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Prozess um getöteten Feuerwehrmann: Grausame Handyvideos | BR24

© DPA/ Karl-Josef Hildenbrand

Der Kö-Prozess vor dem Landgericht Augsburg

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    Prozess um getöteten Feuerwehrmann: Grausame Handyvideos

    Am fünften Prozess-Tag um den in Augsburg getöteten Feuerwehrmann wurden vor Gericht brutale Gewaltvideos vom Handy des Angeklagten gezeigt. Für Prozessbeobachter waren die grausamen Szenen kaum auszuhalten. Viele Zuschauer reagierten fassungslos.

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    Kaum auszuhalten waren die Videos für die Prozessbeobachter, die die Kammer am Donnerstag im Augsburger Prozess um den getöteten Feuerwehrmann vorgespielt hat. Es handelt sich um explizite Gewaltvideos, auf denen Menschen bestialisch gequält oder getötet werden oder sich selbst mit einer Schrotflinte erschießen. Sie sind auf dem Handy des 17-jährigen Hauptangeklagten sicher gestellt worden.

    Viele Zuschauer im Gerichtssaal wandten sich ab und schüttelten fassungslos den Kopf. Zwei der Angeklagten hielten die Köpfe gesenkt, der Hauptangeklagte schaute immer wieder hin. Gestern hatte ein Zeuge der Kripo bereits die Inhalte geschildert. Die zeitliche Zuordnung der Videos sei aber schwierig. Hinzu komme, dass der Angeklagte das Handy von seinem älteren Bruder übernommen habe.

    Hauptangeklagter in U-Haft sehr aggressiv

    Vor Gericht hatte am Dienstag der Leiter der JVA Neuburg/Donau ausgesagt - dort sitzt der 17 Jahre alte Hauptangeklagte in U-Haft. Der Regierungsdirektor machte deutlich, dass das Verhalten des Jugendlichen in der U-Haft "ungebührlich, aggressiv, und verbal sehr forsch" gewesen sei.

    Sein Verhalten habe "im Lauf des Jahres eine ganz besondere Dynamik bekommen", sowohl in Bezug auf das Verhältnis zu den Mithäftlingen als auch zu den Justizbediensteten. Insgesamt habe es während der zehnmonatigen U-Haft zehn Disziplinarverfahren gegen den 17-Jährigen wegen gröberer Vorfälle gegeben, und 32 sogenannte erzieherische Maßnahmen. Einmal habe Halid S. sogar in Einzelhaft gemusst.

    Angeklagter soll mit Tat geprahlt haben

    Auch zur Tat selber habe er sich geäußert: Der Anstaltsleiter schildert, dass der Jugendliche Mithäftlingen gegenüber gesagt haben soll: "Ihr seid kleine Wichtigtuer, ich habe schon einen tot geschlagen!" Während der Zeuge diese Aussage machte, drehte sich der Angeklagte zu seinem Anwalt um und schüttelte den Kopf.

    Darüber hinaus habe der Jugendliche auch behauptet, dass er schlecht behandelt werde und es an den schlechten Lehrern liege, dass er nicht den Quali-Abschluss innerhalb der Haft geschafft hätte. "Er hat aber wirklich absolut nichts dafür getan und dann bekommt man den Abschluss halt auch nicht", stellte der Anstaltsschef in diesem Zusammenhang klar.

    Gefängnisleiter: Er muss lernen, Regeln einzuhalten

    Der 17-Jährige habe bisher 75 Tage in sogenannter "Absonderung" verbringen müssen, "das habe ich in meiner 30-jährigen Justizkarriere so noch nicht ausgesprochen", erklärte der Anstaltschef. Man habe daher einen "sehr erfahrenen Sozialtherapeuten" gebeten, sich um den jungen Mann zu kümmern. "Das ist immer noch ein junger Mann", aber auch er werde lernen müssen, sich an Regeln zu halten und seinen Zorn in den Griff zu bekommen. "Er muss auch aufhören zu glauben, dass er immer der ist, der benachteiligt wird", so der Gefängnisleiter.

    Frühere Schulleiterin sagt gegen Jugendlichen aus

    Auch die Schulleiterin des Hauptangeklagten wurde am Dienstag vernommen. Die Pädagogin sagte aus, Halid. S. sei ein "ganz normaler Schüler" gewesen. Er sei jedoch häufig zu spät gekommen, habe oft unentschuldigt gefehlt, weshalb auch ein Bußgeldverfahren eingeleitet worden sei.

    In seiner Akte stehe auch, dass es spielerische Schlägereien gegeben habe. Das sei aber nichts Außergewöhnliches gewesen: "Da hatten wir andere", so die Schulleiterin, die den Angeklagten bis vor eineinhalb Jahren betreut hat.

    Doch insgesamt habe der 17-Jährige auch Schwierigkeiten gehabt, sich an schulische Regeln zu halten. Den Kontakt zu seinen Eltern bezeichnete die Lehrerin als "schwierig". Die Mutter sei ein- oder zweimal zur Sprechstunde dagewesen, der Vater gar nicht. Frauen gegenüber sei der Angeklagte jedoch nie übergriffig erschienen.

    Der mutmaßliche 17-jährige Haupttäter ist wegen Körperverletzung mit Todesfolge und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Seinen beiden mitangeklagten Freunden wird gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt. Das Urteil könnte bereits am 6. November fallen.

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