BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Kommentar: Söders Krise in der Krise | BR24

© BR/Johanna Schlüter

Eva Lell

58
Per Mail sharen

    Kommentar: Söders Krise in der Krise

    Die Panne an bayerischen Teststationen kratzt am Krisenmanagerimage des bayerischen Ministerpräsidenten. Jetzt muss nicht nur die Krise in der Krise gemanagt werden. Auch die Fehler müssen auf den Tisch, meint Eva Lell.

    58
    Per Mail sharen

    Markus Söder entscheidet schnell, kommuniziert deutlich und treibt dann eine zügige Umsetzung voran. Dieses Vorgehen hat Söder bisher in der Corona-Zeit den Ruf eines guten Krisenmanagers eingebracht. Auch bei den Corona-Teststationen für Urlaubsrückkehrer verfuhr der Ministerpräsident so. Dieses Mal ging offenbar alles zu schnell: In kurzer Zeit mussten die Teststationen aus dem Boden gestampft werden. Es fehlte die Zeit, das Ganze logistisch so aufs Gleis zu setzen, um die vielen Urlauber, die sich freiwillig testen lassen wollten, auch professionell und schnell zu erfassen.

    Wer trägt die Verantwortung?

    Es ist zu klären, ob es in dieser kurzen Zeit möglich gewesen wäre, alles besser zu organisieren. Falls ja, trägt Gesundheitsministerin Melanie Huml die Verantwortung für diese riesige Panne. Falls nein, trägt der Ministerpräsident selbst die Verantwortung. Bemerkenswert ist, dass Söder alle guten Nachrichten zu Corona, alle Entscheidungen, die Handlungsstärke demonstrieren, stets selbst verkündet hat. Die Panne einräumen, das überließ er gestern seiner Fachministerin. Heute erklärte Söder auf einer gemeinsamen Pressekonferenz, dass Huml zweimal ihren Rücktritt anbot - und er ablehnte.

    Doch egal, wer faktisch verantwortlich ist: Der Imageschaden für Markus Söder ist da. "Nur wer Krise kann, kann auch Kanzler" – diesen Satz äußerte Söder, als die Zustimmung zu seinem Krisenmanagement noch sehr hoch war und er wirklich dafür sorgte, dass Bayern und Deutschland im Frühsommer gut durch die Krise kamen. Nun muss auch er sich an diesem Satz messen lassen.

    Die "Panne" hat bundesweite Auswirkung

    Vor wenigen Wochen gab es einen regionalen Corona-Ausbruch bei Tönnies in Nordrhein-Westfalen. Ministerpräsident Armin Laschet musste viel Kritik einstecken deswegen, der Ausbruch war aber regional begrenzt. Die Panne in Bayern betrifft dagegen das ganze Bundesgebiet. Noch ist nicht bekannt, woher die positiv Getesteten kamen und wohin in Deutschland sie weitergereist sind. Es ist davon auszugehen, dass sie unwissentlich andere angesteckt haben. Die bayerische Staatsregierung trifft allerdings nicht alleine die Schuld. Die Bundesregierung und andere Landesregierungen haben es verpasst, frühzeitig Strategien zu entwickeln, wie mit Menschen umgegangen wird, die aus dem Urlaub zurückkehren. Bayern startete die Teststationen zum Beginn der bayerischen Sommerferien. Andere Bundesländer waren mit ihren Sommerferien viel früher dran. Eine Strategie gab es nicht.

    Natürlich passieren Fehler in einer so angespannten, herausfordernden Zeit. Und Bayern reagiert. Wichtig ist aber auch, dass die Staatsregierung jetzt nicht nur diese Krise in der Krise managt, sondern auch transparent macht, wo Fehler gemacht wurden. Eines sollte die Staatsregierung auf jeden Fall vermeiden: Die Ehrenamtlichen der Rettungsdienste, die an den Teststationen gearbeitet haben, dürfen nicht den schwarzen Peter bekommen.

    Ein Kommentar von Eva Lell, BR-Redaktion Landespolitik

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!