Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Klinikum Mainkofen: Wie werden Pfleger auf Gewalt vorbereitet? | BR24

Audio nicht mehr verfügbar

Dieses Audio konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR/Sarah Beham

Wie werden Pfleger auf Gewalt vorbereitet?

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Klinikum Mainkofen: Wie werden Pfleger auf Gewalt vorbereitet?

Nicht nur Polizisten und Feuerwehrleute, auch Krankenhauspersonal wird immer wieder attackiert. Zuletzt zeigte das auch die Geiselnahme im Bezirksklinikum Mainkofen. Doch wie werden Pfleger auf solche Gewaltsituationen vorbereitet?

Per Mail sharen
Teilen

Immer wieder wird von Angriffen auf Notärzte, Polizisten oder Feuerwehrleute berichtet. Die Gewalt hört aber nicht auf, nachdem Patienten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Das zeigt das jüngste Beispiel der Geiselnahme von Mainkofen vor nicht einmal eineinhalb Wochen. Der Patient hat auch Pfleger mit Messern bedroht.

Wenn Pflegerinnen und Pfleger Opfer werden

Hans-Peter Hartl, stellvertretender Pflegedirektor am Bezirksklinikum Mainkofen, erinnert sich noch genau an einen Übergriff vor über 20 Jahren. Damals hatte er als Pfleger im Bezirksklinikum Mainkofen mit einem gewalttätigen Patienten zu tun:

"Als ich auf der Station gearbeitet habe, wurde ich von einem Patienten, der Boxer war, bewusstlos geschlagen. Der hat mir aus heiterem Himmel beim Erstkontakt einen Faustschlag gegeben. Als mir der Vorfall passiert ist, gab es im Bezirksklinikum Mainkofen noch kein professionelles Deeskalationsmanagement." - Hans-Peter Hartl, stellvertretender Pflegedirektor am Bezirksklinikum Mainkofen

Inzwischen hat sich viel geändert: Seit dem Jahr 2004 wird in Mainkofen Deeskalation geschult. Hartl ist es wichtig, dass Pfleger auf gewaltsame und aggressive Übergriffe professionell vorbereitet werden. Gerade weil die Zahl der Übergriffe auf Pfleger in Mainkofen von Jahr zu Jahr zunimmt: 2015 waren es 540, 2017 schon 750. Für 2018 rechnet Hartl mit 800 Übergriffen. Differenziert erfasst wird: treten, schlagen, spucken und massiv bedrohen.

Deeskalationstraining am Klinikum Mainkofen

Wie die Mitarbeiter im Bezirksklinikum Mainkofen mit aggressiven Patienten umgehen können, lernen sie von Pflegedienstleiter Josef Bauer. Er arbeitet auch als Deeskalationstrainer und rät, es zunächst mit gutem Zureden zu versuchen:

"Speziell die verbale Deeskalation wird geschult anhand von Rollenspielen oder Situationstrainings - wir nehmen aktuelle Situationen aus der Praxis." - Josef Bauer, Pflegedienstleiter und Deeskalationstrainer am Klinikum Mainkofen
© BR/Sarah Beham

Deeskalationstrainer Josef Bauer (l.) und der stellvertretende Pflegedirektor Hans-Peter Hartl

Wenn Menschen hoch emotional reagieren, nehmen sie die Welt um sich herum manchmal nicht mehr wahr. Dann müssen Pfleger an die Patienten herankommen, sagt Bauer. Sie müssen sich Gehör verschaffen – und zwar mit sogenannten Signalreizen. Wenn jemand auf eine Pflegerin oder einen Pfleger zugeht, müsse ein optischer und akustischer Reiz gesetzt werden: Laut "Stop" sagen oder auf den Tisch schlagen. So soll laut Bauer signalisiert werden, dass dieses Verhalten distanzüberschreitend sei und man sich so nicht wohl fühle.

Schulungen zweimal jährlich

Deeskalationsschulungen gibt es für die Pfleger in Mainkofen zwei Mal jährlich, jeweils fünf Tage lang – für die Schüler werden zwei Blockkurse angeboten. Dabei werden auch Abwehr- und Fluchttechniken gelernt. Der stellvertretende Pflegedirektor Hans-Peter Hartl des Bezirksklinikums Mainkofen fordert, dass auch Pfleger gesetzlich stärker geschützt werden, so wie bereits Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte. Wer einen Polizisten angreift, muss bis zu fünf Jahren Haft rechnen. Bei Pflegekräften gilt das bisher nicht.

"Rettungskräfte und Sanitäter sind gesetzlich jetzt speziell geschützt worden, das betrifft aber nicht die Krankenpflegekräfte. Aber für die ist es genau so wichtig. Die Gewalt hört nicht an den Türen der Krankenhäuser auf." - Hans-Peter Hartl, stellvertretender Pflegedirektor am Bezirksklinikum Mainkofen
Sendung

Mittags in Niederbayern und Oberpfalz

Autor
  • Sarah Beham
Schlagwörter