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Kommunal-Stichwahlen: Schwieriger Wahlkampf in Corona-Zeiten | BR24

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Die wegen der Ausgangsbeschränkungen leere Kaufinger Straße in München - an Straßenwahlkampf ist hier natürlich nicht zu denken.

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    Kommunal-Stichwahlen: Schwieriger Wahlkampf in Corona-Zeiten

    Bis Sonntag finden in Bayern rund 750 Kommunal-Stichwahlen statt - an normalen Wahlkampf ist wegen Corona nicht zu denken. "Wie eine Vollbremsung auf der Autobahn", beschreibt ein OB-Kandidat seine Gemütslage. Aber Not macht auch erfinderisch.

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    Für Michael Fraas von der CSU und Peter Reiß von der SPD wären gerade eigentlich die härtesten Wahlkampf-Tage. Die beiden Politiker wollen Oberbürgermeister im mittelfränkischen Schwabach werden - an diesem Sonntag treten sie in der Stichwahl gegeneinander an. Wegen der Corona-Pandemie ist an Straßenwahlkampf und Klingeln an den Wohnungstüren der Menschen aber natürlich nicht zu denken. Die Folge: Fraas und Reiß haben ihren Wahlkampf zum großen Teil ins Internet verlegt.

    "Es ist ein seltsames Gefühl", sagt CSU-Politiker Fraas. "Du willst was tun, du willst raus zu den Leuten und kannst jetzt nicht mehr." Es fühle sich an wie eine Vollbremsung auf der Autobahn. Sein SPD-Kontrahent Reiß sagt, der Kontakt auf der Straße und an den Haustüren sei ihm sehr wichtig gewesen. Das jetzt auf andere Medien zu verlagern sei "eine große Umstellung" gewesen.

    Stichwahl: Alle Informationen und Ergebnisse finden Sie hier.

    Videos, Kettenbriefe, Live-Chats

    Wie den beiden Schwabacher OB-Kandidaten geht es momentan vielen Stichwahl-Kandidaten im ganzen Freistaat. Denn die rund 750 Stichwahlen für Oberbürgermeister, Bürgermeister und Landräte fallen genau in die Corona-Pandemie, sie werden deshalb bis Sonntag ausschließlich als Briefwahl durchgeführt.

    Im Wahlkampf ist mangels Veranstaltungen und direktem Bürgerkontakt viel Kreativität gefragt. Eine Variante: Prominente Parteivertreter werben per Video im Netz für die Kandidaten vor Ort, etwa CSU-Chef Markus Söder, Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze, Nürnbergs Noch-SPD-Oberbürgermeister Ulrich Maly oder Umweltminister Thorsten Glauber von den Freien Wählern. Manchmal nehmen auch einfach Gemeindemitglieder vor Ort kurze Botschaften für Facebook auf. Auch Kettenbriefe via WhatsApp werden genutzt, etwa von den Grünen.

    Vor allem aber präsentieren sich natürlich die Kandidaten selbst in den sozialen Netzwerken. Beispiel Schwabach: Hier setzt SPD-Kandidat Reiß besonders auf Live-Chats mit den Nutzern. Zusammen mit seinen Videos erreiche er damit aktuell deutlich mehr Menschen als noch vor einigen Wochen, die Reichweite gehe Richtung 10.000, berichtet er. Sein CSU-Kontrahent Fraas bespielt Facebook, Instagram und Twitter auch, hat sich allerdings gegen Live-Chats entschieden. "Das ist nicht mein Ding", sagt er, das wäre "für mich etwas Gekünsteltes - ich will authentisch bleiben."

    Experte: Ansprache darf "nicht sachlich trocken" sein

    Aber kann das Digitale den persönlichen Kontakt überhaupt ersetzen? Gerade im Kommunalwahlkampf, wo sich Bürgerinnen und Kandidaten so nah sind wie sonst nie? Aktuell könne man bei Facebook oder Twitter durchaus Kreise erreichen, die dort sonst nicht regelmäßig unterwegs seien, sagt der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger vom Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft. "Das könnten beispielsweise ältere Menschen sein, die das bisher nicht gemacht haben."

    Allerdings muss die Ansprache laut Neuberger dafür vor allem eines sein: persönlich. "Da darf man nicht sachlich trocken kommen, sondern man muss wirklich eine emotionale Ansprache finden. Man muss Einblicke in sein Privatleben geben. Auch das ist für manche Politiker ungewöhnlich."

    Ach ja: Im mittelfränkischen Schwabach haben beide Kandidaten auch in Corona-Zeiten weiterhin analog Wahlkampf gemacht, ein kleines bisschen jedenfalls. Zum Beispiel haben sie bis zu den am vergangenen Freitag beschlossenen Ausgangsbeschränkungen weiter Infobriefe verteilt. Und sowohl Reiß als auch Fraas schalten - ganz klassisch - Annoncen in der Zeitung.

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