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Können Luftfilter in der Schule vor Corona schützen? | BR24

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Lüften gilt als eine der Hygiene-Grundregeln gegen die Verbreitung des Coronavirus - aber im Herbst und Winter? Dieses Problem sind die Wissenschaftler der Bundeswehr-Uni München angegangen - am Institut für Strömungsmechanik und Aerodynamik.

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Können Luftfilter in der Schule vor Corona schützen?

Raumluftfilter für 50 Millionen Euro will die bayerische Staatsregierung kaufen, um das Corona-Infektionsrisiko in Klassenzimmern im Winter zu minimieren. Ob diese Filter helfen, ist unter Fachleuten aber umstritten.

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Ministerpräsident Markus Söder hat angekündigt, dass die Staatsregierung 50 Millionen Euro bereitstellen will, um Raumluft-Filter für Klassenzimmer anzuschaffen. Schließlich können die Fenster der Schulen im Winter nicht mehr permanent offen stehen.

Luftfilter so groß wie ein Kühlschrank

Schulleiterin Monika Florian von den Nymphenburger Privatschulen in München leistet jetzt schon Pionierarbeit: Sie hat zwei Raumluft-Filter aus dem Schulbudget angeschafft. Kosten pro Gerät: 1.800 Euro. Eines steht im Lehrerzimmer, das andere in einem der Klassenzimmer. Die Geräte sind so groß wie ein kleiner Kühlschrank und saugen die Raumluft an. Die wird im Innern mit UV-Licht bestrahlt und dadurch angeblich von Keimen befreit.

Luftfilter schaffen 3.500 Kubikmeter Luft pro Stunde

Die Schulleiterin ist aber unsicher, ob die Geräte auch gegen das Corona-Virus helfen. Und tatsächlich fehlen fundierte wissenschaftliche Beweise. Einzelne Untersuchungen gibt es, zum Beispiel von Christian Kähler von der Bundeswehr-Uni München. Er konnte zeigen, dass ein hochwertiger Raumluftfilter für rund 3.000 Euro ziemlich effektiv Schwebestoffe aus der Luft fischen kann.

Das Gerät arbeitet mit einem besonders feinen Filter, wie er in OP-Sälen verwendet wird. Laut Kähler filtert das Gerät etwa 3.500 Kubikmeter Luft pro Stunde und kann damit acht Mal pro Stunde die Luft eines Klassenzimmers reinigen.

Tests der Luftfilter noch nicht aussagekräftig

Aber: Bisher fanden nur einzelne Tests im Labor statt. Wie gut das in vollen Klassenzimmern funktioniert, in denen 30 Personen sitzen, ist nicht untersucht. Und auch bei Geräten, die mit UV-Licht arbeiten, ist die Wirkung nicht abschließend geklärt.

Deshalb warnen Virologen wie Ulrike Protzer von der TU München oder auch Oliver Keppler von der LMU vor voreiligen Schlüssen. Laut Keppler gibt es noch keine endgültige wissenschaftliche Evidenz dafür, dass die Filter das Infektionsrisiko ausschließen. Er rät deshalb von großen Investitionen ab, weil sie am Ende vielleicht nicht sinnvoll sind.

Die 50 Millionen Euro, die die Staatsregierung für Filteranlagen bereitstellen will, sind deshalb fragwürdig. Unterm Strich würden für jede bayerische Schule 8.000 Euro bleiben - genug für nur drei oder vier Geräte. Geld, das besser woanders investiert werden sollte, glaubt auch Vater und Lehrer Matthias Burger aus der Nähe von Marktredwitz. Er schlägt vor, stattdessen mehr Schulbusse fahren zu lassen, weil er beobachtet, dass die Busse gesteckt voll mit Schülern sind.

Virologe empfiehlt regelmäßiges Stoßlüften

Der Virologe Oliver Keppler empfiehlt für die Klassenzimmer eine "Low-Tech-Version": regelmäßiges Stoßlüften der Klassenräume - auch wenn die Kinder sich im Winter nach dem Lüften vielleicht die ersten fünf Minuten nach dem Lüften eine Jacke anziehen müssen. Das hält er für vertretbar.

Bundesamt für Strahlenschutz: Luftfilter wirken "allenfalls flankierend"

Das Bundesamt für Arbeitsschutz hat diese Einschätzung gerade bestätigt: Es gehe nichts über intensives Lüften. Das könne das Risiko senken, sich anzustecken. Filteranlagen könnten "allenfalls flankierend wirken".

Auch die Stadt München ist skeptisch den Filtern gegenüber. Sie ist zuständig für rund 350 Schulen, und will die Geräte jetzt zumindest mal versuchshalber testen.

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