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Kloster Waldsassen: Archiv wird wiedereröffnet | BR24

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In Waldsassen gibt es jetzt einen neuen Schatz zu heben für Forscher und Geschichtsbegeisterte: Hier wurde nach 15 Jahren das Archiv des Klosters neu sortiert und geordnet. Und ist sogar öffentlich zugängig. Und da gibt es Einiges zu entdecken.

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Kloster Waldsassen: Archiv wird wiedereröffnet

Das Zisterzienserinnen-Kloster Waldsassen hat sein Archiv neu geordnet und wiedereröffnet. Ab sofort steht das alte Archiv für Forscher und historisch interessierte Laien offen. Der Bestand spiegelt auch bayerische und deutsche Geschichte wider.

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Das Wissen der Klöster, das jeweils auch die ganze Region und das Zeitalter beschreibt, ist in den wenigsten Fällen öffentlich zugänglich. Das Kloster Waldsassen (Landkreis Tirschenreuth) hat nun sein Archiv neu geordnet. Forscher und Geschichtsinteressierte dürfen sich dort ab sofort durch die Jahrhunderte lesen und stöbern.

Intensive Archivpflege

Für die meisten Klöster ist es schlichtweg nicht zu schaffen: ein Archiv zu pflegen und lebendig zu halten. Weil das personalintensiv ist – und die Brüder und Schwestern immer weniger werden. Dennoch hat sich die Waldsassener Äbtissin Laetitia Fech an die intensive Arbeit herangewagt. Würde das kostbare Archiv nicht bewahrt, dann wäre das ein unwiderruflicher Schaden, sagte die Äbtissin dem BR. 20 Jahre lang ist das Kloster generalsaniert worden – es gibt keinen Raum, den Zisterzienserin Fech nicht selbst ausgeräumt und dabei alles Historische in einem Raum gesammelt hat.

Archiv ist Spiegel bayerischer und deutscher Geschichte

Das Archiv bewahrt handschriftliche Chroniken der Zisterzienserinnen seit 150 Jahren. Die Einträge berichten nicht nur aus dem Kloster, der Stadt und der Region, sondern auch von den bayerischen und deutschen Entwicklungen in der jeweiligen Zeit. So ist die Äbtissin auf eines der 70 anerkannten Wunder von Lourdes gestoßen, das sich hier in Waldsassen abgespielt hat. Laut Äbtissin Fech gab es einmal eine Klosterschwester, die eine Knochenentzündung hatte. Als aller ärztlicher Rat nicht half, habe die junge Frau zur Mutter Gottes gebetet und sei so geheilt worden, erzählt die Äbtissin.

Spezialist half beim Ordnen

Für das Sortieren und Ordnen der Archivalien hat sich die Äbtissin professionelle Hilfe geholt – Dr. Peter Pfister. Er hat jahrzehntelang das Archiv und die Bibliothek des Erzbistums München-Freising geleitet. Wochenlang hat er sich durch die Waldsassener Bestände gearbeitet, denn das Archiv ist doppelt so groß, wie andere Klosterarchive. Der Experte misst es in 220 laufende Meter. Vor allem die durchgehende Chronik der Schwestern über Zeitgeschichte und Erziehung von jungen Mädchen stechen hervor. Interessant seien vor allem auch die Einträge aus der Nazi-Zeit, sagt Pfister. Es gebe in dem Zusammenhang noch viel zu erforschen, sodass daraus interessante Arbeiten entstehen könnten.

Knapp 2.000 Verzeichnisse helfen beim Suchen

Die Unterlagen liegen in grauen Kartons, knapp 2.000 Verzeichnisse hat der Experte erstellt, um gezielt auf Archivalien zugreifen zu können: Zum Beispiel die sogenannten Rita-Rosen, geweihte Rosenblätter, die am 22. Mai jeweils verteilt worden sind. Ein anderes Beispiel sind Schutzmedaillons aus Wachs.

Mit der Säkularisation 1803 wurde das Klosterarchiv verstaatlicht. Doch was seitdem im Kloster wieder gesammelt worden ist, darauf haben sich bereits die ersten Wissenschaftler gestürzt. Experte Pfister sieht in den Beständen ein großes Potenzial für künftige Forschung.

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Das Zisterzienserinnen-Kloster Waldsassen hat sein Archiv neu geordnet und wiedereröffnet. Ab sofort steht das alte Archiv für Forscher und historisch interessierte Laien offen.