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Mit einem einzigen Schlag soll ein 17-Jähriger auf dem Augsburger Königsplatz einen 49-Jährigen tödlich verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert für ihn sechs Jahre Haft, die Verteidigung plädiert auf Nothilfe.

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"Kö-Prozess" in Augsburg: Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafe

Der Prozess um den tödlichen Schlag gegen einen 49-Jährigen auf dem Augsburger Königsplatz geht dem Ende zu. Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben ihre Plädoyers gehalten, im Strafmaß liegen sie weit auseinander.

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Von
  • Barbara Leinfelder
  • Christine Kellermann

Im Prozess um den getöteten Feuerwehrmann in Augsburg haben Staatsanwaltschaft und Nebenklage in ihren Plädoyers sechs Jahre Haft für den 17-jährigen Hauptangeklagten gefordert. Weil nach Jugendstrafrecht verhandelt wird, wäre eine Haftstrafe von maximal zehn Jahren möglich. Man habe einen glasklaren Beweis für das Geschehen und einen Alleinverantwortlichen für den Tod des 49-Jährigen, sagte Staatsanwalt Michael Nißl. Ihm fehle ein klares Bekenntnis und echte Reue.

Staatsanwalt: Haftstrafe für Hauptangeklagten nötig

Als der 49-Jährige am Boden lag, habe der Angeklagte gemeinsam mit zwei weiteren Jugendlichen noch einen Freund des Mannes verprügelt und schwer verletzt. "Die Lektion war, wo ist die nächste Gelegenheit", sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer für die Verhängung der Jugendstrafe. Für ihn sei eine Haftstrafe unbedingt nötig, so Nißl. "Wie sollen wir von einem tiefen Ausdruck der Reue und des Bedauerns ausgehen, wenn er nach mehreren Monaten sich im Knast hinstellt und sagt: "Ihr seid kleine Wichtigtuer, ich hab schon einen totgeschlagen". Wenn der Angeklagte dann zum Prozess komme und sage, "tut mir leid", dann sei das nicht glaubwürdig, er tue höchstens sich selbst leid. Für den Staatsanwalt sei klar: "Hier sitzt der Richtige".

Verteidigung geht von Nothilfe aus

Die Verteidigung des Hauptangeklagten hat hingegen eine Bewährungsstrafe für den 17-Jährigen beantragt. Es sei von einer Nothilfe-Situation auszugehen, weil er seinen Freund schützen wollte. Der Getötete habe den Freund beleidigt und geschubst. Zu verurteilen sei sein Mandant lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung, weil er den Begleiter des Mannes mit attackiert habe, so Verteidiger Marco Müller. Dass das Opfer dann so schwer verletzt wird, habe sein Mandant nicht abschätzen können. Solche Verletzungen seien "eine Rarität", wie auch der Gutachter festgestellt habe. Dass auf eine Beleidigung ein Schlag folge, komme aber fast täglich vor, "ich könnte glaub ich aus meinem Aktenschrank 50 solcher Fälle rausziehen, die sonst vor dem Amtsgericht verhandelt würden", so Müller.

Kritik an Ermittlungen in Augsburg

Der Rechtsanwalt hatte zu Beginn seines Plädoyers auch scharfe Kritik an den Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft geübt. Es habe in diesem Fall viel zu früh eine Pressekonferenz der Kripo gegeben, obwohl noch gar keine ausreichenden Ermittlungsergebnisse vorgelegen hätten. Sein Mandant sei in den Akteneinträgen von Anfang an als cool und beherrscht geschildert worden. Es fehle, dass sein Mandant durchaus geschockt und tränenüberströmt nach der Festnahme bei der Polizei gesessen habe.

Bewährungsstrafen für Mittäter beantragt

Für die angeklagten Mittäter im Alter von 18 und 20 Jahren beantragte der Staatsanwalt Bewährungsstrafen gemäß dem Jugendstrafrecht. Alle drei Angeklagten entschuldigten sich noch einmal persönlich für ihre Taten. Der 17 Jahre alte Hauptangeklagte sagte, "Die Geschichte tut mir leid, ich wollte auch nicht, dass es soweit kommt. Das Urteil soll morgen am Vormittag gesprochen werden.

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Der Prozess um die Gewalttat auf dem Augsburger Königsplatz soll morgen das Urteil fallen. Der Hauptangeklagte, ein 17-Jähriger, soll einen 49-Jährigen mit einem Schlag ins Gesicht getötet haben.

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