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Plenarsitzung im Bayerischen Landtag
© dpa-bildfunk/Peter Kneffel

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Eva Huber
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Plenarsitzung im Bayerischen Landtag

Noch ist genug Platz im Landtag für die roten Stühle und die hellen Pulte der Abgeordneten. Noch, denn nach der Landtagswahl könnte es eng werden. 20 oder 40 Abgeordnete mehr sind bei den jetzigen Umfragen durchaus möglich.

Sollte die CSU alle Direktmandate gewinnen, wären theoretisch auch 241 Abgeordnete im Landtag möglich, sagt Johannes Grabmeier, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Hochschule Deggendorf und Diplom-Mathematiker. Das ist allerdings ein unwahrscheinliches Szenario.

Der Grund für das Anwachsen liegt in den Überhang- und Ausgleichsmandaten. Die Situation entsteht dann, wenn die CSU bei der Wahl zwar sehr viele Direktmandate gewinnen würde, ihr aber durch das Prozentergebnis der Stimmen weniger Sitze zustehen würden.

Wie funktionieren Überhang- und Ausgleichsmandate?

Das bayerische Wahlrecht ist kompliziert und komplex. Um zu zeigen, wie das mit den Überhang- und Ausgleichsmandaten funktioniert, hat Johannes Grabmeier es exemplarisch ausgerechnet – anhand des BR-Bayerntrends vom 12.9.2018. Die Überhang- und Ausgleichsmandate werden für jeden der sieben bayerischen Bezirke einzeln verteilt.

Modell-Rechnung am Beispiel Niederbayern

Der Wahlkreis Niederbayern zum Beispiel entsendet 18 Abgeordnete in den Landtag. Würde die CSU wie in der BR-Umfrage 35 Prozent der Stimmen bekommen, dann stünden ihr sieben Sitze zu. Die anderen Sitze werden auf SPD, Freie Wähler, Grüne, AfD, FDP und Linke verteilt.

Kompliziert wird es durch die Direktmandate. In jedem Stimmkreis wird über die Erststimme ein Kandidat direkt in den Landtag gewählt. Niederbayern hat 9 Stimmkreise. Wenn die CSU alle 9 Direktmandate gewinnt, dann hat sie mehr Sitze als ihr nach den Prozentwerten zustehen. Die zwei Sitze, die zu viel sind, nennt man Überhangmandate.

Ausgleichsmandate - um das Prozentverhältnis wieder herzustellen

Wenn die CSU zwei Sitze mehr hat, stimmt das Prozentverhältnis insgesamt nicht mehr und muss ausgeglichen werden. Die Anzahl der Sitze wird nach dem mathematischen "Hare-Niemeyer-Verfahren" so lange erhöht, bis das Verhältnis einigermaßen wieder stimmt. Die zusätzlichen Sitze werden unter den anderen Parteien aufgeteilt. In der Beispielrechnung kämen wir dann auf 24 Sitze statt der regulären 18 Sitze. Wie viele Überhangs- und Ausgleichsmandate es am Ende tatsächlich werden, ist jetzt vor der Wahl noch vollkommen offen. Mathematiker Grabmeier betont aber:

"Wenn nicht, was Ministerpräsident Söder noch erhofft, die große Wende für die CSU kommt, dann wird es Überhang- und Ausgleichsmandate mit Sicherheit geben. Aber dann vielleicht nur 20 oder 25." Professor Johannes Grabmeier, Technische Hochschule Deggendorf.

Wo sollen die zusätzlichen Abgeordneten untergebracht werden?

Die Verwaltung des Landtags gibt sich gelassen. Es gebe keine Modellrechnungen, man wolle dem Wählerwillen nicht vorgreifen. Auch Alterspräsident Peter Paul Gantzer, der nach 40 Jahren im Landtag nicht mehr für die SPD antritt, ist beim Thema Platzmangel zuversichtlich.

"Der Plenarsaal ist so gebaut, dass wir ihn erweitern können. Also auch in der Sitzzahl erweitern können. Ich weiß nur nicht, wie viel. Wenn wirklich die Höchstzahl von 40 bei dieser Wahl passieren können, dann weiß ich nicht, ob wir die alle noch unterbringen können, dann muss halt mit Stühlen und hinten an der Wand entlang gearbeitet werden." Peter Paul Gantzer, Landtagsabgeordneter SPD

Das Wahlergebnis in Prozent steht am Wahlabend fest. Die komplizierte Rechnung der Listenplätze und der Ausgleichsmandate kann aber dauern – bis spätestens Dienstagnachmittag.