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Eva Lell

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    Kommentar: Der Freistaat, nur noch Wirtshaus-Kulturstaat

    Für die Kultur im Freistaat gelten deutlich strengere Regeln als für Hotels und Gaststätten. Wirtschaftsminister Aiwanger liefert dazu eine absurde Begründung. Notwendig sind transparente Entscheidungen und nachvollziehbare Argumente, meint Eva Lell.

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    Einen Schweinsbraten im Wirtshaus kann sich jeder Erwachsene schmecken lassen, der geimpft oder genesen ist. Dort sitzt man dann ohne Maske, und manchmal ganz schön dicht an dicht. Ohne Abstand. Wer in den Ferien mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Kino wollte, brauchte für die S-Bahn einen negativen Test für Kinder ab sechs Jahren, fürs Kino für Kinder unter 14 Jahren nicht. Im Kino fällt die Maske weg, wenn die Abstände eingehalten werden.

    Regel-Durcheinander kostet Nerven

    Fürs Theater wiederum braucht es für erwachsene Geimpfte einen Booster oder einen Test, das Publikum sitzt mit Maske und Abstand, maximale Auslastung 25 Prozent.

    Das Corona-Regel-Wirrwarr ist viel beschrieben, oft geht es dabei um Unterschiede zwischen den Bundesländern. Doch das eben beschriebene Durcheinander ist in einer Stadt erlebbar: München, Landeshauptstadt.

    Wissenschaft wird ignoriert

    Das Kabinett hat heute beschlossen, dass es genauso bleibt: Keine Verschärfung für die Gastronomie, keine Lockerung (etwa mehr Auslastung) für die Kultur. Für letztere bräuchte es mehr wissenschaftliche Erkenntnisse, sagte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zur Begründung.

    Diese Aussage ist absurd. Denn Virologen empfehlen 2G plus für Innenräume – also auch für Gaststätten. Gleichzeitig gibt es Studien, die belegen, dass unter bestimmten Voraussetzungen das Ansteckungsrisiko in Opern, Theatern und Konzerthäusern geringer ist als im Supermarkt oder beim Friseur. Eine gewisse Widersprüchlichkeit hat Aiwanger auf Nachfrage eingeräumt.

    Was vom Kulturstaat übrig bleibt

    Das hilft aber nichts. Innenräume sind Innenräume. Wenn in Bayern der Bier- und Schweinsbratenkonsum von der Politik massiv bevorzugt wird, vor Kabarett, Oper, Theater, Kino und Musik, dann bleibt vom Kulturstaat Bayern langsam nur noch die Wirtshauskultur.

    Ein Kommentar von Eva Lell, Redakteurin in der BR-Redaktion Landespolitik

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