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Bildrechte: picture-alliance / dpa / Norbert Schmidt

Schon 1891 sorgte Pfarrer Sebastian Kneipp dafür, dass ein Apotheker seine Rezepte in alltagstaugliche Produkte einfließen ließ. Aus Bad Wörishofen im Unterallgäu wurde ein Kurort und die Marke Kneipp steht heute in Drogerien und Supermärkten.

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Kneipp - vom Pfarrer zur wertvollen Marke

Mit kalten Wassergüssen den Körper gesund halten - mit dieser Philosophie hat Sebastian Kneipp vor 200 Jahren die Welt durcheinandergebracht. Heute ist die Marke "Kneipp" viel wert, dafür hat der Pfarrer schon zu Lebzeiten den Grundstein gelegt.

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Von
  • Doris Bimmer
  • Beate Mangold

Ob Aroma-Schaumbad mit Mandarinenduft oder Körperlotion mit Aloe Vera – den Namen Kneipp findet man heutzutage in jedem Supermarkt und in jeder Drogerie vor allem auf duftendem Zubehör für Dusche und Badewanne. Und daher kennen auch die meisten den Namen des Pfarrers Sebastian Kneipp, der vor 200 Jahren geboren wurde. wohn

Kneipps Name steht für Vereine, Bäder und einen Verlag

Thomas Hilzensauer muss bei dem Gedanken an Duschgels und Badezusätze eher schmunzeln. Er ist Geschäftsführer des Kneipp Bundes und der wird fälschlicherweise oft mit der Kneipp GmbH verwechselt. "Bei uns gibt’s die Produkte nicht zu erwerben, bei uns gibt’s die Gesundheitstipps kostenlos", meint er dazu. Neben dem Kneipp Bund, der in Bad Wörishofen sitzt, und der Kneipp GmbH gibt es noch zahlreiche Vereine, einen Verlag, viele Bäder und den Ärztebund, die alle nach dem Pfarrer benannt sind.

Kneipp Bund vermarktet Lebensweise Kneipps

Thomas Hilzensauer will diese kommerzielle Verwertung durch die Kneipp GmbH aber klar von den Aktivitäten des Kneipp-Bundes trennen, auch wenn der Verband gute Kontakte zu dem Unternehmen in Unterfranken pflegt. Der Verband sieht sich als Vermarkter der Lebensweise Kneipps mit ihren fünf Elementen – Wasser, Bewegung, Ordnung, Ernährung und Heilpflanzen. Transportiert wird diese Lebensweise über die zahlreichen Vereine. "Wir wollen, dass möglichst viele Menschen Kneipp kennenlernen, die Kneippschen Prinzipien kennenlernen und nach Möglichkeit auch anwenden", so Hilzensauer.

Mekka der Kneipp-Bewegung liegt in Bad Wörishofen

Das Mekka der Kneipp-Bewegung ist und bleibt Bad Wörishofen, die einstige Wirkungsstätte von Sebastian Kneipp. Ohne den bekannten Pfarrer wäre der Ort heute noch ein Allgäuer Dorf, meint Kurdirektorin Petra Nocker. Kneipp machte aus einem Klosterdorf einen weltbekannten Kurort, mit allen guten und weniger schönen Nebenwirkungen. So ist das Leben in Bad Wörishofen ein gutes Stück teurer als in der Umgebung. Das Preisniveau ist aber mit anderen Kurorten vergleichbar, so Bürgermeister Stefan Welzel.

Bad Wörishofen – beliebt als Alterswohnsitz, aber teuer

Der Ruhm Kneipps hat aber schon Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Bau-Boom in Bad Wörishofen geführt und das ist bis heute so. Durch seine Attraktivität kämen viele Neubürger nach Bad Wörishofen, um hier ihren Alterswohnsitz zu finden, so Bürgermeister Welzel. Das wüssten auch die Bauträger und bedienten diesen Bedarf. Als Kommune freue man sich natürlich über die Millionen, die so investiert würden. Gleichzeitig wisse er aber auch, dass bezahlbarer Wohnraum in der Stadt Mangelware sei, so Welzel. Momentan gilt deshalb eine Mietpreisbremse.

Kneipp als Wirtschafts- und Kostenfaktor

Der Kneipp-Tourismus ist für Bad Wörishofen und die ganze Umgebung ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Kneipp ist für die Stadt nicht nur Markenzeichen, an seinem Namen hängen auch sehr viele Arbeitsplätze. Inzwischen ist es aber längst nicht mehr das alleinige Standbein von Bad Wörishofen. Denn die Infrastruktur in der Stadt, der Kurpark etc. kosten die Stadt auch viel Geld. Vor ungefähr zehn Jahren hat man sich in Bad Wörishofen deshalb zum Beispiel für ein interkommunales Gewerbegebiet entschieden – um die Kosten, die durch Kneipp entstehen, wieder reinzuholen.

Sebastian Kneipp sorgte schon zu Lebzeiten für Vermarktung

Möglich, dass der Pfarrer Sebastian Kneipp daran schon vor 130 Jahren gedacht hat. Denn 1891 sorgte er dafür, dass der Würzburger Apotheker Leonhard Oberhäuser seine Rezepte in alltagstaugliche Produkte einfließen ließ. Aus dieser Arbeit entstanden die Kneipp Werke, heute die Kneipp GmbH. Denn der Wasserdoktor im Priestergewand war auch ein umtriebiger Unternehmer.

Kneipp-Anwendungen für Jedermann

"Er wollte, dass sein Lebenswerk weitergetragen wird", erklärt Thomas Hilzensauer. Deshalb sorgte er sich etwa um das Wohl von Kindern, gründete Kinderheilstätten und das Kneippianum in Bad Wörishofen. Das Geld für den Erhalt dieser Einrichtungen bekam er durch den Verkauf der Rezept-Lizenzen an die Kneipp-Werke. Die Naturheilverfahren Kneipps gehen weit über Wassertreten hinaus, dazu zählt auch gesunde Ernährung, Bewegung und eine Ordnung im Leben. Doch eines haben seine Therapien gemeinsam: Sie kosten wenig Geld – und viele von ihnen kann man problemlos zuhause anwenden.

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