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Die Entscheidung über die Zukunft Kliniken im Naturpark Altmühltal steht noch aus. Es zeichnet sich aber eine Richtung ab.

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    Kliniken in Oberbayern stellen sich für die Zukunft auf

    Kleine Kliniken im ländlichen Raum sind oft nicht wirtschaftlich. Dazu kommt erschwerend der Fachkräftemangel. Eichstätt, Pfaffenhofen und Neuburg-Schrobenhausen strukturieren deshalb ihre Krankenhäuser um.

    Von
    Katrin NöbauerKatrin Nöbauer
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    Neben der aktuellen Corona-Lage kämpfen viele oberbayerische Kliniken mit strukturellen Problemen. Die Pandemie habe wie ein Brandbeschleuniger gewirkt, meint beispielsweise der Vorstand der Kliniken im Altmühltal.

    Auch das Ziel der Kliniken in Eichstätt, Pfaffenhofen und im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist es, die Versorgungssicherheit der Menschen in ihren Regionen zu gewährleisten und sich bestmöglich für die Zukunft aufzustellen.

    Altmühltal: Ein Standort muss schließen

    Wie genau es mit den Kliniken im Altmühltal weitergeht, entscheidet der Landkreis Eichstätt als Träger erst nächstes Frühjahr. Am vergangenen Montag hat der Kliniken-Vorstand Marco Fürsich in der Kreistagssitzung aber bereits zwei mögliche Lösungen präsentiert, die eines gemeinsam haben: Nur einer der beiden Akutstandorte in Eichstätt oder Kösching bleibt erhalten.

    In der ersten Lösung würde die Akutversorgung in Kösching bleiben, während der Klinikstandort Eichstätt zu einem Gesundheitszentrum umfunktioniert werden würde. In der zweiten Lösung wäre die Akutversorgung in Eichstätt und in Kösching würde eine Fachklinik entstehen.

    Bei beiden Lösungsvorschlägen hätten mindestens 20.000 Menschen im Notfall längere Wege. Trotzdem sei eine Veränderung zwingend notwendig, meint der Kliniken-Vorstand.

    Fachkräftemangel, mehr ambulante Behandlungen

    Kliniken-Vorstand Fürsich nennt drei Gründe, warum auf Dauer nicht mehr beide Akutstandorte betrieben werden können: Zum einen den Fachkräftemangel, da schon jetzt Pflegekräfte, medizinisch-technische Assistenten und Ärzte fehlen würden.

    Zum anderen die Entwicklung hin zur Ambulantisierung und Spezialisierung von Kliniken. Patientinnen und Patienten, die jetzt noch stationär behandelt werden müssten, könnten in Zukunft vermehrt auch ambulant behandelt werden.

    Als dritten Grund nennt er die Strukturvorgaben des gemeinsamen Bundesausschuss G-BA, die Krankenhäuser erfüllen müssen. Der Landkreis Eichstätt wird im kommenden Jahr entscheiden, ob eine der beiden Lösungen umgesetzt wird.

    Zukunftskonzept im Landkreis Pfaffenhofen

    Der Landkreis Pfaffenhofen hat vor kurzem entschieden, dass beide Standorte der Ilmtalkliniken in Pfaffenhofen und Mainburg erhalten bleiben sollen. Ihre Profile sollen aber geschärft werden, um sie "fit für die Zukunft" zu machen. Dafür gibt es ein Zukunftskonzept, das nun auch der Aufsichtsrat der Ilmtalkliniken bewilligt hat.

    Dieses sieht unter anderem vor, dass das Herzkatheterlabor mittelfristig von Mainburg nach Pfaffenhofen verlegt werden soll. Dagegen protestierten am Montag parallel zur Aufsichtsratssitzung einige Mainburgerinnen und Mainburger vor dem Schwesternwohnheim in Pfaffenhofen.

    Angst um Ilmtalklinik-Standort Mainburg

    Auf den Schildern der Demonstrierenden stand: "Das Mainburger Krankenhaus darf nicht sterben." Mit dabei war auch der Mainburger SPD-Ortsvorstand Hans Niedermeier. Er habe den Eindruck, dass das Krankenhaus am ausgestreckten Arm verdursten solle. Zuerst sei die Küche nach Pfaffenhofen verlegt worden, dann die Geburtsabteilung und nun noch das Herzkatheterlabor.

    Seine größte Befürchtung: Wenn die Notfallversorgungsstufe 1 wegfalle, könnten Rettungssanitäter die Klinik in Mainburg nicht mehr anfahren und Notfallpatienten hätten sehr lange Wege vor sich. Der Geschäftsführer der Ilmtalkliniken, Peter Lenz, meint, diese Befürchtungen könne man der Bevölkerung nehmen: "Für den Erhalt der Notfallversorgungsstufe 1 am Krankenhaus Mainburg ist die Vorhaltung eines Herzkathetherlabors nicht erforderlich."

    Neuburg-Schrobenhausen: Neuer Klinik-Träger gesucht

    Anders sieht die Situation der Klinik in Neuburg an der Donau aus: Die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. (KJF) hat kürzlich angekündigt, dass sie die Trägerschaft der Klinik Sankt Elisabeth in Neuburg aufgeben wird. Der Landkreis Neuburg-Schrobenhausen überlegt nun, die Trägerschaft selbst zu übernehmen.

    Landrat Peter von der Grün bezeichnete eine mögliche Übernahme der Klinik in Neuburg als wichtigen Baustein, um den Landkreis als Gesundheitsstandort zu stärken. Ein Sonderkreistag befasste sich am Dienstag mit dem Thema. Es müssten allerdings noch eine Dinge geprüft werden, bevor ein Angebot erstellt werden kann, heißt es von Seiten des Landratsamts.

    Schrobenhausen erwägt Übernahme der Neuburger Klinik

    Das Kreiskrankenhaus in Schrobenhausen gehört dem Landkreis bereits. Harald Reisner, der Bürgermeister der Stadt Schrobenhausen, steht einer Übernahme der Neuburger Klinik durch den Landkreis grundsätzlich positiv gegenüber. Er sieht aber auch eine enorme finanzielle Belastung auf den Landkreis zukommen: "Schrobenhausen ist hochdefizitär aktuell mit fünf Millionen Euro. Soweit man aus Neuburg hört, liegen die Zahlen dort auch im zweistelligen Millionenbereich."

    Zusätzlich gebe es in beiden Krankenhäusern Investitionsstaus. Es sei die Frage, ob man sich das auf Dauer leisten könne. "Wenn man das Krankenhaus übernimmt, muss es ein wirklich gutes Konzept geben, damit man zu einer guten Lösung für den gesamten Landkreis kommt", so der Bürgermeister. Die Entscheidung über die Nachfolge trifft letztendlich die KJF.

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