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Kommunalwahl: So führen die Parteien Wahlkampf auf Social Media | BR24

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Social-Media-Auftritte der im Landtag vertretenen Parteien.

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    Kommunalwahl: So führen die Parteien Wahlkampf auf Social Media

    Der Kommunal-Wahlkampf ist im vollen Gange, am 15. März wird abgestimmt. In Städten und Gemeinden stehen die Wahlplakate, doch ein anderer Ort wird immer wichtiger: das Internet. Wie die Parteien Social Media nutzen, ist dabei unterschiedlich.

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    Wenn man eine E-Mail mit so einem Video kriegt, wirkt das ziemlich überraschend, oder sogar unheimlich – Markus Söder schaut einen an: "Hallo Lorenz, wahrscheinlich bist Du überrascht, direkt persönlich von mir zu hören. Dein ganzer Freundeskreis hat mich gebeten, Dich daran zu erinnern: Am 15. März ist Kommunalwahl." Die CSU hat ein Werkzeug ins Internet gestellt, mit dem man mit drei Mausklicks aus über 200 vorgefertigten Namen auswählen und so eine CSU-Werbebotschaft an Bekannte schicken kann.

    Im Video fährt Söder damit fort, das Konzept der Briefwahl und dann natürlich die Kandidaten der CSU zu bewerben.

    CSU-Video mit vielen Aufrufen

    André Haller, Kommunikationswissenschaftler an der FH Kufstein Tirol, findet diese personalisierte Online-Wahlwerbung innovativ: "Man will ja im Internet, in den Social-Media-Auftritten, sehr hohes User-Engagement erreichen. Und durch solche Aktionen, die ja stark personalisiert sind, auch emotional ein bisschen aufrütteln, zum Schmunzeln anregen - so kann man viele Shares und Likes erreichen", erklärt Haller. "Man sieht bei diesem Auftritt, dass man schon über 130.000 Teilnehmer hat." Das sei schon eine sehr, sehr stolze Zahl, so Haller weiter.

    SPD: "Du entscheidest, wie es in Deinem Ort weitergeht"

    Natürlich sind auch die anderen Parteien vor der Kommunalwahl im Netz unterwegs. Die SPD zum Beispiel stellt ihren Kandidaten Bilder mit Slogans zur Verfügung, die sie teilen können. Und auch Videos, etwa mit der Landesvorsitzenden Natascha Kohnen. Darin heißt es: "Dann entscheidest Du, wie es in deinem Ort weitergeht. Ob bezahlbarer Wohnraum da ist. Ob genügend Busse oder Bahnen fahren. Und eben, ob es mit dem Klimaschutz stimmt." Es mache einen deutlichen Unterschied, ob Sozialdemokraten regieren oder nicht, heißt es dort weiter. Deswegen solle der Zuschauer bei der Kommunalwahl der SPD die Stimme geben.

    Themenbilder, Kachelgenerator und Erklärvideos

    Auch die Freien Wähler stellen ihren Kandidaten Themenbilder zur Verfügung, die sie für den Online-Wahlkampf nutzen können. Die FDP hat einen sogenannten "Kachelgenerator" online, mit dem ihre Kommunalwahlkämpfer Botschaften im Parteidesign erstellen können. Und ein Erklärvideo zur Kommunalwahl. So ähnlich auch die Grünen. Dort heißt es: "Jetzt weißt Du, wie Du wählst. Und was wählst du? Wenn du bei dir vor Ort das Klima schützen willst, dann wähle grüne Landrätinnen und Landräte!".

    Wenig Neues - außer bei Söder

    All das ist das konventionelle Handwerkszeug für Onlinewerbung, abgesehen vom Söder-Videogenerator steche da wenig heraus, sagt Kommunikationswissenschaftler Haller, der schon die Onlinewahlkämpfe zur Europawahl analysiert hat: "Es ist allgemein bei jeder Partei so, dass wenig Neues passiert", sagt Haller.

    Bereits bei der vergangenen Bundestagswahl und der Europawahl haben Haller und Kollegen die Onlinewahlkämpfe der Parteien analysiert – es falle auf, dass die CSU hier viel investiert und auch vergleichsweise viele Menschen erreicht.

    Die Social-Media-Macht der AfD

    Am meisten User-Reaktionen erzeugt jedoch die AfD, die Social Media besonders stark nutzt. Im Kommunalwahlkampf stellt der AfD-Landesverband aber lediglich einige Facebook-Kachelmotive zur Verfügung, Videos zum Beispiel nicht. "Es überrascht mich nicht, der Online-Wahlkampf der AfD lebt von enorm starker Emotionalisierung, von fast boulevardesken Beiträgen, die verfasst werden", erklärt Kommunikationswissenschaftler Haller. Dabei brauche es recht wenig Vorbereitung. "Man könnte sagen, die Macht der AfD im Netz besteht aus den einzelnen Usern, die proaktiv Inhalte produzieren, für die Partei werben oder auf Beiträge verlinken."

    Gut Ding will Weile haben

    Generell findet der Kommunalwahlkampf natürlich vor Ort statt und ist deshalb lokal sehr unterschiedlich. Auch was den Einsatz von Social Media angeht. Es sei jedoch noch Luft nach oben, resümiert André Haller: "Die Parteien haben hier noch ein Problem vor Ort. Es ist oftmals so, dass in der Kommune wenig Expertise hinsichtlich Social Media Arbeit vorhanden ist." Es gehe immer darum, im Dialog zu bleiben mit Bürgerinnen und Bürgern. Haller weiter: "Was man häufig sieht vor der Kommunalwahl, ist, dass es zwei, drei Monate zuvor erst losgeht auf den Accounts." Das sei zu wenig, so Haller.

    Ein Vorteil bei der Kommunalwahl ist aber: Es gibt gerade in kleinen Gemeinden durchaus auch noch die Möglichkeit, die Kandidatinnen und Kandidaten persönlich zu treffen statt im Netz.

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