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Kloster Polling: Von der Ruine zur Oldtimer-Werkstatt | BR24

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Bildrechte: HK-Engineering Handels GmbH

Einst kamen Bildungshungrige aus ganz Deutschland ins oberbayerische Kloster Polling, um dort zu studieren. Heute ist es das Ziel von Oldtimer-Fans - aus der ganzen Welt. Hinter den Mauern des früheren Wirtschaftstrakts verbirgt sich Erstaunliches.

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Kloster Polling: Von der Ruine zur Oldtimer-Werkstatt

Einst kamen Bildungshungrige aus ganz Deutschland ins oberbayerische Kloster Polling, um dort zu studieren. Heute ist es das Ziel von Oldtimer-Fans - aus der ganzen Welt. Hinter den Mauern des früheren Wirtschaftstrakts verbirgt sich Erstaunliches.

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Von
  • Annette Kugler

Vor 200 Jahren vielleicht wäre Hans Kleissl an dieser Stelle in einem Stall gestanden, mit Pferden oder Ochsen. Heute steht er gewissermaßen in der Herzkammer seines Betriebs: Vier Experten restaurieren hier alte Motoren - vom Typ Mercedes Benz 300 SL.

Vom Kauf einer Ruine

1978 war Hans Kleissl zum ersten Mal in Polling. Er war auf der Suche nach einem Zuhause für ein paar Dutzend Oldtimer, die der Jura-Absolvent mit Ende zwanzig bereits gesammelt hatte. Da er sich nicht nur für alte Autos, sondern auch für alte Gebäude interessierte, besichtigte er auch den Wirtschaftstrakt des ehemaligen Klosters in Polling (Lkr. Weilheim-Schongau).

"Es war eine Ruine, und so haben die Leute aus dem Ort es auch genannt." Hans Kleissl

Auf dem Dach sei eine dicke Grasnarbe gewesen, erinnert sich der 68-jährige. "Brennnessel und Bäume wuchsen aus den Fenstern und Dächern." Trotzdem kaufte Hans Kleissl das Areal und machte sich an die Arbeit.

Nominiert für Denkmalschutzmedaille

Über vier Jahrzehnte hat Hans Kleissl den früheren Wirtschaftstrakt immer weiter saniert und dabei erhalten, was er nur konnte. Und so ist auf dem Areal eine ganz besondere Ästhetik entstanden: Wie in einer Art Setzkasten stehen die Luxus-Karossen hinter den mittlerweile verglasten Stalltüren, die hochmodernen Werkstätten bleiben verborgen in den historischen Wirtschaftsgebäuden des Klosters. Jetzt ist Hans Kleissl für die bayerische Denkmalschutzmedaille nominiert.

Vom Bildungs- zum Oldtimerzentrum

Im 18. Jahrhundert kam nach Polling, wer sich am deutschen Bildungs- und Wissenschaftsbetrieb beteiligen wollte. 80.000 wertvolle Bücher hatten die Augustiner-Chorherren einst in der Klosterbibliothek gesammelt. Die Säkularisation bedeutete 1803 das erste große Aus, seit 1972 ist das Kloster endgültig verlassen. In den Klosterräumen befindet sich heute ein Hospiz. Und der Wirtschaftstrakt von Hans Kleissl ist die Anlaufstelle für Oldtimer-Fans, wenn es um einen erstklassig sanierten 300 SL Flügeltürer oder Roadster geht. Sie kommen aus der ganzen Welt.

Verborgene Schätze

Doch auf dem Klosterareal haben nicht nur alte Autos überlebt. Hans Kleissl führt zu einem Bereich etwas abseits des Oldtimer-Betriebs – zur alten Mühle. Hier scheint die Zeit im 19. Jahrhundert stehen geblieben zu sein. Die gesamte Mühlenmaschinerie steht noch im Original da, mit Mahlstöcken und Förderbändern bis unters Dach. Und im ersten Stock hängen die Mehlsäcke noch so in ihren Halterungen als wären sie vor hundert Jahren einfach eines Tages nicht mehr abgeholt worden. Auch die alte Ziegelei hat Hans Kleissl gekauft und erhalten. Dort betreibt er eine Wirtschaft, mit Zugang zu dem riesigen alten Brennofen.

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Klöster im Wandel: Ein Oldtimer im ehemaligen Wirtschaftstrakt von Kloster Polling.

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Im Innenhof des ehemaligen Wirtschaftstrakt von Kloster Polling.

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Der ehemalige Wirtschaftstrakt von Kloster Polling aus der Luft.

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Die alte Stall-Auffahrt im Innenhof.

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