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Knobloch wirft Rammstein Verharmlosung des Holocaust vor | BR24

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Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

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    Knobloch wirft Rammstein Verharmlosung des Holocaust vor

    Die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hat Rammstein die Verharmlosung des Holocaust vorgeworfen. Das Video der Band zum Song "Deutschland" zeigt Menschen, die an KZ-Häftlinge am Galgen erinnern.

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    Das umstrittene Video der Band Rammstein mit Anspielungen auf deutsche Konzentrationslager stößt weiter auf scharfe Kritik. Damit habe die Band eine Grenze überschritten, sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, der "Passauer Neuen Presse".

    „Holocaust als Marketing-Gag geht zu weit“

    "Wer den Holocaust und die Millionen Ermordeten als Marketing-Gag instrumentalisiert, der geht zu weit, egal in welchem Rahmen", sagte Knobloch, die frühere Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland. Rammstein verharmlose mit dem Video eindeutig die Schrecken des Holocaust. "So eine Trivialisierung schadet am Ende unserer Erinnerungskultur und befördert dann Vorurteile und eine Normalisierung von Antisemitismus."

    Sofortige Löschung des Rammstein-Videos gefordert

    Auch der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erklärte, es gebe zahlreiche Künstler, die sich in ihren Kunstwerken auf eine würdevolle Art mit der Schoa auseinandersetzten. "Wer den Holocaust jedoch zu Marketingzwecken missbraucht, handelt verwerflich und unmoralisch", sagte Schuster. Ein Sprecher des israelischen Außenministeriums nannte den Rammstein-Clip mit Anspielung auf den Holocaust "beschämend" und ergänzte auf Twitter: "Wir schließen uns jenen an, die eine sofortige Löschung fordern."

    Rammstein in KZ-Gedenkstätte Dachau eingeladen

    Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem kritisierte nicht generell den künstlerischen Umgang mit dem Holocaust. Solche Arbeiten dürften aber nicht die Erinnerung an die Schoa verhöhnen und nur der öffentliche Aufmerksamkeit dienen, erklärte ein Sprecher. Künstler sollten respektvoll mit der Erinnerung der Überlebenden umgehen. Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller (CSU), lud die Band in die KZ-Gedenkstätte Dachau ein. "Das Leid und die Unmenschlichkeit des Holocaust verbieten sich für Werbezwecke oder Effekthascherei zur Bekanntmachung von Produkten ganz gleich welcher Art – in diesem Fall wohl ein neues Musikalbum", erklärte er.

    Spaenle: "Auch künstlerische Freiheit muss ihre Grenzen finden"

    Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle kritisierte den Rammstein-Trailer scharf. Er begrüßte Frellers Einladung an die Band Rammstein zu einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Dachau. Spätestens dort werden die Bandmitglieder nämlich erfahren, dass sich die Unmenschlichkeit des NS-Terrors nicht für Werbung und zur Publikation von Produkten eigne, so Spaenle. Auch die im Grundgesetz verbriefte künstlerische Freiheit müsse ihre Grenze finden im Grundverständnis der bundesdeutschen Gesellschaft zu den Opfern des Unrechtsregimes des Nationalsozialismus.

    "Es ist nicht hinzunehmen, dass die Opfer dieser menschenverachtenden totalitären Herrschaft zu kommerziellen Zwecken – nämlich zur Bekanntmachung von Produkten, hier der neuen CD der Gruppe – genutzt werden.“ Ludwig Spaenle, CSU, Bayerischer Antisemitismusbeauftragter

    Bandmitglieder stehen in gestreifter Kleidung am Galgen

    Auf dem Trailer zur neuen Rammstein-Single sind vier Band-Mitglieder zu sehen, deren Kleidung an die von KZ-Gefangenen erinnert. Sie stehen dabei am Galgen. Auf dem Revers eines Musikers ist ein gelber Stern zu sehen, ähnlich dem, den Juden unter dem NS-Regime tragen mussten. Am Ende des 35 Sekunden langen Videos ist das Wort "Deutschland" in frakturähnlicher Schrift zu sehen, in lateinischen Buchstaben steht darunter das Datum 28.3.2019. Zunächst hatte die "Bild"-Zeitung berichtet.