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Knobloch: Antisemitischer Angriff weckt dunkle Erinnerungen | BR24

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Reaktionen von Charlotte Knobloch, Israelitische Kultusgemeinde München

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Knobloch: Antisemitischer Angriff weckt dunkle Erinnerungen

Eine jüdische Familie ist in München von zwei Unbekannten angegriffen worden. Für die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch weckt der Vorfall schlimme Kindheitserinnerungen. Minister Herrmann erklärte, man werde alles tun, um die Tat aufzuklären.

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Es geschah am helllichten Tag, am vergangenen Samstag. In einer belebten Einkaufsstraße, gleich bei der Münchner Freiheit. Nach dem Synagogenbesuch ging dort ein Rabbiner mit seinen beiden Söhnen auf dem Bürgersteig. Da beschimpfte plötzlich ein Mann die Familie, mit klar antisemitischen Äußerungen. Mehr noch: Eine Frau, die offenbar nichts mit dem Pöbler zu tun hatte und aus ihrem Auto heraus die Szene beobachtet hatte, beleidigte einen der Söhne und spuckte ihm ins Gesicht.

Knobloch: "Habe das als Kind auch erlebt"

Für die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, weckt das dunkle Erinnerungen, wie sie im Interview mit dem ARD-Politikmagazin report München sagt. "Mich hat genau diese Situation des Anspuckens persönlich sehr getroffen, weil ich das als Kind erlebt habe", so Knobloch. "Es war auch in meiner Heimatstadt, auch in München, damals war es keine Heimat mehr. Heute habe ich mir vorgestellt, ist es eine Heimat für jüdische Menschen und ich hoffe, dass sich das auch nicht ändern wird."

Doch dieser Judenhass führe dazu, so Knobloch, dass manche jüdischen Münchner keine Zukunft für ihre Kinder in Deutschland sehen. Sie fordert von Politik und Gesellschaft, sich entschiedener gegen Antisemitismus zu stellen: "Ich glaube, es sollte auch ein Aufschrei parteiübergreifend für die jüdischen Menschen in unserem Land vorhanden sein, den ich bis jetzt vermisst habe und den ich mir sehr, sehr wünsche, damit die Stimmung im Volk sich etwas ändert."

Zahl antisemitischer Attacken steigt seit Jahren

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bezeichnete es heute als unerträglich, wenn sich Menschen in Bayern derart antisemitisch verhielten: "Das ist schrecklich. Unsere Sympathie ist bei dem Rabbiner und seinen Söhnen und wir werden alles dafür tun, dass Juden in unserem Land auch weiter sicher leben können. Wir werden alles dafür tun, um die Täter zu ermitteln und sie auch zu bestrafen."

Der Vorfall passt zu einem bundesweiten Trend. Besonders im Internet nimmt die Schärfe der antisemitischen Beleidigungen zu, und auch die Zahl der Vorfälle steigt Herrmann zufolge an: "Wir haben leider insgesamt in Deutschland in den letzten Jahren mehr solche Vorfälle, es gibt Rechtsextremisten, Linksextremisten, Islamisten, die sich antisemitisch äußern und umso wichtiger ist es, dass die ganz große Mehrheit der Gesellschaft deutlich macht, dass wir so etwas nicht dulden wollen, dass wir zu unseren jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern stehen. Und, dass wir auf gar keinen Fall einen neuen Antisemitismus in Deutschland sich entwickeln lassen wollen."

Die Polizei fahndet nun nach den mutmaßlichen Tätern. Die Ermittlungen laufen wegen Volksverhetzung und Beleidigung.

Solidaritäts-Aufruf von Münchens OB Dieter Reiter

Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter ruft zur Solidarität mit jüdischen Mitbürgern.

"Der Angriff auf einen Rabbiner und seine beiden Söhne entsetzt mich zutiefst. Es ist unerträglich, dass Jüdinnen und Juden – auch hier in München – immer noch in Angst vor Beschimpfungen und Beleidigungen, vor Ausgrenzung oder gar vor gewalttätigen Übergriffen leben." Münchens OB Dieter Reiter in einer Erklärung

Es sei der Auftrag einer verantwortungsbewussten, liberalen, respektvollen und demokratischen Stadtgesellschaft, diesen Zustand nicht hinzunehmen, sondern Antisemitismus in all seinen Facetten entschieden zu bekämpfen sowie den betroffenen Jüdinnen und Juden solidarisch zur Seite zu stehen. Reiter weiter: "Antisemitismus ist – egal in welchem Gewand – immer auch ein Angriff auf unsere liberale Gesellschaft, auf die Demokratie und die Grundwerte unseres Zusammenlebens", So Reiter weiter. Er rufe deshalb alle Münchnerinnen und Münchner dazu auf, sich einzumischen, wenn Menschen aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung beleidigt, diskriminiert oder angegriffen werden.

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Bespuckt, beleidigt, attackiert. Nur weil jemand Jude ist, die traditionelle jüdische Kopfbedeckung, die Kippa, trägt. Immer wieder kommt es in Deutschland zu antisemitischen Übergriffen - auf offener Straße.