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Der Kultusminister mutet den Grundschullehrern mit seinen Plänen einiges zu. Es muss sein - als kurzfristiger Schritt. Mittel- und langfristig aber muss er sich andere Lösungen überlegen, damit es ausreichend Lehrkräfte gibt, meint Jeanne Rubner.

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Kommentar: Mehrarbeit ist keine langfristige Lösung

Der Kultusminister mutet den Grundschullehrern mit seinen Plänen einiges zu. Es muss sein - als kurzfristiger Schritt. Mittel- und langfristig aber muss er sich andere Lösungen überlegen, damit es ausreichend Lehrkräfte gibt, meint Jeanne Rubner.

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Eine Stunde mehr im Klassenzimmer - ich höre schon die Stammtisch-Kommentare zur Arbeitszeit von Lehrern: "Die haben eh viel Freizeit und lange Ferien. Darum können sie ruhig die eine Stunde zusätzlich vor der Tafel stehen." Doch Häme gegenüber den Pädagogen ist fehl am Platz. Tatsächlich mutet der Kultusminister ihnen einiges zu. Aber es muss sein.

Bedarf wurde unterschätzt

Bayern schwingt sich gerne zum Bildungs-Musterschüler auf, nicht immer zu Recht. Bei der Unterrichtsversorgung aber steht der Freistaat vergleichsweise gut da. Woanders fallen noch mehr Schulstunden aus, und Schüler werden reihenweise von Quereinsteigern unterrichtet, die kaum pädagogische Erfahrung haben.

Dass trotzdem auch in Bayern Lehrer fehlen, hat viele Gründe. Auch hier hat man unterschätzt, wie stark der Bedarf durch mehr Geburten, Zuzug, Inklusion oder Ganztagsbetreuung steigt. Die zusätzlichen Studienplätze für Grundschulpädagogen, die jetzt eilig geschaffen worden sind, wären schon vor ein paar Jahren notwendig gewesen.

Quereinsteiger sind keine Lösung

Tatsache ist aber, dass der Nachwuchs an den Schulen jetzt fehlt. Deswegen muss der Kultusminister kurzfristig dafür sorgen, dass die Schulkinder versorgt sind. Und zwar mit qualifizierten Pädagogen - Quereinsteiger sind keine Lösung. Falsch wäre es auch, die Klassen wieder zu vergrößern.

Bleibt nur die Möglichkeit, die bestehenden Lehrkräfte mehr und länger, als der eine oder die andere sich das wünscht, arbeiten zu lassen. Der Mangel ist auch deswegen groß, weil an Grundschulen so viele in Teilzeit sind und auch vorzeitig in Ruhestand gehen. Das ist legitim, aber eben nur solange die Unterrichtsversorgung klappt.

Die Arbeitsbedingungen müssen attraktiver werden

Mittel- und langfristig aber muss der Kultusminister sich andere Lösungen überlegen, damit es ausreichend Lehrkräfte gibt. Denn solange die Wirtschaft sehr viel besser bezahlt als der Staat, werden viele sich für andere Jobs entscheiden. Da reicht das Argument einer sicheren Beamtenstelle nicht mehr aus.

Die Arbeitsbedingungen müssen attraktiver werden - etwa durch weniger Bürokratie, über die viele Pädagogen klagen. Heute ist ja ein Grundschulzeugnis schon ein vierseitiges Papier. Und vor allem: Wenn wir erwarten, dass unsere Kinder die bestmöglichen Lehrerinnen und Lehrer bekommen, dann brauchen diese Anerkennung für ihren anspruchsvollen Job.