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Kliniken in Bayern dürfen Corona-Reserve weiter reduzieren | BR24

© BR/Roland Zimmermann

Die Corona-Infektionszahlen gehen immer weiter zurück. Deshalb müssen die Krankenhäuser nicht mehr die Hälfte der Betten für mögliche Covid-19-Patienten freihalten und können schrittweise zurück zum Normalbetrieb.

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Kliniken in Bayern dürfen Corona-Reserve weiter reduzieren

Zeitweise blieb die Hälfte der Intensivbetten für Corona-Patienten frei. Doch immer mehr Kliniken in Bayern kehren zurück zum Normalbetrieb – allerdings mit Einschränkungen. Nürnberger Mediziner fordern weitere Lockerungen. Die Politik reagiert.

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Aufgeschobene Operationen werden nachgeholt, unterbrochene Behandlungen wiederaufgenommen – im Klinikum Nürnberg läuft der Betrieb nach der ersten Corona-Welle wieder an. Fast acht Wochen lang war das mit 2200 Betten größte kommunale Krankenhaus in Deutschland im Ausnahmezustand. Seit Mitte März hatte das Klinikum auf Anweisung des Bundesgesundheitsministeriums 50 Prozent der Betten für Covid-19-Patienten reserviert. Dazu mussten auch Stationen umgebaut und Kapazitäten aufgestockt werden. Das Klinikum wollte vorbereitet sein.

Leerstehende Betten bringt Ärzte in Gewissenskonflikte

Doch der große Ansturm der Kranken ist ausgeblieben. Weil auch alle medizinisch nicht dringend erforderlichen Behandlungen gestoppt werden mussten, stand in Nürnberg über Wochen fast die Hälfte der Betten leer, klagt die Klinikleitung. Auch die 30 Prozent Kapazitätsreserve für Covid-19-Patienten hält der Vorstandsvorsitzende Achim Jockwig für zu hoch. Leerstehende Betten und abgesagte OPs – diese Situation habe die Ärzte in ethische Konflikte gebracht.

"Es ist mit dem hippokratischen Eid fast nicht vereinbar, dass wir einerseits Betten leerstehen lassen sollen, aber auf der anderen Seite dringlich zu behandelnde Patienten nicht behandeln, das geht eigentlich nicht." Achim Jockwig, Vorstandsvorsitzender Klinikum Nürnberg

Gesundheitsministerin Huml: Kliniken dürfen Reserve auf 15 Prozent senken

Die Kritik ist in der Politik angekommen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) hat den Kliniken weitere Lockerungen zugesagt. Auf Antrag bei den jeweiligen Bezirksregierungen dürfen sie die Reserve ab sofort auch auf 15 Prozent runterfahren, sagte die Ministerin bei einem Termin am Mittwoch (20.05.20) in Erlangen. Bis jetzt musste das Klinikum Nürnberg von 156 Intensivbetten 47 freihalten. Mit der neuen Allgemeinverfügung der Bayerischen Staatsregierung halbiert sich diese Zahl.

Klinikum Nürnberg kann Kapazität bei neuer Corona-Welle schnell aufstocken

In Nürnberg entspannt sich die Corona-Lage immer mehr. Aktuell werden sechs Covid-19-Patienten in Nürnberger Krankenhäusern intensiv beatmet, 28 auf Normalstationen behandelt. Die Mediziner verfolgen sehr genau, ob die Infektionsrate steigt oder fällt. Im Falle einer neuen Welle könne das Klinikum seine Reserve schnell wieder aufstocken, so Klinikleiter Jockwig. "Wir sind schnell hochgefahren für Covid-Patienten." Dem Klinikum ist es wichtig, sich jetzt gut um seine anderen Patienten zu kümmern. Deren Gesundheitszustand, so fürchten die Ärzte, könnte sich in vielen Fällen während des Corona-Lockdowns verschlechtert haben.

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