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Hotelsperre für Gäste aus Corona-Risikogebieten - das ist hilflos, unwirksam, aktionistisch und widerspricht der Strategie von Markus Söder. Ein Kommentar von Achim Wendler.

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Kommentar: Kippt das Beherbergungsverbot!

Hotelsperre für Gäste aus Corona-Risikogebieten - das ist hilflos, unwirksam, aktionistisch und widerspricht der Strategie von Markus Söder. Ein Kommentar von Achim Wendler.

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Von
  • Achim Wendler

Gemessen an den Schmähungen, die Berlin gerade über sich ergehen lassen muss, ist die Bundeshauptstadt kein Corona-Hotspot, sondern ein Corona-Vulkan. In der Sache heißt das: Niemand, der aus Berlin anreist, darf in einem bayerischen Hotel absteigen. Moment – niemand?

Doch, Berufsreisende schon. Ebenso andere, die einen triftigen Grund für ihre Reise nennen. Und alle übrigen Berliner dürfen auch nach Bayern, zwar nicht ins Hotel, aber zur Familie, zu Freunden.

Das Beherbergungsverbot ist ein Fehler

Alles klar? Klar ist nur, dass das Beherbergungsverbot ein Fehler ist. So gut wie alles spricht dagegen. Nein: schlicht alles. Dass es keiner versteht, siehe oben, ist noch der geringste Einwand. Allein er könnte gleichwohl reichen, um eine Auflage zu kippen - denn Nachvollziehbarkeit ist ein Gebot der Krisenpolitik.

Viel schwerer wiegt die gesundheitspolitische Wirkungslosigkeit. Der Berliner Bürgermeister Müller hat ausnahmsweise mal Recht, wenn er sagt, die Hotelsperre habe keinen Sinn. Dafür reicht ein Blick in die Lageberichte des Robert-Koch-Instituts: Inländische Reisen spielen allenfalls eine untergeordnete Rolle für die Ausbreitung von Corona.

Aktionismus hilft nicht weiter

Verständlich ist, dass Markus Söder sich über Berlin ärgert: Die coronapolitische Untätigkeit des Senats ist verantwortungslos. Falsch ist aber, darauf in der Münchner Staatskanzlei mit Aktionismus zu reagieren. Damit schadet Söder nicht dem Virus, sondern den bayerischen Hotels.

Hier zeigt sich obendrein ein direkter Widerspruch zu Söders eigener – und richtiger! – Corona-Strategie. "Professionell vor privat" heißt es da, was bedeutet, dass private Aktivitäten eher eingeschränkt werden als wirtschaftliche. Die Hotelsperre aber schränkt zuerst und nur die Freiheit der Reisebranche ein.

Ziellos, wirkungslos, hilflos – also weg mit dem Beherbergungsverbot! Es lässt sich schmerzlos abräumen, durch bessere Maßnahmen, beispielsweise die konsequente Anwendung der Corona-Ampel. Das Gespräch der Ministerpräsidenten am Mittwoch bietet dazu die Gelegenheit.

Ein Kommentar von Achim Wendler, Leiter der BR-Redaktion Landespolitik

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