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Eine Frau hält Partei-Kugelschreiber in der Hand.
© Julia Müller/BR

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Petr Jerabek
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Eine Frau hält Partei-Kugelschreiber in der Hand.

100 Prozent - darunter macht es ein Markus Söder nicht: "Ich verspreche 100 Prozent Einsatz für Bayern", rief der neue Ministerpräsident und CSU-Spitzenkandidat seinen Parteifreunden in den vergangenen Monaten immer wieder zu. Und mangelnden Eifer dürfte dem Franken in der Tat wohl niemand vorwerfen. Söder brachte neue Förderleistungen für Familien und Pflegende auf den Weg, er versprach eine Wohnbauoffensive, präsentierte ein Asyl-Paket und ein München-Programm. Er reist quer durchs Land, schüttelt Hände und posiert für Kameras. Viele Termine, die sein Vorgänger Horst Seehofer delegiert hätte, übernimmt Söder selbst.

Und doch muss die CSU angesichts sinkender Umfragewerte einsehen: Es fruchtet nicht. Seit einem kleinen Hoffnungsschimmer im Frühjahr - als sich die CSU nach seinem Amtsantritt im Kontrovers-BayernTrend leicht verbesserte - geht es für die Christsozialen nur noch abwärts: Innerhalb von vier Monaten ist die Regierungspartei von 41 auf 35 Prozent eingebrochen. Ein nie dagewesener Umfragetiefpunkt für die CSU.

Sinkende Zufriedenheit mit Söder

Und auch Söder selbst kommt immer schlechter weg: Die Zustimmung zu seiner Arbeit als Ministerpräsident ist von 56 im Mai auf 42 Prozent abgesackt. Damit ist der Anteil der Wähler, die ihn für keinen guten Regierungschef halten, jetzt sogar größer als der seiner Sympathisanten.

Dass Söder hoffen kann, auch im Fall eines CSU-Wahldebakels Ministerpräsident bleiben zu können, liegt vor allem daran, dass sich in seiner Partei derzeit niemand als Nachfolger aufdrängt. Nach der Wahl 2008 musste Günther Beckstein mit einem Ergebnis von 43,4 Prozent sein Büro in der Staatskanzlei räumen - und Horst Seehofer führte anschließend eine schwarz-gelbe Koalition.

Absage an Schwarz-Grün

Mittlerweile ist für die CSU nicht nur die absolute Mehrheit in Gefahr. Vielmehr muss die CSU sogar fürchten, dass nur ein Koalitionspartner gar nicht mehr ausreichen könnte. Eine komfortable Mehrheit mit einem Zweier-Bündnis gäbe es dem aktuellen BayernTrend nach nur bei Schwarz-Grün. Doch genau diese Koalition schließt CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer seit Wochen schon fast mantraartig aus.

Kommt ein Dreierbündnis?

Naheliegender wäre da eine Koalition mit einer bürgerlichen Partei. Da sind einerseits die Freien Wähler, die sich selbst als idealer Bündnispartner anpreisen und gegenwärtig zu den Nutznießern der CSU-Schwäche zählen. In Frage käme aber auch die FDP, mit der die CSU von 2008 bis 2013 regierte und die nun auf eine Rückkehr in den Landtag hoffen kann.

Doch statt komfortabel zwischen beiden Parteien wählen zu können, kann es der CSU der neuen Umfrage zufolge passieren, dass sie beide ins Boot holen muss, um eine stabile Regierungsmehrheit im Landtag zu bekommen. Die Koalitionsbildung würde das erheblich erschweren - und der CSU möglicherweise schmerzhafte Zugeständnisse abverlangen. Mit der FDP würde Söder eigentlich lieber nicht koalieren. Zwar lehnte er es zuletzt mehrfach ab, sich zu möglichen Bündnissen nach der Wahl zu äußern - noch im Januar aber formulierte er ein klares Nein zu Schwarz-Gelb.

Dreierbündnis zuletzt vor einem halben Jahrhundert

Man muss schon sehr weit zurückgehen in der bayerischen Geschichte, um auf Dreierkoalitionen im Landtag zu stoßen - bis in die 50er und 60er Jahre. Von 1954 bis 1957 regierte der SPD-Politiker Wilhelm Hoegner sogar mit einer Viererkoalition gegen die CSU: mit der Bayernpartei, dem Gesamtdeutschen Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (GB/BHE) sowie der FDP. Im Herbst 1957 wechselten GB/BHE und FDP dann die Seiten und schmiedeten ein Dreierbündnis mit der CSU, das bis 1962 die Regierung stellte.

Sieben Parteien könnten in den Landtag einziehen

Damals waren fünf Parteien im Landtag vertreten - so viele wie seither nie wieder. Nach der anstehenden Landtagswahl könnten es sogar sieben werden: Zusätzlich zu CSU, SPD, Freien Wählern und Grünen, dürfte auch die AfD den Sprung ins Maximilianeum schaffen. Zwar ging es für die AfD in der Umfrage etwas nach unten - trotzdem liegt sie gleichauf mit SPD und Freien Wählern. Außerdem steht neben der FPD jetzt auch die Linke bei fünf Prozent. Für AfD und Linkspartei wäre der Einzug in den Landtag ein historischer Erfolg.

Rechnerisch Bündnis ohne CSU möglich

Bei einem solchen Wahlergebnis wäre rein rechnerisch auch ein Bündnis gegen die CSU möglich - sogar ohne die AfD, mit der niemand koalieren möchte. Allerdings ist es wohl nicht viel mehr als eine theoretische Möglichkeit, denn es müssten sich so unterschiedliche Partner wie Linke und FDP einigen. Somit kann die CSU trotz ihres Umfragetiefs eigentlich davon ausgehen: An den Christsozialen dürfte bei der Regierungsbildung kein Weg vorbeiführen.

Grüne klar vor der SPD

Ein historisch schwarzer Tag droht am 14. Oktober dagegen neben der CSU vor allem der SPD. Mit gerade einmal elf Prozent im aktuellen BayernTrend ist Spitzenkandidatin Natascha Kohnen weit davon entfernt, für Markus Söder eine ernst zu nehmende Kontrahentin zu sein. Bei der Frage, wer der neuen Staatsregierung angehören wird, dürften die Sozialdemokraten in der aktuellen Konstellation keine Rolle spielen.

Die klare Nummer zwei im Freistaat sind in Umfragen seit Monaten die Grünen. Deren Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann haben zwar den Makel, in der Bevölkerung noch unbekannter zu sein als Kohnen, den Aufwärtstrend ihrer Partei stoppte das aber nicht.

Noch ist nichts entschieden

Der Wahlkampf-Endspurt allerdings steht noch bevor. Optimismus ziehen können Söder wie Kohnen derzeit vor allem aus der hohen Zahl der Unentschlossenen: Immerhin 45 Prozent haben sich noch nicht endgültig entschieden, wo sie ihr Kreuzchen machen werden. Für Spannung ist gesorgt.