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Patientenzimmer mit Medizintechnik
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Johannes Berthoud
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Patientenzimmer mit Medizintechnik

Mehrere hundert Hersbrucker stehen Anfang Oktober vor der Klinik ihrer Stadt, östlich von Nürnberg. Die Bürger protestieren für den Erhalt des örtlichen Krankenhauses. Sogar eine extra für diesen Zweck komponierte Hymne wird abgespielt.

Freie Wähler wollen Krankenhäuser erhalten

Krankenhäuser zu schließen, kommt in der Bevölkerung nicht gut an. Gerade für besonders betroffene ältere Menschen sind längere Fahrzeiten zur Klinik eine Belastung. Vor allem die Freien Wähler haben sich dem Erhalt auch kleiner Standorte verschrieben.

Das betonte Freie Wähler Chef Hubert Aiwanger auch vor der letzten Runde der Koalitionsverhandlungen mit der CSU.

Ein Strukturwandel bahnt sich an

Doch selbst wenn die kommende Staatsregierung kleine Krankenhäuser erhalten will - in der Gesundheitsversorgung bahnt sich ein Strukturwandel an. Die Bundesregierung fördert die Konzentration auf weniger Standorte, an denen mehr Leistungen erbracht werden, als das an vielen kleinen Krankenhäusern heute möglich ist.

Die Krankenkassen sind für die Schließung von Krankenhäusern

Grob ist das auch die Linie der Krankenkassen.

"Wir haben absolut den Eindruck, dass wir zu viele Krankenhäuser in Bayern haben, zu kleinteilige Strukturen und zwar nicht nur im ländlichen Raum, sondern auch in den Ballungsräumen, in den Städten." Ralf Langejürgen, Leiter des Verbandes der Ersatzkassen

Der Leiter des Verbandes der Ersatzkassen in Bayern Ralf Langejürgen verweist auf Studien, die zeigten, dass größere Betriebseinheiten auch mehr Sicherheit für den Patienten bedeuten.

So würden alle Krankenhäuser Herzinfarkte behandeln, kleinere Krankenhäuser hätten aber teilweise keine Computertomographen, die Behandlungsergebnisse würden schlechter ausfallen.

Wie viele Kliniken bedroht sind, ist unklar

Langejürgen nennt als weitere Herausforderung fehlendes Fachpersonal. Natürlich geht es den Krankenkassen aber auch um die Betriebskosten von Kliniken, für die sie aufkommen. Mit Zusammenlegungen lässt sich Geld sparen. Wie viele Krankenhäuser geschlossen werden könnten, will er nicht sagen.

Momentan existieren circa 160 Kliniken im Land, die nur eine Grundversorgung anbieten. Sie könnte es am ehesten treffen. Ganz radikale Modelle besagen, dass 50 Kliniken in Bayern ausreichen würden.

Siegfried Hasenbein, der Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, dem Verband der Klinikträger, kritisiert solche Szenarien und auch die Rolle der Krankenkassen in der Diskussion als unsachgemäß.

Selbst die Krankenhausträger sind offen für einen Strukturwandel

Aber selbst Hasenbein von den Krankenhausträgern steht einem Strukturwandel offen gegenüber. Aus manchen Krankenhäusern könnten ambulante Gesundheitszentren oder Pflegeeinrichtungen werden.

"Wir sagen auch unseren Krankenhäusern, unseren Mitgliedern, dass es nicht für jedes kleine und kleinste Krankenhaus eine Bestandsgarantie geben kann." Siegfried Hasenbein, Geschäftsführer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft

Noch ist nicht klar, was bei den Koalitionsverhandlungen zwischen Freien Wählern und CSU in puncto Krankenhäuser rauskommt. Das Thema Gesundheitsversorgung wird die Politik aber wahrscheinlich noch länger beschäftigen.