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Knochenmarkspender für Tilo gesucht | BR24

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Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie geht die Zahl der Menschen, die sich für eine Knochenmark- oder Stammzellen-Spende typisieren lassen, drastisch zurück. Eine Katastrophe für Menschen, die einen Spender brauchen, um zu überleben.

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Knochenmarkspender für Tilo gesucht

Für Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, ist eine Knochenmarkspende oft die letzte Hoffnung. Doch die Corona-Pandemie lässt die Zahl der Spender sinken. Ein Familienvater aus Nürnberg gibt den Kampf aber nicht auf.

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Es ist schwierig genug, passende Knochenmarkspender für Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, zu finden. Doch die Corona-Pandemie verschärft dieses Problem noch: In diesem Jahr hat die Deutsche Knochenmarkspenderdatei DKMS rund 60 Prozent weniger Anmeldungen als im Vorjahr. Einer der Betroffenen ist Tilo – ein 35-jähriger Familienvater aus Nürnberg.

Tilo leidet schon seit seiner Kindheit

Seit seiner Kindheit kämpft Tilo schon gegen die Chronisch Lymphatische Leukämie – kurz CLL. Chemotherapien, Behandlungen mit Immunpräparaten – all das durchläuft der 35-Jährige seit Jahrzehnten. Vor gut anderthalb Jahren trat dann immer wieder Fieber auf. Die anschließenden Untersuchungen in der Onkologie brachten ein eindeutiges Ergebnis: Es war klar, dass die einfachen Infusionen nicht mehr ausreichten, auch die Chemotherapie konnte nur eine Zwischenlösung sein. Tilo braucht eine Stammzellentherapie - nur so ist sein Immunsystem wieder herzustellen.

Typisierungsaktion lieferte nicht das gewünschte Ergebnis

Die Grundvoraussetzung für eine Stammzellentherapie ist aber, dass ein geeigneter Stammzellenspender gefunden werden kann. Doch das ist alles andere als einfach, obwohl immerhin rund 10 Millionen Spender bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei DKMS registriert sind. Freunde haben für Tilo zusätzlich eine Typisierungsaktion in Nürnberg organisiert, die auch von den lokalen Medien aufgegriffen und von der Aktion Knochenmarkspende Bayern AKB unterstützt wurde. Doch die Aktion, die im Herbst 2019 durchgeführt wurde, blieb ohne den erhofften Treffer. Was für Tilo unbefriedigend sein mag, könne aber nicht pauschal als erfolglos bezeichnet werden, betont die AKB. Denn wer immer sich Typisieren lasse, könne ein potenzieller Stammzellenspender für Patienten auf der ganzen Welt sein. Daher sei Tilos Engagement "großartig", denn er helfe dadurch auch anderen Betroffenen. Würden noch mehr Patienten so handeln, könnte das dazu führen, dass auch für Tilo ein passender Spender gefunden wird.

Weniger Stammzellenspender durch Corona

Für Tilo war die Erfolglose Suche zunächst eine deprimierende Erfahrung. "Du siehst, dass dir so viele Menschen helfen. Alles war mit einem riesigen Aufwand verbunden und trotzdem: nichts. Das ist bitter, wenn man sich auch überlegt, dass sich immer wieder so viele Menschen in der Spenderdatei registrieren lassen." Mittlerweile haben sich die Chancen auf einen geeigneten Spender statistisch gesehen sogar verschlechtert. Denn durch die Corona-Pandemie können nicht mehr so viele Typisierungsaktionen durchgeführt werden. "Wir haben in der Regel pro Jahr 20.000 neue Spenderinnen und Spender in unsere Datei aufgenommen", sagt Verena Spitzer von Aktion Knochenmarkspende Bayern AKB. Doch um auf diese Zahl zu gelangen, fehlten in diesem Jahr noch 10.000.

Halt bei der Familie und bei Freunden

Tilo fällt es in diesen Tagen oft schwer, die Zuversicht zu bewahren. Seinen Job bei einem Sicherheitsdienst musste er aufgeben, weil die häufigen 12-Stunden-Schichten für ihn einfach nicht mehr zu schaffen waren. Jetzt fährt er für Google-Street-View, weil er sich seine Zeit freier einteilen kann. Er fährt, wenn er sich gut fühlt. Werden die Schmerzen oder die Müdigkeit zu extrem, macht er Pause. Unterstützung findet er bei Freunden und vor allem bei seiner Familie. "Meine Frau und meine beiden Kinder brauchen mich noch", sagt er und: "Aufgeben ist keine Option".

© BR/Oliver Tubenauer

Für Menschen, die an Leukämie erkrankt sind, ist eine Knochenmarkspende oft die letzte Hoffnung. Doch die Corona-Pandemie lässt die Zahl der Spender sinken. Ein Familienvater aus Nürnberg gibt den Kampf aber nicht auf.

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