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Nikolaus Neumaier, Leiter Landespolitik
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Nikolaus Neumaier, Leiter Landespolitik

Wenn es überhaupt Sieger beim BR-Fünfkampf gegeben hat, dann wären das Martin Hagen und Hubert Aiwanger. Sie waren in ihrer Rolle die vielleicht authentischsten und überzeugten durch argumentative Präsenz. Vor allem Martin Hagen. Der Spitzenkandidat der FDP war argumentativ, angriffslustig und brachte die Dinge auf den Punkt. Glaubwürdig in dem Programmrahmen, den man von der FDP kennt, wo der Markt viel und der Staat möglichst wenig richten soll.

Hagen und Aiwanger gehen als heimliche Sieger vom Platz

Daneben gelang es vielleicht Hubert Aiwanger, dem Chef der Freien Wähler, am besten, sich glaubwürdig als jemand zu präsentieren, der eine Ahnung davon hat, wo Kommunen und Menschen im ländlichen Bayern der Schuh drückt. Er tat das außerdem in seinem Duktus und mit seinem Dialekt, der manchen Städter vielleicht schmunzeln lässt, auf dem Land aber durchaus ankommt.

SPD-Spitzenkandidatin müht sich

Natascha Kohnen, die SPD Spitzenkandidatin, musste sich dagegen fast schon durch den Fünfkampf kämpfen. Trotz eines argumentativ fundierten Auftretens schaffte sie es wie schon mehrmals in diesem Wahlkampf nicht, ihre Botschaft klar und knapp zu vermitteln. Kohnens Performance als Wahlkämpferin lieferte damit vielleicht auch eine Erklärung, wieso die Grünen so gut dastehen und die SPD so schlecht. Die Grünen sagen, es reicht mit der CSU-Alleinregierung. Die SPD denkt das zwar auch, bringt’s aber nicht auf den Punkt.

Widersprüchlichkeiten beim AfD-Vertreter

Authentisch wirkte Kohnen, als ihr wegen des AfD-Vertreters Martin Sichert der Kragen platze. Der hatte sich mit viel Plattitüden und auch Widersprüchlichkeiten präsentiert. So wollte er ungern daran erinnert werden, dass er erst vor kurzem auf dem Bundesparteitag der AfD zum Kirchenaustritt aufgerufen hatte und wieso durch Abschiebungen von Flüchtlingen der Anstieg der Mieten gebremst werden soll, wie er forderte, müsste er bei Gelegenheit auch nochmal schlüssig erklären.

Authentischer Linker

Sich treu geblieben und damit sympathisch authentisch war der Kandidat der Linken, Ates Gürpinar. Er bekannte sich zu Enteignungen von Immobilienkonzernen, will im Fall einer Regierungsbeteiligung die Konzernchefs von Audi und BMW wegen des Dieselskandals bluten lassen und das Geld für Rüstungsexporte lieber in die bayerischen Kindergärten und Schulen stecken. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Positionen mehrheitsfähig werden, dürften gering sein, aber der Linken-Kandidat blieb sehr glaubwürdig für seine Anhängerschaft.

Der Fünfkampf war ein lebhafter Schlagabtausch und anders als bei der Fußballweltmeisterschaft war es nicht wie das ungeliebte Spiel um den dritten Platz. Schließlich könnte sich mancher Teilnehmer des Fünfkampfes demnächst am Kabinettstisch wiederfinden.