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Erfinderinnen und Erfinder aus Bayern wollen das Klima retten: mit Algen, Drachenenergie und Recyclingbeton. Die Hürden sind hoch.

Bildrechte: Algentechnikum / Beworm / Kitekraft
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Bayerische Erfindungen für mehr Klimaschutz

Was geschehen muss, um die Folgen des Klimawandels abzumildern, darum geht es im neuen Bericht des Weltklimarats. Auch Erfinderinnen und Erfinder aus Bayern wollen das Klima retten: mit Algen, Drachenenergie und Recyclingbeton. Die Hürden sind hoch.

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Caroline von EichhornCaroline von EichhornBR24  RedaktionBR24 Redaktion
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Die Folgen des menschengemachten Klimawandels für Mensch und Natur sind drastisch. Der Weltklimarat (IPCC) in Genf will am Mittag seinen neuen Bericht vorstellen – und was getan werden muss, um die Gefahr so weit wie noch möglich abzuwenden. Auch Forschende aus Bayern machen sich Gedanken, was dem Klima helfen würde.

Algen als vielseitiger Klimaretter

Algen gelten als der Klimaretter schlechthin: Sie reinigen Meere, sind Superfood und grüner Kraftstoff. Aber vor allem haben sie eine wichtige Fähigkeit: Sie wachsen schnell und können viel mehr CO2 binden als Landpflanzen. Im Algentechnikum in Ottobrunn erforscht ein Team um Professor Thomas Brück seit 2015 Möglichkeiten, wie man die Algen nutzen kann: Etwa, um Flugzeuge zu betreiben, Algen-Carbon herzustellen und ein neuartiges klimafreundliches "Hefeöl" zu gewinnen. Das Problem: Momentan ist unklar, ob und wie das Algentechnikum weiter finanziert wird.

Mit Drachen Windenergie erzeugen

Es könnte Söders Traum-Technologie werden: Windenergie ohne auffällige Masten. Das Münchner Startup "Kitekraft" entwickelt und baut fliegende Windkraftanlagen. Sie sollen zehnmal so effizient sein als klassische Windkraftanlagen. Wie funktioniert es? Eine Multikopter-Drohne mit Flügel (genannt Kite oder Drache) fliegt eine Achter-Bewegung. Dabei funktionieren die Propeller als Windturbinen und der generierte Strom wird über elektrische Leiter in der Leine zum Boden geleitet. Das Problem: Viele wichtige Investoren haben den Glauben an die Drachen-Energie aufgegeben, seit Google seine Forschung dazu eingestellt hat. Deshalb haben die Gründer Schwierigkeiten sich zu finanzieren, sie geben aber nicht auf und machen mit Herzblut weiter.

Plastik aus CO2 herstellen in Straubing

Mehr als nur ein “Klimakiller”: CO2 lässt sich auch als Rohstoff zu verwenden. Möglichkeiten zur Nutzung gibt es viele: Aus CO2 lassen sich Chemikalien, Kraftstoffe oder Materialien herstellen. Das versuchen Fraunhofer-Forscherinnen und Forscher in Straubing. Sie stellen aus CO2 zunächst Methanol und Ameisensäure her, die sie via Mikroorganismen zu Bausteinen für Polymere und Co. umwandeln. Damit könnte man zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen: Einerseits Emissionen abbauen und das Klima schützen, andererseits die chemische Industrie auf eine nachhaltige Rohstoffbasis umstellen. Klingt vielversprechend in der Theorie. Das Problem: Die Kunststoffherstellung braucht immens viel Energie und ist sehr teuer. Noch ist unsicher, ob sie sich jemals lohnen wird.

Recyclingbeton aus München

Beton ist ein Klimasünder, vor allem das Bindemittel Zement. Deswegen setzt Andrea Kustermann, Professorin für Bauingenieurwesen an der Hochschule München, auf Recyclingbeton – aus Bauschutt. Der entsteht beim Abriss alter Gebäude in rauen Mengen. Der Baustoff könne "der Schlüssel zur Klimaneutralität auf dem Bausektor" sein, hoffen manche. Auf der Baustelle der Bayernkaserne steht ein aus Recyclingbeton gebauter Pavillon. Auf dem Gelände sollen auch erste Gebäude mit Recyclingbeton gebaut werden. Das Problem: Bei Bauträgern stößt das Material auf Skepsis. Und noch ist unklar, ob Recyclingbeton tatsächlich so viel mehr CO2 einsparen kann.

Insekten als Tierfutter

Sind Larven die Zukunft der Landwirtschaft? Ja, sagen Thomas Kühn und Wolfgang Westermeier. Sie haben das Startup "FarmInsect" gegründet. Sie verkaufen Mastanlagen für Insekten an Bauern. Damit können die Landwirte eigene Larven züchten und sie später an Fische, Schweine oder Hühner verfüttern. Damit lasse sich bis zu 50 Prozent CO2 einsparen, sagen die Gründer, denn die Larven werden regional produziert. Konventionelles Futter wie Soja oder Fischmehl muss meist importiert werden. Außerdem komme es die Bauern günstiger.

Müllroboter für Grünflächen

Ob Kippen oder Plastikreste – gerade kleiner Müll ist in Wiesen und Parks schwer zu entfernen. "Dodo" – ein Müllroboter - soll das ändern. Das Team von "Angsa Robotics" aus Garching hat ihn erfunden. "Wir haben Gespräche geführt mit Parkverwaltungen und Festivalveranstaltern. Dort hieß es immer: Der Müll muss mit der Hand aufgesammelt werden. Dann wird es oft schlecht gemacht und bleibt liegen, gerade in öffentlichen Parks", sagt Karl Schulz, einer der Gründer. Der autonome Roboter sammelt nur, was er als Müll erkennt. Pflanzen, Tiere und verlorene Schlüssel werden also verschont. Mit jedem Einsatz vergrößert sich die Datenbank, der Roboter wird also schlauer.

Plastik recyceln mit der Hilfe von Würmern

Plastik ist ein Riesen-Umweltproblem. Auch, weil sich viele Plastikarten schlecht oder gar nicht recyceln lassen. Dagegen überlegt sich das Projekt Beworm der TU München was. "Wir forschen an einem biotechnologischen Recyclingprozess für Plastik. Das heißt: Wir suchen nach Mikroorganismen und Enzymen, die Plastik zersetzen können, die es aufgrund der Verschmutzung in der Natur gelernt haben", sagt Gründerin Eleonore Eisath. Wachswürmer zum Beispiel können das. Bei Beworm im Labor kann man sehen, wie die Würmer das Plastik anknabbern und Bakterien es zersetzen. Leider noch viel zu langsam.

Holz in Wasserstoff verwandeln in Hof

In Hof wird an einer Lösung geforscht, wie mehr wasserstoffbetriebene Fahrzeuge in ländlichen Regionen fahren können. Denn hier fehlen häufig noch E-Ladesäulen. Das Unternehmen "Btx Energy" will mobile Container kreieren, in denen Wasserstoff aus Holzpellets gewonnen wird. In den Containern sollen Holzreste zunächst verbrannt werden, sodass Holzgas entsteht. Aus diesem Gas wiederum soll der Anteil des Wasserstoffs abgespalten werden. Kopf der Firma ist Andy Gradel. Neben den Pellets will er auch mit Biogas Wasserstoff gewinnen. Zudem ist er am Institut für Wasser- und Energie-Management an der Hochschule in Hof leitender Ingenieur. Bisher stecken Gradels Projekte allerdings noch in der Entwicklung. Der Durchbruch muss – wie bei vielen Klima-Erfindungen – erst kommen.

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