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Kommunalwahl: Die Hotspots in der Oberpfalz | BR24

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Kommunalwahlen in der Oberpfalz: Wo es spannend wird

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    Kommunalwahl: Die Hotspots in der Oberpfalz

    Wer wird nach der Korruptionsaffäre in Regensburg den Chefsessel im Rathaus erobern? In Weiden wird der Nachfolger von OB Seggewiß gesucht. Ein Überblick, wo die Kommunalwahl in der Oberpfalz besonders spannend wird.

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    Korruptionsaffäre bestimmt Kommunalwahl in Regensburg

    Besonders interessant wird die Kommunalwahl am Sonntag in Regensburg: Hier ist das Rennen um den Posten des Oberbürgermeisters komplett offen. Fest steht: Die Wahl in Regensburg steht im Schatten der Korruptionsaffäre. Insgesamt bewerben sich elf Kandidaten um das Amt des Oberbürgermeisters, damit wird eine Stichwahl sehr wahrscheinlich. Unter den Kandidaten ist der suspendierte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs, der bereits wegen Vorteilsannahme verurteilt wurde und derzeit in einem zweiten Prozess vor Gericht steht. Wolbergs tritt allerdings nicht mehr für die SPD an, sondern mit seinem eigens gegründeten Verein "Die Brücke e.V.". Es könnte sich also eine kuriose Konstellation ergeben: Die Regensburger bestätigen Joachim Wolbergs im Amt, durch die Suspendierung kann er es aber nicht antreten. Wolbergs bestreitet alle Vorwürfe, ein Urteil im zweiten Korruptionsprozess soll voraussichtlich auch erst Ende April, also nach der Kommunalwahl fallen.

    Favoriten auf den Chefposten sind aber auch die derzeitige Interims-Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und die CSU-Bundestagsabgeordnete Astrid Freudenstein. Aber auch der Höhenflug der Grünen könnte bei der Wahl eine Rolle und somit dem Grünen-OB-Kandidaten Stephan Christoph in die Karten spielen. Es ist zu erwarten, dass im Stadtrat der Universitätsstadt Regensburg eine besonders starke grüne Fraktion vertreten sein wird.

    Ende der Seggewiß-Ära in Weiden

    In Weiden endet eine Ära: Kurt Seggewiß will nach 13 Jahren im Amt des Oberbürgermeisters nicht mehr antreten. Das hatte er bereits 2017 bei einem Empfang zu seinem 60. Geburtstag bekannt gegeben. Er habe lange mit sich gerungen und gebe ein „gut bestelltes Feld“ weiter, sagte der SPD-Politiker damals. Seggewiß, der gebürtige Westfale, war zu seinem Amtsantritt 2007 ein kommunalpolitischer Neueinsteiger, gewann dann aber überraschend in der Stichwahl mit 58,37 Prozent der Stimmen gegen den CSU-Bewerber Lothar Höher.

    Für die Nachfolge in Weiden zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen CSU und SPD ab. Seggewiß selbst sieht seinen Parteifreund Jens Meyer (SPD) als Nachfolger. Der 49-jährige Kriminalhauptkommissar ist bereits seit 13 Jahren zweiter Bürgermeister in Weiden. Sein Konkurrent ist CSU-Kandidat Benjamin Zeitler, der ebenfalls schon viel kommunalpolitische Erfahrung gesammelt hat. Er will einen neuen politischen Stil in Weiden verkörpern und verspricht, das Miteinander mit den Bürgern fördern.

    Rückzug aus persönlichen Gründen in Cham

    Für viele überraschend gekommen ist der Rückzug der Chamer Bürgermeisterin Karin Bucher (Freie Wähler). Nach zwölf Jahren im Amt verkündete sie beim Jahresempfang 2019 ihren Rückzug aus der Politik – und das mit nur 55 Jahren und obwohl sie in Cham viel Rückhalt hat. Über ihre Beweggründe für diesen Schritt spricht die gelernte Juristin ganz offen: Das Amt habe "sehr viel Lebenszeit aufgefressen", die Gesundheit und das Privatleben litten unter der Sechs-Tage-Woche mit täglich weit mehr als acht Stunden. Auch anonyme Beschimpfungen im Netz musste sich Karin Bucher immer wieder gefallen lassen. Das entscheidende Signal, den Rathausjob aufzugeben, kam aber laut Bucher von ihrem Körper: Sie litt immer wieder an Schwindelanfällen. Politisch will sie sich aber künftig zurückhalten und verzichtet daher auch auf ein Stadtratsmandat. Für ihre Nachfolge haben sich drei Kandidaten in Position gebracht. Für die Freien Wähler tritt Christian Plötz als Bürgermeisterkandidat an. In Cham tut sich seit vielen Jahren die CSU schwer. Jetzt tritt Martin Stoiber von der CSU an, die SPD hat Claudia Zimmermann aufgestellt, die Tochter des früheren Bürgermeisters Michael Zimmermann.

    In Weiding wird per Urwahl gewählt

    Einmalig ist die Wahl in der kleinen Gemeinde Weiding im Landkreis Schwandorf: Hier wird der Erste Bürgermeister per Urwahl gewählt. Bei einer Urwahl gibt es keine vorgeschlagenen Kandidaten. Die Bürger schreiben einen Namen auf den Stimmzettel und der Kandidat mit den meisten Nennungen wird Bürgermeister. So kam Manfred Dirscherl 2014 nach einer Stichwahl ins Amt. Sollte Dirscherl wiedergewählt werden, würde er das Amt noch einmal antreten, sagte er Oberpfalz-Medien zufolge. Es sei aber nicht sein "Lebensziel, Bürgermeister zu sein".

    Landratswahlen: Heißes Rennen in Regensburg und Tirschenreuth

    Bei den Landräten dürfte die CSU ihre Vormachtstellung in der Oberpfalz verteidigen. Interessant könnte es im Landkreis Regensburg werden, wo Amtsinhaberin Tanja Schweiger (Freie Wähler) zur Wiederwahl antritt, ihr stärkster Konkurrent dürfte der Wenzenbacher Gemeinderat Rainer Mißlbeck (CSU) sein.

    In Tirschenreuth beendet Wolfgang Lippert (Freie Wähler) nach zwölf Jahren im Amt seine Politikerkarriere. Um den Posten bewerben sich vier Kandidaten aus CSU, Grüne, SPD und Freien Wählern.

    In Cham gilt die Wiederwahl von Landrat Franz Löffler (CSU) als wahrscheinlich, er ist seit 2010 im Amt und seit 2008 Bezirkstagspräsident der Oberpfalz. Allerdings bewerben sich sechs weitere Kandidaten um den Landratsposten.