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Kliniken im Bayerischen Wald - sind sie noch zu retten? | BR24

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Auslastung, Überbelegung und Spezialisierung - dennoch kämpfen vor allem kleine Kliniken mit ihren Finanzen oder stehen vor dem Aus. Die Arberlandkliniken im Bayerischen Wald machen zwar auch Defizite - aber sie wissen damit umzugehen.

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Kliniken im Bayerischen Wald - sind sie noch zu retten?

Auslastung, Überbelegung und Spezialisierung - dennoch kämpfen vor allem kleine Kliniken mit ihren Finanzen oder stehen vor dem Aus. Die Arberlandkliniken im Bayerischen Wald machen zwar auch Defizite - aber sie wissen damit umzugehen.

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In vielen Teilen Bayerns machen sich Bürger Sorgen um die Zukunft der Krankenhausversorgung. Denn die Kurve in der bayerischen Krankenhausstatistik zeigt nach unten: Zur Jahrtausendwende gab es 406 Kliniken im Freistaat - im Jahr 2017 waren es noch 354.

Problem für kleine Krankenhäuser: Geld erwirtschaften

Von einem "Krankenhaussterben" zu sprechen, sei aber nicht gerechtfertigt, heißt es aus dem bayerischen Gesundheitsministerium. Doch auch das Gesundheitsministerium räumt ein: Vor allem kleinere Krankenhäuser haben Probleme, genug Geld zu erwirtschaften.

Arberlandkliniken im Bayerischen Wald: 280.000 Euro Defizit

So auch die Arberlandkliniken in Zwiesel und Viechtach im Bayerischen Wald. Wie aus der Jahresstatistik aus dem vergangenen Jahr hervorgeht, weisen die Kliniken einen Fehlbetrag von rund 280.000 Euro auf.

Die Defizite bringt das Alltagsgeschäft, zum Beispiel der betagte Patient, der mit schwerer Grippe länger bleibt als es über die sogenannte Fallpauschale von der Krankenkasse bezahlt wird. Diese Pauschale bedeutet: Es gibt pro Krankheit nur einen Fixbetrag, egal wie lang der Patient hier liegt:

"Das bedeutet: Die Kosten zum Beispiel für Kopfverletzungen, die wir sehr häufig haben, das sind am Standort Zwiesel ungefähr 130, die wir hier abrechnen pro Jahr. Und da zahlst du drauf." Vorstand Arberlandkliniken, Christian Schmitz

Landrätin: Kunststück, kein Minus mit Landkrankenhäusern machen

Dazu kommt: steigen bei Operationen von einem Jahr zum anderen die Fallzahlen, gibt es finanzielle Abzüge. Es wird zum Kunststück, mit Landkrankenhäusern kein Minus zu machen, selbst wenn sie noch so voll sind, schimpft die Regener Landrätin Rita Röhrl:

"Weil die Politik bei den Entscheidungsträgern auch mit Menschen besetzt wird, denen die langjährige Erfahrung fehlt, die draußen benötigt wird. Weil man nur noch vom Planungstisch ausgeht." Regener Landrätin Rita Röhrl

Große Krankenhäuser sind belegt

Über Studien, dass es zu viele Krankenhäuser gibt, kann Röhrl nur den Kopf schütteln. Der Landkreis Regen hat vier Krankenhaus-Betten pro 1.000 Einwohner, sechs pro 1.000 sind der Schnitt in Deutschland. Die Arberlandkliniken sind also kein Luxus, im Gegenteil:

"Wir stehen vor der Herausforderung, dass jetzt erst allmähliche diese geburtenstarken Jahrgänge älter werden, mehr medizinische Versorgung brauchen - und die können wir vor Ort in der Grundversorgung auf jeden Fall sicherstellen. Die großen Häuser sind doch dazu überhaupt nicht mehr in der Lage - denn genau diese Krankenhäuser sind ja voll." Regener Landrätin Rita Röhrl

Künstliche Knie und Gefäßoperationen gleichen Defizit aus

Die Arberlandkliniken sind zu 80 Prozent ausgelastet, im Winter oft überbelegt. Jeweils 157 Betten gibt es in Viechtach und in Zwiesel. Für künstliche Knie, Hüften oder Wirbelsäulen- und Gefäßoperationen kommen manche Patienten sogar von fern angereist, weil die Bayerwald-Ärzte dafür einen guten Ruf haben. Durch diese Operationen können sich auch die Finanzen entspannen:

"Wir bieten alles an, was ein normales Haus in einem Landkreis auch anbieten muss an innerer Medizin, Unfallchirurgie, Notfallversorgung. Aber auch Leistungen, die in einem Haus unserer Größenordnung nicht angedacht sind - mit denen wir aber dann die Defizite aus den anderen Bereichen abdecken können." Vorstand Arberlandkliniken, Christian Schmitz

Glücklicherweise schafft der Landkreis Regen für seine beiden Arberlandkliniken meist noch die schwarze Null und macht keine Millionendefizite wie manch andere Regionen - jedenfalls momentan noch.