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Kommunalwahlen 2020: Der Countdown für die Kandidaten läuft | BR24

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Parteien und Kandidaten in Bayerns Großstädten bringen sich in Stellung: Der Kampf um die Rathäuser beginnt. Kontrovers hat die vier größten bayerischen Städte München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg besucht.

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Kommunalwahlen 2020: Der Countdown für die Kandidaten läuft

Parteien und Kandidaten in Bayerns Großstädten bringen sich in Stellung: Der Kampf um die Rathäuser beginnt. Das BR-Politikmagazin "Kontrovers" besuchte die vier größten bayerischen Städte München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg.

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Erste Station: Regensburg. Eigentlich heißt hier der Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, doch seit über zwei Jahren ist er suspendiert, war kurzzeitig sogar im Gefängnis. Seit Monaten läuft ein Verfahren wegen Korruption in mehreren Fällen. Es geht um verdeckte Spenden aus der Bauwirtschaft. Das Ende - ungewiss. Doch Wolbergs lässt keinen Zweifel: Er will wieder antreten. "Ja natürlich! Ich bin mit großer Mehrheit gewählt worden, ich habe in Regensburg alle Stimmbezirke gewonnen bei der letzten Wahl. Damit haben die Menschen ihr Vertrauen ausgedrückt. Dieses Vertrauen ist jetzt natürlich durch den Prozess und die Vorwürfe erschüttert und ich möchte mich neu dem Votum der Bürger stellen", sagt Wolbergs. Er sieht sich zu Unrecht suspendiert, fühlt sich unschuldig. "Weil ich davon so überzeugt bin, führe ich diesen Kampf. Sonst hätte ich doch schon längst aufgehört." Nur: Welche Chancen geben ihm die Regensburger noch?

Regensburger SPD hat noch nicht entschieden

Wolbergs' Partei SPD bereitet sich schon das Kommunalwahlprogramm vor. Mit der Kandidatenfrage aber lässt man sich Zeit. 2017 hatten sie Wolbergs' Rückkehr als "nicht mehr möglich" bezeichnet. Das scheint heute anders. Juba Akili, SPD-Stadtverbandsvorsitzender in Regensburg: "Das ist denkbar, wenn die Delegierten so entscheiden. Wir wissen noch nicht, wer alles antreten wird und dann werden wir sehen müssen." Aber hat Wolbergs überhaupt noch Lust auf die SPD? "Ich weiß es nicht. Es ist heute zu früh, das zu sagen. Es wissen ja viele, dass meine Partei, der ich seit 31 Jahren angehöre, die ersten waren, die sich nach meiner Inhaftierung distanziert haben. Das hat mich schwer enttäuscht." Längst geht das Gerücht in der Stadt, dass er, sollte er freigesprochen werden, mit einer eigenen Unterstützerliste ins Rennen gehen will. Am Ende könnte die Zerreißprobe in der Regensburger SPD der politischen Konkurrenz in die Hände spielen.

Offenes Rennen in Augsburg

Weiter geht die Reise in Bayerns drittgrößte Stadt: Augsburg. Dort will der amtierende CSU-Bürgermeister Kurt Gribl nicht mehr antreten. Dabei hatte er in der Vergangenheit gute Wahlergebnisse. Doch kürzlich erklärte der 54-Jährige überraschend, nicht mehr zu kandidieren.

"Ich denke, dass es gut ist, nach 12 Jahren das Staffelholz weiterzugeben. Wobei das eine sehr persönliche Entscheidung ist." Kurt Gribl, CSU-Bürgermeister in Augsburg

Die in der CSU favorisierte Nachfolgerin steht schon bereit: Eva Weber, aktuell die zweite Bürgermeisterin, zugleich Wirtschaftsreferentin der Stadt. Doch als Großstadtpartei gilt die CSU nicht, Augsburg war die Ausnahme. Umso größer ist nun der Druck auf Eva Weber.

