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Kommentar: Corona-Tests ohne Strategie bringen nichts | BR24

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Die Infektionszahlen steigen, und auch die Menge der Corona-Tests. Dabei ist fraglich, ob die Kapazitäten reichen. Es muss intelligent getestet werden! Das fordert Jeanne Turczynski aus der BR24-Wissenschaftsredaktion in ihrem Kommentar.

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Kommentar: Corona-Tests ohne Strategie bringen nichts

Die Infektionszahlen steigen, und auch die Menge der Corona-Tests. Dabei ist fraglich, ob die Kapazitäten reichen. Es muss intelligent getestet werden – fordert Jeanne Turczynski aus der BR24-Wissenschaftsredaktion in ihrem Kommentar.

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Von
  • Jeanne Turczynski

Überlastet oder nicht überlastet? Das ist die zentrale Frage. Die Labore klagen schon lange, dass der Corona-Test-Kollaps droht. Auch in Bayern, ungezieltes Testen mache die Analytik platt, heißt es. Das Robert-Koch-Institut, die oberste Seuchenbehörde, hat inzwischen reagiert und sagt: Getestet werden soll nur, wer schwere Symptome hat, etwa Atemnot oder Fieber - ein Schnupfen allein reicht nicht. Die bayerische Politik dagegen sagt: Jeder, der das möchte, soll sich auch weiterhin testen lassen. Ja, was denn nun?

Testen ohne Strategie bringt nichts

Die Wahrheit liegt in der Mitte. Dass komplett ungezielte Testungen die Labore irgendwann zusammenbrechen lassen, war seit Monaten klar. Entsprechende Pannen gab es in Bayern nun auch wahrlich genug. Außerdem bringt das Testen ohne Strategie nichts – außer dass viele gesunde Menschen getestet werden, die dann erfahren, dass sie genau das sind: gesund.

RKI-Kriterien zu verwirrend

Allerdings: Die jetzt vom RKI vorgelegten Kriterien sind leider auch verwirrend. Sprechstundenangestellte müssen nun nach einem komplizierten Kriterienkatalog herausfinden: Ist der Patient berechtigt für einen kostenlosen Test oder nicht, hatte er Kontakt zu einem Corona-Positiven oder hat er nur Schnupfen? Denn dann wird er oder sie nicht getestet und soll lieber daheim bleiben.

Das Problem dabei ist aber: Wenn alle mit Triefnase in diesem Herbst und Winter zuhause bleiben, dann wird auch die Wirtschaft zum Erliegen kommen. Hinzu kommt, hinter jedem Schnupfen KÖNNTE eben auch eine Corona-Infektion lauern. Wäre es dann nicht besser, Gewissheit zu haben, um auch Kontaktpersonen warnen zu können?

Lösung: Gezieltes Testen

Die Lösung lautet: Es muss gezielt und intelligent getestet werden angesichts des noch langen Winters. Denn auch ein Corona-Impfstoff, selbst wenn er in einigen Wochen zugelassen werden sollte, wird noch Monate auf sich warten lassen – und dann auch erst einmal denen zur Verfügung stehen, die die höchsten Infektionsrisiken haben.

Es wäre also richtig, jetzt die aktuelle Teststrategie auf den Prüfstand zu stellen und mindestens zu verhindern, dass einfach jeder, der sich unwohl fühlt oder vielleicht mit einem Corona-Patienten kurz Kontakt gehabt haben könnte, sich mehrfach testen lässt.

Tests nur bei Symptomen und bei Kontakt mit Risikogruppen

Testen lassen können sollte sich aber jeder mit Symptomen, und sei es nur ein Schnupfen. Und testen lassen können sollte sich unkompliziert auch jeder, der Kontakt zu Risikogruppen hat. Die schnellen Antigentests können dabei helfen, hoch Infektiöse zu finden und Ausbrüche in sensiblen Einrichtungen zu verhindern. Aber ganz ohne Anlass Tests für alle und jeden, und das jederzeit – das ist Unsinn und muss schnell aufhören.

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