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Kommentar: Söders Nein zur Kanzlerkandidatur wird leiser | BR24

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Corona, K-Frage, Konjunktur: Heiße Themen, die viel Reibung erzeugen. Heute nun hat Ministerpräsident Söder zu Wort im ARD-Sommerinterview einen Forderungskatalog vorgelegt. Nikolaus Neumaier, Redaktionsleiter der BR-Landespolitik, im Gespräch.

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Kommentar: Söders Nein zur Kanzlerkandidatur wird leiser

Markus Söders Platz sei in Bayern, das sagt er uns nun seit Wochen. Doch die Vehemenz, mit der er einen Umzug nach Berlin ausschließt, ist nicht mehr so wuchtig. Das zeigte sich auch im ARD-Sommerinterview. Ein Kommentar von Nikolaus Neumaier.

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Markus Söders Platz sei in Bayern, das sagt uns der Ministerpräsident nun seit Wochen. Doch die Vehemenz, mit der er einen Umzug nach Berlin ausschließt, ist nicht mehr so wuchtig. Das zeigte sich auch im ARD-Sommerinterview im "Bericht aus Berlin" im Ersten. Söder verweigerte sogar die Antwort auf die Frage, ob er eine Kanzlerkandidatur ausschließt. Nun ist es so, dass auf die Frage: "Können Sie ausschließen?" kein vernünftiger Politiker eine Antwort gibt.

Nein zu Kanzlerkandidatur könnte als Hasenfüßigkeit ausgelegt werden

Solche Ausschließlichkeitsfragen sind das Einfallstor für eine Sackgasse, in die niemand gerne rennt. Dass Söder die Frage nicht wirklich beantwortet, sondern nur darauf verwiest, dass ihn eine Mehrheit der Bayern nicht ziehen lassen will, ist ein Indiz dafür, dass Söder ernsthaft über eine Kanzlerkandidatur nachdenkt.

Zumindest will er sich im Rennen halten - und er weiß genau: Wenn ihn am Ende des Jahres eine Mehrheit als besten Kanzlerkandidaten betrachtet, dann wird er schwer, nein sagen können. Ein Nein könnte man dann auch als Hasenfüßigkeit auslegen. Konservative Wählerinnen und Wähler würden vielleicht den Eindruck bekommen, Söder traue sich nicht. Und diesen Eindruck will er sicher nicht aufkommen lassen.

Mehr Zeit für eine Entscheidung

Die nächsten Wochen und Monate wird von Söder keine Festlegung kommen. Warum auch. Es wäre töricht. Söder braucht außerdem Zeit, um wichtige Fragen zu klären: Wer könnte ihm in Bayern nachfolgen? Würde er nach Berlin gehen, auch wenn er die Wahl verlöre? Und: Wie fest steht die CDU hinter ihm? Söder ist kein Mann, der in ein unkalkulierbares Risiko läuft.

Dennoch gibt es feine Anzeichen, die darauf hindeuten, dass sich Söder schon als Kandidat präsentiert, der auch außerhalb Bayerns wählbar wäre. So will er in der Corona-Krise derzeit nur Pflichttests bei Urlaubern, die aus Risikogebieten zurückkehren. Für alle anderen soll es großflächige Angebote geben, die jeder und jede freiwillig annehmen könne. Das ist ein Hinweis darauf, dass Söder sich dort als besonnener Politiker empfiehlt, wo er noch vor nicht allzu langer Zeit als harter Hund verschrien war.

Merkel als Orientierungspunkt

Ein weiteres Indiz: Söder warnt, dass ein zu früh gekürter Kanzlerkandidat als Nebenregierung zu Angela Merkel wahrgenommen werde. Das ist wenig überzeugend. Schließlich sorgte er noch im Januar für Aufregung, als er eine Umbildung von Merkels Regierungskabinett ins Spiel brachte.

Corona hat hier alles verändert und Merkel ist inzwischen Söders Orientierungspunkt. Da muss er nicht drängen. Er kann auf Zeit spielen und sich im Spiel halten. Und die entscheidende Information aus dem ARD-Sommerinterview ist: Markus Söder schließt eine Kanzlerkandidatur nicht aus.

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