"Der Wettbewerb ist eröffnet, die anderen Parteien haben zwar noch keine Kandidaten, aber ein Selbstläufer wird das bestimmt nicht." Eva Weber, zweite CSU-Bürgermeisterin in Augsburg

Auch in Nürnberg tritt der Amtsinhaber nicht mehr an

Auch in der nächsten Stadt der Reise hat ein überaus prominenter Oberbürgermeister seinen Rückzug verkündet: Ulrich Maly, SPD, wird 2020 nicht mehr antreten. Seit 2002 regiert er im Nürnberger Rathaus. "Das bestätigt ja der Blick in viele Rathäuser, dass die Leute denken: Mein Gott, wann hört der Alte endlich auf? Das wollte ich mir ersparen, aber auch der Stadt Nürnberg", sagt Maly. Vor allem ein Nürnberger dürfte großes Interesse daran haben, dass die SPD nach Maly das Rathaus verliert: Markus Söder. "Als Ministerpräsident arbeite ich mit jedem zusammen, aber als CSU-Vorsitzender würde ich mich freuen darüber." Aber auf einen Söder-Bonus allein will Marcus König, CSU-Fraktionschef im Rathaus, nicht hoffen. "Ich glaube, es geht auch darum, die Kommunalpolitik nach vorne zu stellen und das werden wir tun in den nächsten Monaten", erklärt Marcus König. Noch allerdings ist die CSU auf der Suche nach dem richtigen OB-Kandidaten.

Nürnberger SPD hat bereits einen Kandidaten

Anders die SPD: Mit dem 34-jährigen Thorsten Brehm steht Malys Nachfolgekandidat schon bereit. Die Partei hat mit einer Ausnahme sämtliche Oberbürgermeisterwahlen seit dem Krieg gewonnen. Aber macht das schlechte Landtagswahlergebnis nicht doch Sorge? "Die Nürnberger SPD hat bei den letzten Kommunalwahlen immer unter Beweis gestellt, dass sie auch über normale Milieus, über Parteigrenzen hinweg, Menschen für sich gewinnen und begeistern kann - auch wenn es dann zwei Jahre später mal bei der Bundes- oder Landtagswahl nicht mehr geklappt hat, aber deswegen glaube ich auch, dass wir bei der Kommunalwahl tatsächlich völlig andere Rahmenbedingungen haben und die werden wir auch nutzen", so Thorsten Brehm. Doch auch die Grünen waren in Nürnberg bei der Landtagswahl stark. Es wird spannend.

Wird München bald grün regiert?

Noch stärker aber waren die Grünen bei der Landtagswahl in München, der letzten Station der Reise. Am Samstag haben die Münchner Grünen die 42-jährige Katrin Habenschaden zur OB-Kandidatin gekürt. Die Stimmung ist gut. Katrin Habenschaden sagt: "Wir haben natürlich den Rückenwind vom Ergebnis der Landtagswahl. Den haben wir ganz stark und das verspüren wir auch ganz stark und selbstverständlich greifen wir an - natürlich!"

Die Grünen als Angstgegner der SPD? Schon am Nockherberg war das Thema. Den Aufwind der Grünen registriert auch der amtierende SPD-Oberbürgermeister Dieter Reiter: "Ich habe Ähnliches ja wirklich auch schon ernsthaft gesagt, dass ich glaube, dass die Ergebnisse bei den Grünen bei der letzten Landtagswahl tatsächlich etwas mehr waren als sie inhaltlich eigentlich zu erwarten hätten." Doch wie sehen es die Münchner? Bringen die Grünen 2020 Oberbürgermeister Dieter Reiter in Gefahr? Gut möglich.

Für den amtierenden OB kommt aber noch etwas hinzu. Der 60-jährige Reiter muss sich in diesem Wahlkampf gegen zwei jüngere Frauen behaupten. Neben Katrin Habenschaden von den Grünen auch gegen die designierte OB-Kandidatin der CSU, Kristina Frank. Sie sagt: "Das muss einem amtierenden OB auch erst einmal gelingen, sich von diesen Parteiwerten zu entkoppeln und nach oben abzusetzen. Deswegen wird es sicherlich ein sehr spannender Wahlkampf, lassen wir uns doch einmal überraschen, wann die Serie von SPD-Männern an der Spitze Münchens endet." Doch Reiter gibt sich bisher recht unbeeindruckt von der weiblichen Konkurrenz. "Ich glaube, überraschend war höchstens für Beobachter, dass die CSU eine Frau aufstellt. Das ist vielleicht das, was so ein bisschen Überraschungseffekt hatte, aber auch das halte ich für mittlerweile völlig normal und es ist unnötig, darüber zu diskutieren."

Klar ist: 2020 wird es spannende Rennen um Bayerns Rathäuser geben.