BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Kommunen finden kaum noch Handwerker | BR24

© BR

In Bayern herrscht seit Jahren Bauboom. Was die Privatwirtschaft freut, macht Bürgermeistern, Amtsleitern und Behördenchefs große Sorgen: Sie finden kaum noch Handwerker, die sich auf öffentliche Ausschreibungen bewerben. Das kostet Zeit - und Geld.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Kommunen finden kaum noch Handwerker

In Bayern herrscht seit Jahren Bauboom. Was die Privatwirtschaft freut, macht Bürgermeistern, Amtsleitern und Behördenchefs große Sorgen: Sie finden kaum noch Handwerker, die sich auf öffentliche Ausschreibungen bewerben. Das kostet Zeit - und Geld.

Per Mail sharen
Teilen

Die neue Polizeistation im schwäbischen Burgau ist ziemlich zugig: Die Fenster fehlen noch. Der Rohbau steht schon seit längerem, aber kein Handwerker wollte den Einbau der Glasscheiben übernehmen. Amtsleiter Willi Weirather vom staatlichen Bauamt Krumbach hat so etwas noch nicht erlebt:

"Vier Mal haben wir den Auftrag schon ausgeschrieben, das ist sehr ungewöhnlich. Normalerweise klappt es spätestens beim zweiten oder dritten Mal. Aber vier Ausschreibungen, das ist schon ziemlich extrem." Willi Weirather, Amtsleiter

Erst bei der vierten Ausschreibung kommen Angebote

Immerhin: Bei der vierten Ausschreibung sind jetzt ein paar Angebote eingegangen. Dass das so lange dauert, ist kein Einzelfall in Bayern: Vor allem Kommunen suchen händeringend nach Handwerksbetrieben.

In München soll zum Beispiel schon seit Monaten die Paul-Heyse-Unterführung saniert werden. Der Tunnel bietet einen erschreckenden Anblick: Die ehemals weißen Wände sind von einer dicken dunkelgrauen Patina aus Staub und Schmutz überzogen. Die Metallträger sind stark verrostet. Auch hier keine Firmen, die den Auftrag übernehmen wollen. Das Baureferat schreibt mittlerweile zum dritten Mal aus.

© pa / dpa / Peter Kneffel

Dringender Sanierungsfall: Die Paul-Heyse-Unterführung in München

Die Verzögerungen kosten die Auftraggeber viel Geld

Auch in Fraunberg im oberbayerischen Landkreis Erding kennt der Stadtrat diese Probleme. Hier müsste dringend der örtliche Kindergarten erweitert werden. Geld ist da, aber Interessenten für den Auftrag fehlen. Bürgermeister Hans Wiesmaier schätzt, dass die Gemeinde ungefähr ein Jahr länger braucht als geplant, um den Auftrag vergeben zu können.

"Es dauert alles viel länger als früher. Das Problem dabei ist: Die Baukosten steigen momentan ziemlich stark. Manchmal um fünf bis zehn Prozent pro Jahr. Jede Verzögerung geht dadurch schon allein durch die Preissteigerungen ins Geld. Es dauert also nicht nur alles länger, sondern wird auch immer teurer." Hans Wiesmaier (CSU), 1. Bürgermeister Fraunberg

Kaum Interesse für öffentliche Projekte

Handwerksbetriebe und Architekten haben derzeit volle Auftragsbücher. Die Aufträge kommen von Privatleuten und aus der Wirtschaft. Das Interesse an öffentlichen Aufträgen habe daher stark nachgelassen, bestätigt auch Hans-Peter Mayer vom Bayerischen Gemeindetag.

"Es ist derzeit ein bayernweiter Trend. Wir müssen reihenweise Verfahren aufheben, weil sich keine oder keine geeigneten Bewerber finden. Das stellt uns vor schwerwiegende Probleme. Denn die Gelder bleiben liegen und wir können unsere Budgets nicht wie geplant ausgeben." Hans-Peter Mayer, Bayerischer Gemeindetag

Bürokratie schreckt viele Firmen ab

Die Folge: Überall in Bayern ziehen sich Projekte der öffentlichen Hand in die Länge und werden dadurch automatisch teurer. Die Gründe für das gesunkene Interesse an öffentlichen Aufträgen sind zum einen der aktuelle Bauboom und die Tatsache, dass Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen meist deutlich länger auf ihr Geld warten müssen als bei privaten Auftraggebern. Auch das ziemlich bürokratische Vergabeverfahren schreckt viele Firmen ab.

Eine Änderung der Situation ist nach Einschätzung des Bayerischen Gemeindetages momentan nicht in Sicht. Erst wenn die überhitze Konjunktur in der Bau-Branche wieder abkühlt, werden sich Firmen wieder für Aufträge der öffentlichen Hand interessieren. Bis dahin müssen Behördenleiter, Rathauschefs und nicht zuletzt auch die Bürger viel Geduld aufbringen, bis öffentliche Projekte fertiggestellt werden können.