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Klinik Bogen: Covid-19-Zentrum - und jetzt? | BR24

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Viele Kliniken wurden während der Hochzeit der Corona-Pandemie zu Covid-19-Zentren. So zum Beispiel die Klinik in Bogen. Knapp vier Monate lang wurden hier ausschließlich Corona-Patienten aufgenommen - finanziell ein Problem.

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Klinik Bogen: Covid-19-Zentrum - und jetzt?

Während der Corona-Pandemie wurden viele Kliniken zu Covid-19-Zentren umfunktioniert, so auch die Klinik im niederbayerischen Bogen. Die Bilanz fällt ernüchternd aus: stark belastete Mitarbeiter und finanzielle Verluste.

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Die Klinik Bogen (Lkr. Straubing-Bogen) war ein Covid-19-Zentrum und hat als kleines Dorfklinikum einiges erlebt. Zum einen bestärkte diese Zeit die Wichtigkeit der ländlichen Standorte. Zum anderen gibt es nun ein großes finanzielles Defizit und andere schwerwiegende Nachwirkungen.

Hohe Arbeitsbelastung - kranke Mitarbeiter

Die Klinik Bogen im April 2020: Keine Besucher, keine Notfallpatienten, keine Operationen. Dafür Isolierstationen mit Corona-Patienten, Hygiene-Schulungen und vermummte Pfleger als einzige Bezugspersonen.

Die Klinik Bogen heute: Es werden wieder Operationen durchgeführt, Notfallpatienten wieder aufgenommen. Für Robert Betz, Vorstand der Kreisklinik Bogen-Mallersdorf, ist das aber noch nicht der normale Alltag auf den Stationen: "Vom Grundsatz her wäre es der Normalbetrieb, wobei man schon feststellen muss, dass wir nachwirkend noch Erkrankungen beim Personal haben. Nicht, weil sie sich mit Corona infiziert haben, sondern weil sie sehr hohe Belastungen in dieser Phase gehabt haben, sodass wir personell noch gar nicht in der Lage sind, auf Volllast zu fahren", sagt Robert Betz, Vorstand der Kreisklinik Bogen-Mallersdorf.

Klinik-Defizit: über eine Million Euro

Insgesamt wurden in der Bogener Klinik 300 Corona-Patienten behandelt, als sie Covid-19-Zentrum war. Jeder Angestellte musste mit anpacken, weg vom eigentlichen Job hin zur Pflege. Die Mitarbeiter sprechen von psychischer und physischer Belastung. Keiner möchte nochmal ein Covid-19-Zentrum werden. Auch aus finanzieller Sicht.

Die Klinik Bogen kritisiert, dass sie mit der Umwidmung in ein Covid-19-Zentrum innerhalb von drei Monaten ein Defizit von über eine Million Euro gemacht hat. Der Grund: Die Betreuung von Corona-Patienten mit Intensivbetten ist finanziell nicht rentabel im Vergleich zu Notfallpatienten mit Operationen. Das bedeutet jetzt ein Minus für die Klinik. Dabei habe Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) versprochen, dass kein Krankenhaus dadurch ins Defizit komme.

Klinikvorstand: "Die meisten Patienten behandelt und jetzt abgestraft"

Robert Betz, der Vorstand der Kreisklinik Bogen-Mallersdorf ist sauer: "Ich finde das ganz ehrlich eine Sauerei, wir haben einen erheblichen Beitrag geleistet. Wir haben hier in der Region mit Abstand die meisten Patienten behandelt. Wir haben die Hauptlast getragen und sollen dafür jetzt auch noch abgestraft werden."

Dennoch: Gerade die vergangenen Monate haben gezeigt, wie wichtig die ländliche Klinik für die Region ist. Bei einer zweiten Welle wünscht man sich hier aber eine andere Lösung, als die Umwidmung zum Covid-19-Zentrum.

Auch andere Kliniken im Minus

Auch andere Kliniken wurden während der Corona-Pandemie dazu verpflichtet, Betten für Covid-19-Patienten frei zu halten, die meisten blieben aber leer - dafür gab es pro Tag 560 Euro. Krankenhäuser wie die Arberlandkliniken im Landkreis Regen, die zum Beispiel mit Kniechirurgie viel mehr Geld verdienen und in den letzten Jahren immer im Plus waren, werden heuer ein Defizit einfahren. Das Bundesgesundheitsministerium hat sich auf BR-Anfrage zu den Vorwürfen noch nicht geäußert.

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Während der Corona-Pandemie sind viele Kliniken zu Covid-19-Zentren umfunktioniert. Nun kritisieren die Betreiber der Krankenhäuser, dass sie auf finanziellen Verlusten sitzen bleiben. So auch die Klinik in Bogen.

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