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Klinikum Nürnberg muss erstmals Intensivpatienten verlegen | BR24

© BR/Vera Held

Die Kliniken in Nürnberg haben am Wochenende Intensivpatienten verlegen müssen. Grund: Sie hatten nicht mehr genug Intensivkapazitäten.

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Klinikum Nürnberg muss erstmals Intensivpatienten verlegen

Nürnberg ist weiter Corona-Hotspot, die Kliniken sind voll. Erstmals musste das Klinikum Nürnberg Intensivpatienten an anderen Kliniken abgeben. Die Zusammenarbeit in Nordbayern hat sich bewährt.

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Von
  • Sophia Ruhstorfer

Professor Joachim Ficker ist Lungenspezialist am Nürnberger Nordklinikum. Die Intensivstationen dort sind belegt, dementsprechend sind der Chefarzt und seine Kolleginnen und Kollegen einer extremen Belastung ausgesetzt, machen in diesen Wochen viele Überstunden, erzählt Ficker. Er ist kurz angebunden, für Interviews hat er eigentlich keine Zeit. Zu viele Patienten warten auf ihn. Und dann sind da noch die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in dieser Jahreszeit erkranken. Das hat am Wochenende zu einer angespannten Lage geführt: Das Klinikum musste andere Kliniken um Hilfe bitten und Patienten verlegen. Im Klinikum Landsberg am Lech war es heute soweit.

Klinikum Nürnberg musste sich mit Verlegung von Patienten Luft verschaffen

Die Intensivstationen am Nürnberger Klinikum waren auch schon zuvor mit vielen Covid-19-Patienten belegt. Die Intensivbetten wurden immer knapper. Aber am vergangenen Wochenende spitzte sich die Situation dann noch einmal zu. Zu viele Patienten, zu wenig Personal. In solchen Fällen nehmen zuerst die Pandemiebeauftragte der Kliniken in der Metropolregion Nürnberg Kontakt miteinander auf. Sie tauschen sich über freie Intensivbetten aus und helfen sich bei der Versorgung von Patienten. Gibt es im gesamten Nürnberger Großraum keine freien Kapazitäten, können sich die Kliniken an eine Koordinationsstelle des Bezirks Mittelfranken wenden. Dort werden alle Kapazitäten in ganz Bayern gelistet und mögliche Verlegungen von Intensivpatienten in andere Bezirke vermittelt. Durch diesen Tausch von Intensivpatienten konnte man sich am Nürnberger Nordklinikum wieder etwas Freiraum verschaffen und die Situation entspannen.

Auch Nicht-Corona-Patienten können verlegt werden

Dabei geht es nicht nur um Patienten mit einer Covid-19-Erkrankung, sagt Chefarzt Joachim Ficker. Auch Menschen, die mit einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall auf der Intensivstation liegen, können in andere Kliniken verlegt werden.

"Das passiert immer dann, wenn wir absolut an unsere Grenzen kommen. Dann schauen wir im Team, wer ist ein Patient, der verlegbar ist, den ich verlegen kann, ohne ihn zu gefährden. Dann suche ich ein Krankenhaus, bei dem ich mir sicher bin, da kann er sehr gut ohne jeden Kompromiss versorgt werden. Dann spreche ich mit dem Patienten und den Angehörigen und dann verlegen wir, wenn es eben nicht anders geht." Professor Joachim Ficker, Chefarzt Pneumologie am Klinikum Nürnberg

Kliniken in ganz Franken, Oberpfalz und Oberbayern halfen

In Mittelfranken betreut der ärztliche Bezirksbeauftragte Albert Schiele den Austausch von Intensivpatienten. Am Telefon und in Video-Schalten mit seinen Kollegen muss er prüfen, wo es Engpässe gibt und vermittelnd zur Seite stehen. Durch den Austausch könne man Covid-Patienten und andere sicher versorgen, so Schiele. Genaue Zahlen darf er nicht nennen. Nur so viel, dass am vergangenen Wochenende einige Patienten im Großraum Nürnberg umverlegt wurden und, dass Nachbar-Regierungsbezirke wie Oberfranken, Unterfranken, die Oberpfalz und Oberbayern sehr gut geholfen haben.

"Wir sind definitiv nicht in einer entspannten Situation, nein. Aber wir haben uns durch die Abverlegung erstmal Luft verschafft hier im Großraum, dass wir die Versorgung der Patienten mit Sicherheit gewährleisten können. Aber es weiß keiner, wie es sich die nächsten Tage weiterentwickeln wird." Albert Schiele, Ärztlicher Leiter Rettungsdienstbezirk Mittelfranken

Eine Entspannung der Lage ist im Moment nicht in Sicht, denn die Zahlen in Mittelfranken steigen nach wie vor. Seit gestern haben die Behörden 647 neue Corona-Infizierte gemeldet, 13 Menschen starben. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt in Mittelfranken heute bei 231,02 und damit weiterhin deutlich über dem bayerischen Durchschnitt. Den höchsten Wert hat weiterhin Nürnberg mit 344,73. Am Klinikum Nürnberg rechnen sie deshalb damit, dass die Intensivstationen weiter ausgebucht sind.

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