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Klimawandel: Tofu jetzt auch aus Bayern | BR24

© pa/dpa/Nicolas Armer

Klimawandel: Tofu gibt es jetzt auch aus Bayern

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    Klimawandel: Tofu jetzt auch aus Bayern

    Ein Ehepaar aus Oberbayern produziert aus selbst angebauten Sojabohnen Bio-Tofu. Die Nachfrage nach dem von den Landwirten regional erzeugten, eiweißreichen Fleischersatz ist groß. Möglich geworden ist das Projekt auch durch den Klimawandel.

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    Von
    • Ingrid Wolf

    Soja bauen Christine und Hugo Angermaier aus Operding im Landkreis Erding schon länger an. Früher haben sie die Bohnen an ihre Schweine verfüttert. Doch seit das Landwirtsehepaar vor fünf Jahren auf Ökolandbau umgestellt hat, leben keine Tiere mehr im Stall. Dort stehen jetzt die Maschinen für die Tofu-Produktion.

    Sojamilch darf im Verkauf nur Sojadrink heißen

    An zwei Tagen in der Woche verarbeitet Christine Angermaier ihre Sojabohnen. Aus zwei Zentnern gewinnt sie rund 1.000 Liter Soja-Milch und 100 Kilogramm Tofu. Die Bohnen werden dafür über Nacht eingeweicht und dann zusammen mit Wasser durch eine Mühle gedreht. Ein Teil der Flüssigkeit kann gleich abgefüllt werden – als Soja-Milch. Der Rest wird ähnlich weiterverarbeitet, wie bei der Käseproduktion.

    Zur Flüssigkeit kommt Bittersalz dazu, damit sie stockt und gerinnt. Die entstandenen weißen Tofu-Flocken müssen dann nur noch abgesiebt und in Pressformen gefüllt werden. Egal, ob natur oder gewürzt - nach einer Stunde ist der Tofu fest. Die bei der Produktion anfallende Sojamilch darf übrigens nicht unter diesem Namen vermarktet werden: Weil "Milch" ein geschützter Begriff ist, muss es Sojadrink heißen.

    Bio-Tofu aus der Region ist gefragt

    Familie Angermaier vermarktet ihre Sojaprodukte selbst. Um den Tofu haltbar zu machen, wird er eingeschweißt. Für Unverpacktläden gibt es ihn aber auch - in Lake eingelegt - in Weckgläsern. Die handwerklich hergestellte Bioware aus Bayern kostet mehr als Standardware im Supermarkt. 200 Gramm gibt es für 3,49 Euro, Räuchertofu kostet 4,99 Euro.

    Tofu hat von Natur aus wenig Eigengeschmack und ist fast geruchlos. Weil er reich an Proteinen ist, wird er vor allem in der vegetarischen und veganen Küche häufig als Fleisch- oder Fischersatz benutzt. Aufgrund seines neutralen Eigengeschmacks eignet sich Tofu gut als Träger von verschiedenen Gewürzen und Geschmacksrichtungen.

    Die Maschinen für die Produktion sind Eigenbau

    Die Entscheidung für die Tofu-Produktion war für Christine und Hugo Angermaier ein Risiko. Sie betraten damit völliges Neuland. Welche Soja-Sorte ist geeignet, wie müssen die goldgelben Bohnen geerntet, getrocknet und gelagert werden? Fragen über Fragen. Und auch die Maschinen zur eigentlichen Tofu-Herstellung musste das Ehepaar mit der Hilfe eines befreundeten Metallbauers erst selbst entwickeln.

    Bereut haben die Angermaiers ihre Entscheidung bis jetzt nicht. Das Geschäft läuft gut. Mittlerweile gibt es schon Anfragen bis aus Baden-Württemberg.

    Der Klimawandel fördert den Sojaanbau in Bayern

    Und die beiden Landwirte liegen im Trend – zumindest mit dem Sojaanbau. In Deutschland nimmt der Anbau der ursprünglich aus dem ostasiatischen Raum stammenden Bohnen beständig zu. 2019 wuchs in Deutschland auf knapp 30.000 Hektar Ackerfläche Soja. 21 Prozent mehr als im Vorjahr.

    Trotzdem können damit nur zwei Prozent des deutschen Sojabedarfs – vor allem für die Tierfütterung - gedeckt werden. Die große Masse an Soja wird aus Übersee importiert. Die Pflanzen sind dort meist gentechnisch so verändert, dass sie gegen den Unkrautvernichter Glyphosat resistent sind. Unter anderem deshalb regt sich bei vielen Landwirten Widerstand gegen die Sojaimporte.

    Da trifft es sich gut, dass der Klimawandel ausnahmsweise einmal eine gute Seite hat. Weil auch in Bayern die Temperaturen steigen, findet die wärmeliebende Sojapflanze immer bessere Wachstumsbedingungen vor. Außerdem hat sich auch bei der Pflanzenzüchtung einiges getan. Es gibt inzwischen neue Sorten, die besser an die klimatischen Verhältnisse in Mitteleuropa angepasst sind.

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