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Klimawandel: Große finanzielle Verluste im Staatsforst | BR24

© picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Wetterextreme der letzten Monate und Jahre haben ihre Spuren in den bayerischen Forsten hinterlassen.

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    Klimawandel: Große finanzielle Verluste im Staatsforst

    Stürme, Hitze, Trockenheit, Schneebruch und Borkenkäfer – im Geschäftsjahr 2019 haben die Folgen des Klimawandels die Bayerischen Staatsforsten rund 80 Millionen Euro gekostet. Und die Zukunftsaussichten für den Wald sind wohl nicht rosig.

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    Die Bayerischen Staatsforsten, Deutschlands größtes Waldunternehmen, bewirtschaften insgesamt 808.000 Hektar Wald. Das entspricht über elf Prozent der Gesamtfläche des Freistaats. Auf dieser Fläche wachsen jährlich über sechs Millionen Kubikmeter Holz, von denen rund fünf Millionen Kubikmeter genutzt werden.

    Klimawandel im Wald angekommen

    Hitze, Trockenheit, Schadinsekten wie der Borkenkäfer, Stürme und Schneebruch, all das schadet dem Wald. Das Fatale dabei: Es sind so viele Baumarten wie noch nie betroffen. Das geht aus dem Geschäftsbericht der Bayerischen Staatsforsten für das Jahr 2019 hervor. Während früher im Wesentlichen Fichten anfällig waren, bekommen nun auch Buchen und Kiefern Probleme. Überschrieben ist der Bericht mit "Klimawandel kostet Bayerische Staatsforsten 80 Millionen Euro."

    Was genau führt zu den Verlusten?

    Bei den Bayerischen Staatsforsten fällt mehr Arbeit in den Wäldern an. Die geschädigten Bäume müssen gefällt und aus dem Wald gebracht werden, damit der Restbestand gesund bleiben kann. Das sorgt jedoch für ein Überangebot auf dem Holzmarkt. Die Preise sind in den letzten Monaten kontinuierlich gesunken. "Kurzfristig gehen wir von einer schwierigen Geschäftslage aus", sagt Martin Neumeyer Vorsitzender der Bayerischen Staatsforsten. Er rechne jedoch in Zukunft mit steigenden Preisen.

    Diese Einschätzung teilt Ralf Straußberger nicht. Er ist Wald- und Jagdreferent beim Bund Naturschutz und stellvertretendes Beiratsmitglied der Bayerischen Staatsforsten. Er befürchtet, dass die Preise in den nächsten Jahren noch weiter sinken könnten. Der Holzmarkt werde durch das vermehrte Fällen von schadhaften Bäumen mit Nadelholz überflutet. Gibt es Baumarten für die Zukunft?

    Programm der Staatsregierung: 30 Millionen Bäume

    Die Bayerischen Staatsforsten wollen im Zuge des 30-Millionen-Bäume-Programms der Staatsregierung viele neue Bäume pflanzen. Aber welche?

    Der Umbau im Staatswald zu einem stabilen Mischwald mit Eichen und Tannen, aber auch mit Elsbeere, Flatterulme oder Kirsche läuft schon seit langem. Aktuell plant man, auch Baumarten zu pflanzen, die bisher in bayerischen Wäldern nicht heimisch sind. Etwa Atlas- und Libanonzedern oder Baumhaseln zum Beispiel, die in einem Klima bestehen können, wie es bedingt durch die Erderwärmung in 50 bis 100 Jahren in Bayern vorherrschen dürfte.

    Ralf Straußberger vom Bund Naturschutz sieht das kritisch: "Es ist immer schwierig, irgendwelche Baumarten anzupflanzen. Man muss es sich genau überlegen, da die Bäume Hitze, aber auch Frost und die sehr niedrigen Temperaturen im Winter aushalten müssen." Da sei es besser, auf heimische Baumarten zu setzen wie Tanne, Eiche oder Buche. "Wenn allerdings die Klimaerwärmung um etwa vier Grad zunimmt, werden die heimischen Bäume nicht überleben", meint Straußberger. Dann gebe es ein massives Waldsterben.

    Das zu verhindern müsse dringliches Ziel der Staatsregierung sein, fordert Straußberger. Nur die Staatswälder zu Klimawäldern zu ernennen und „Bäume zu umarmen“, bringe nichts. „Das gibt vielleicht schöne Bilder, aber es tut sich nichts.“

    Mehr Personal für den Wald?

    Der Bund Naturschutz fordert deshalb zum einen mehr Personal, da man "in Krisensituationen den Wald genauer im Auge behalten" müsse. Dafür brauche es mehr Förster und auch mehr Jäger. Vor allem Rehe seien ein Problem, weil sie junge Bäume abfressen, ganz besonders Tannen. Zum anderen sei es besser, auf die natürliche Verjüngung des Walds zu setzen. "Wenn wir jetzt lauter neue Bäume setzen und es im Frühjahr nicht regnet, ist das viele Geld zum Fenster rausgeschmissen“, erklärt Straußberger. Der Wald könne sich auf natürliche Weise viel besser selbst verjüngen.

    Wald nutzen oder der Natur überlassen?

    Bund Naturschutz und die Bayerischen Staatsforsten teilen jedoch die Meinung, dass die Wälder weiter genutzt werden sollen. "Ein gesunder und wachsender Wald ist der beste CO2-Speicher, den es gibt", sagt Martin Neumeyer. Man müsse Sorge tragen, "dass junger Wald nachwächst". Großflächige Stilllegungen hingegen führten dazu, "dass der Wald seine Klimaspeicherfunktion verliert." Kein Quadratmeter Staatswald werde aufgegeben, so der Vorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, weil der Anspruch sein müsse, "einen neuen, zukunftsfähigen Wald zu erschaffen."

    💡 Was sind die Staatsforsten?

    Die Staatsforsten sind eine Anstalt des öffentlichen Rechts im Eigentum des Freistaats Bayern. Sie bewirtschaften den gesamten bayerischen Staatswald. Dieser ist insgesamt 808.000 Hektar groß, 2.700 Beschäftige kümmern sich um ihn. Es wachsen jedes Jahr 6,1 Millionen Kubikmeter Holz darauf.