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Stress, Hetze, Drohungen: Bayern braucht neue Bürgermeister | BR24

© BR/Herbert Ebner

Bayerns Rathäusern steht ein Generationswechsel bevor

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    Stress, Hetze, Drohungen: Bayern braucht neue Bürgermeister

    Über 1.000 neue Bürgermeister, mehr als 24.000 neue Mandatsträger in den Kommunen und Landkreisen. Bayerns Kommunalpolitik steht vor einem massiven Generationswechsel. Doch die Suche nach Kandidaten für die Kommunalwahl 2020 wird immer schwieriger.

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    Vor zwei Jahren fiel die Entscheidung: Josef Peutler will nicht mehr. Nach drei Amtszeiten als ehrenamtlicher Bürgermeister in Bach an der Donau (Lkr. Regensburg) ist 2020 Schluss. Was Josef Peutler damals nicht ahnte: Die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger wird für ihn fast zu einer unendlichen Geschichte. Von "Nein, das ist nix für mich" über "Da gibt es bessere Kandidaten" bis zu "Nein, ich bin genug beschäftigt mit den Kindern" – das alles gaben die Leute in Bach als Gründe an, warum sie nicht kandieren wollen.

    Per Stellenanzeige zum Bürgermeister-Kandidaten

    Ein Problem, längst nicht nur in der oberpfälzischen Gemeinde: Über 1.000 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister treten 2020 zur Kommunalwahl in Bayern nicht mehr an. Der bayerische Gemeindetag geht davon aus, dass bis zu 60 Prozent neue Mandatsträger gebraucht werden. Und die sind schwer zu finden: In Dinkelsbühl suchte die Opposition wegen Bewerbermangels Anfang des Jahres mit Stellenanzeigen nach OB-Kandidaten, selbst in der Großstadt Würzburg schaltete die CSU eine Stellenanzeige. In Dietramszell südlich von München suchten die Grünen einen Kandidaten per Steckbrief.

    Job Kommunalpolitiker: Zeitraubend und unbeliebt

    Bachs Noch-Bürgermeister Peutler kann diese Entwicklung verstehen. Das Amt sei fordernd, seine Familie habe öfters auf ihn verzichten müssen, sagt der 66-Jährige. Und es sei ein zeitraubender Job. Dabei ist in kleineren Kommunen wie dem knapp 2.000 Einwohner großen Bach der Bürgermeister-Posten ein Ehrenamt. Und nicht zuletzt fühlen sich viele Kommunalpolitiker von Anfeindungen und Hetze abgeschreckt. In einer Umfrage des BR-Magazins Report München gab fast die Hälfte der Befragten an, Erfahrungen mit Hassmails, Einschüchterungsversuchen oder anderen Übergriffen gemacht zu haben.

    Brandl sieht viel Unzufriedenheit mit Kommunalpolitik

    Uwe Brandl, CSU-Bürgermeister von Abensberg und Präsident des bayerischen Gemeindetags, überrascht diese Entwicklung nicht. Es sei schwieriger geworden, ein öffentliches Mandat wahrzunehmen, so Brandl. Die Zufriedenheit mit Entscheidungen in der Kommunalpolitik sei eben "keine besonders ausgeprägte". Viele seien nicht mehr bereit, "bestimmte Dinge zu tolerieren und zu akzeptieren". Die Art und Weise der Auseinandersetzung habe sich verändert, findet Brandl. Verbale Attacken, Stalking, Verunglimpfungen im Internet. "Das macht es anstrengend."

    Ähnlich sieht es auch der Politikwissenschaftler Martin Gross. Ein Mandat in der Kommunalpolitik fordere viel Zeit, und wer zum Beispiel mitten im Berufsleben steht, falle dann eben raus, genauso wie viele Frauen. Die Folge sei ein Überhang älterer Männer in der Kommunalpolitik.

    Happy-End in Bach an der Donau?

    Die Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten verläuft in vielen bayerischen Gemeinden zäh. Wie groß die Lücke tatsächlich ist, das wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen, wenn die Wahlvorschläge bei den Gemeinden eingehen. Immerhin, in Bach an der Donau gab es ein Happy-End. Nach zwei Jahren vergeblicher Suche hat Josef Peutler noch einen Nachfolger gefunden. Einen Gegenkandidaten aber gibt es wahrscheinlich nicht.