© BR

Nikolaus Neumaier

Als Beobachter hatte man den Eindruck, dass die Delegierten auf dem CSU-Parteitag in München die Rede von Ministerpräsident Markus Söder fast schon dankbar aufgenommen haben. Söder packte sein rhetorisches Können und seine Entschlossenheit zusammen und traf den Nerv der Basis.

Inhaltlich bot der Ministerpräsident nichts Neues. Es präsentierte im Wesentlichen sein Regierungsprogramm. Doch darauf kam es gar nicht an, weil es ausschließlich darum ging, die CSU nach dem Schock der katastrophalen Umfragewerte wieder aufzurichten.

Söders Appell an das Wir-Gefühl

Söder schaffte das, indem er das "Wir" ansprach und seine CSU daran erinnerte, was immer ihr Selbstverständnis war: Wir sind Bayern. Nur wir stehen für Tradition und Moderne. Wir sind die letzte, verbliebene Volkspartei.

Statement im Umgang mit der AfD

Der CSU-Parteitag war auch ein Statement im Umgang mit der AfD. Die Reaktionen der Delegierten waren Ausdruck dafür, dass man der AfD nicht länger mit Ratlosigkeit begegnen wird. Und man will auch Franz Josef Strauß nicht der AfD überlassen, die zum Ärger der CSU plakatiert, dass Strauß AfD wählen würde. Söder griff das auf und bekam lauten Beifall für seine Feststellung, dass Strauß die AfD bekämpfen würde und die heutige CSU das auch so machen sollte.

Die CSU will AfD nicht mehr mit Ratlosigkeit hinnehmen

Das Stimmungsbarometer Parteitag lieferte deutliche Hinweise darauf, dass Zurückhaltung gegenüber der AfD mittlerweile als der falsche Kurs angesehen wird. Die CSU ist eine konservativ-bürgerliche Partei und will weder zulassen, dass die AfD Strauß vereinnahmt, noch dass sich rechte Schreier und Marschierer im liberalen Bayern breitmachen.

Auch Seehofer hat verstanden

Das hat inzwischen auch Horst Seehofer verstanden, der zu lange der Meinung war, man dürfe die AfD nicht angreifen, weil man sie so nur noch stärker mache. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Seit dem für alle sichtbaren Auftreten der AfD in Chemnitz gehen die demoskopischen Werte leicht zurück.

Auf dem Parteitag grenzte sich auch Seehofer deutlich von der AfD ab. Sein Appell, dass die CSU wie in der Vergangenheit und auch in Zukunft nichts mit Rechtsaußen-Politikern zu tun haben sollte, hätte freilich noch mehr Glaubwürdigkeit entfaltet, wenn Seehofer als Bundesinnenminister eine deutlichere Sprache gesprochen hätte. So aber bleibt in Erinnerung, dass er am liebsten selbst bei den Chemnitzer Demos mitmarschiert wäre - und dass er lange brauchte, um die AfD und ihre Umtriebe demokratie- und staatsgefährdend zu nennen.

Kommt auch in der CSU jetzt Söders Zeit?

Somit war für die Parteitagsdelegierten auch sichtbar, dass die Zeit von Horst Seehofer vorbei ist. Die CSU sehnt sich nach einem Vorsitzenden, der mit Leidenschaft und rhetorischer Kraft aufzurütteln vermag. Seehofer hat sich damit immer schwer getan. Markus Söder ist es geglückt.