aber in niedriger Dosierung weiter verwendet werden. Vor dem Hintergrund dieser aktuellen Recherchen fragen sich einige Experten wie der Karlsruher Radiologe Henrik Michaely deshalb auch, ob möglicherweise zu oft Kontrastmittel verabreicht werden – auch dann, wenn es medizinisch nicht unbedingt nötig wäre.